06. Februar 2014

Steuern Mehr Eier, Frau Schwarzer!

Wenn man geht, geht man konsequenterweise ganz

Eines vorweg: Ich mag Alice Schwarzer nicht. Vielleicht ist sie privat eine nette Person, aber ich kann ihre Attitüde nicht leiden, Frauen als arme hilflose Opfer und Männer als brutale gemeine Täter darzustellen. Zumal es mir ein wenig unredlich erscheint, 50 Prozent des Himmels zufordern und zeitgleich den Männern 100 Prozent der Hölle zu überlassen. Außerdem halte das Postulat einer Gleichheit von Mann und Frau statt einer Gleichwertigkeit für intellektuell schlicht. Ganz abgesehen davon, dass es biologisch falsch ist.

Dass sie nun über ihr Schweizer Schwarzgeld gestolpert ist, breitet mir – ich kann es nicht leugnen – ein bisschen Schadenfreude. Nicht zuletzt, weil es einmal mehr zeigt, dass der moralisch erigierte Zeigefinger nur allzu oft mit heißer Luft betrieben wird und nicht dank echtem Herzblut steht. Dass im Zuge der Affäre jetzt thematisiert wird, in welch völlig absurden Art und Weise in Abhängigkeit von Sympathien und Beziehungen, Projekte, deren gesellschaftlicher Mehrwert zumindest zweifelhaft ist, mit Steuergeldern gefördert werden, ist ebenfalls begrüßenswert, aber: Dass sich Schwarzer ihre Projekte hemmungslos subventionieren lies, würden die meisten wohl ähnlich handhaben, so die Möglichkeit bestünde. Dass sie das Geld, welches sie in die Schweiz transferierte, möglicherweise (zumindest teilweise) nur dank dieser Subventionen verdienen konnte, ist für die moralischen Zeigefinger der Republik (siehe oben) nun ein besonders pikantes und verwerfliches Detail. Tatsächlich aber zeigt sich daran lediglich überdeutlich, was jede Art von (staatlicher) Subvention wirklich ist: Enteignung aller zum Wohl einiger weniger. Daher gehören Subventionen abgeschafft – völlig unabhängig von dem Fall Alice Schwarzer. Die Hoffnung, dass die öffentliche Diskussion diese gedankliche Richtung nehmen könnte, habe ich aber angesichts all derer, die tagtäglich an den Subventionstöpfen saugen, nicht.

Doch unabhängig davon breitet sich heißer Zorn in mir aus, wenn ich Reaktionen wie diese auf Schwarzers Steuerexil lese: „Das ist kein Kavaliersdelikt, wenn sie dem Gemeinwesen Geld wegnimmt,“ so blubberte es jüngst aus Karin Göring-Eckhardt bei einer dieser Runden im gebührenfinanzierten Fernsehen. Diese Geisteshaltung verwundert zwar nicht, hat sich die Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion doch nie am freien Markt beweisen müssen und konnte sich immer auf die Zahlungen aus dem prallen Geldsäckel staatlicher Institutionen verlassen. Verlogener geht es kaum mehr.

Gefüllt ist dieser Säckel nämlich einzig und allein deshalb, weil es sich anders herum verhält, Frau Göring-Eckhardt! Nicht der Steuerhinterzieher ist der Dieb, sondern das so genannte Gemeinwesen stiehlt und bereichert sich in einer ungeahnten Dreistigkeit an der Leistung der Bürger. Trotz aller Subventionen hat sich Alice Schwarzer als Verlegerin doch irgendwie am freien Markt beweisen und unternehmerische Leistung bringen müssen, ganz im Gegensatz zu der grünen Frontfrau. Irgendwann wurde es halt auch der Oberfeministin zuviel, Geschlechtsgenossinnen wie Göring-Eckhardt mit durchzufüttern. Sie nutzte die einzige Möglichkeit mit der sich ein Individuum gegen die Übergriffe des Gemeinwesens wehren kann: Sie stimmte mit den Füssen ab und ging. Zumindest mit einem Teil ihres bereits versteuerten Vermögens. So weit, so richtig (beziehungsweise falsch – denn wenn man geht, geht man konsequenterweise ganz).

Zu dem bisschen Schadenfreude und der gehörigen Portion Zorn über Staatsbüttel wie Göring-Eckhardt gesellt sich im Abgang noch Enttäuschung: Denn der Versuch sich zu verteidigen, offenbart wieder die mir so ungenehme Attitüde von Alice Schwarzer: Fehler habe sie gemacht, ja, aber doch dafür bezahlt, jetzt sei alles legal und trotzdem werde eine Rufmordkampagne gegen sie gefahren, so weint sie, die arme Hilflose...Eier, Frau Schwarzer, Eier!

Anstatt rumzujammern und auf die Gründung einer gemeinnützigen Stiftung zu verweisen (gibt es dafür dann Subventionen oder Steuerleichterungen?), wäre es viel schöner und richtiger gewesen, sie hätte auf die ganze politische Korrektheit gepfiffen ebenso auf ihre ohnehin stark gesunkene gesellschaftliche Reputation und dann frei und aufrecht die Gründe fürs Schweizer Geld-Exil ehrlich benannt. So in der Art etwa: „Ja, ich habe mein Geld vor den staatlichen Raubrittern in Sicherheit gebracht! Ich will mit meiner Arbeitskraft keine Folterlager in Afghanistan finanzieren! Mein Vermögen soll nicht zum Bau von Prestigeobjekten korrupter Politikbonzen dienen! Und abstruse Projekte will ich erst recht nicht meinem Steuergeld subventionieren. Mein Einkommen wird schon mehr als genug besteuert, das was mir bleibt, will ich für mich verwenden, nicht für die Rettung bankrotter Banken in der Eurozone. Deshalb würde ich es wieder tun – allein die Angst vor der staatlichen Knute ließ mich die Selbstanzeige erstatten. Das nächste Mal mache ich es richtig und gehe gleich ganz.“

Damit würde sie sicherlich viele Sympathien gewinnen. Weniger wegen der Aussagen zum Thema Steuern, sondern wegen der Ankündigung ihres Abgangs. Bei mir aber hätte sie dann wegen ersterem einen Stein im Brett gehabt. So aber warte ich weiterhin auf eine ehrliche Ansage in Sachen Steuerhinterziehung. Die nächste Chance kommt bestimmt. Nicht weil der Bürger so böse oder gierig wäre, sondern weil sich kein Mensch gerne bestehlen lässt – in Zeiten des totalitärer werdenden Steuerstaats aber wird es schwieriger, den Langfingern zu entkommen: Die nächste gestohlene CD wurde mit Sicherheit schon angekauft.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Fabian Grummes

Über Fabian Grummes

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige