27. Februar 2014

Martin Schulz Der falsche Doktor und das liebe Stimmvieh

Dialektisch abgeschnittene Schafsköpfe – ein Fall für TKKG!

Hans und Karl (Namen vom Verfasser geändert) hätten gerne mehr Macht über Menschen. Hans ist Mitglied einer Machtelite, die sich aus den mächtigsten Bankern, Großindustriellen, Politikern und Medienmachern zusammensetzt und alljährlich trifft, um hinter verschlossenen Türen zu bequatschen, wie man den Völkern Europas eine supranationale politische Organisationsstruktur, nennen wir sie mal „Superstaat“, schmackhaft machen könnte. Karl auch.

Hans: „Es gibt noch zuviele Zweifel, zuviel Skepsis, zuviele Widerstände. Das schmeckt mir nicht. Irgendwie müssen wir die Menschen davon überzeugen, dass sie unsere Hilfe brauchen um das, was wir ihnen als, muahaha, sogenannte wirtschaftliche Freiheit übrig zu lassen leider herablassen müssen, damit sie nicht zu frech werden und aufmucken; damit sie nicht merken, was gespielt wird, Schrittchen für Schrittchen, bis sie sich eines Morgens die Augen reiben und jammernd feststellen, dass es nun kein Zurück mehr gibt, hehe; damit sie auch weiterhin glauben, wir wollten, prust, ihr Bestes, zu gewährleisten, zu verteidigen und zu schützen.“

Karl: „Ja, ich weiß, was du meinst. Mich ärgert das auch. Unsere bisherige Vorgehensweise war nicht überzeugend genug. Immer mehr Menschen informieren sich über unsere Pläne, sie wissen jetzt, wer wir sind und kennen unsere Absichten. Einige laufen sogar schon mit offenen Augen herum. Schrecklich. Hergott nochmal, da haben wir uns soviel Mühe gemacht und konnten die Folgen des Internet trotzdem nicht umfassend vorhersehen. Ärgerlich. Diese vermaledeite Technologie lässt sich einfach nicht vollständig unter unsere Kontrolle bringen, es gibt zuviel freien Informationsfluss. Was machen wir denn jetzt?“

Hans: „Och, da habe ich mir schon was einfallen lassen. Vertrau mir, das bekommen wir in den Griff. Ich greife dabei auf einen altbewährten Trick aus unserem Instrumentarium zur politischen Überzeugungsarbeit zurück.“

Karl: „Mach‘s nich‘ so spannend und spuck‘s aus!“

Hans: „Na, was ist denn eine unserer erfolgreichsten Methoden seit mehr als hundert Jahren? Tut mir leid, aber du bist doch sonst so schlau, also muss ich dich noch ein wenig auf die Folter spannen. Ich will es dir in schüttelgereimter Form andeuten:

A und B beherrschen C, doch C schmeckt nun das Gift im Tee. Das ist ja gar kein Pfefferminz, beschwert sich dieser kleine Prinz, und ruft nach einem Mediziner. Der Doktor, einer unserer Schlawiner, haut auf den Tisch und schreit es raus: Mehr Freiheit muss in dieses Haus! Doch unser Prinz, der dumme Bauer, bemerkt es nicht und wird nicht schlauer: Der Arzt auf unserer Scherenklinge, der hilft ihm nicht, befreit ihn nicht – führt ihn nur weiter hinters Licht! Der böse A, so unser Diener, zerstört die Freiheit unseres B! Das tut doch weh. Deshalb, so lügt der Scheinprophet, reiß ich den A aus unserem Beet, auf dem die B-B-Blüten blühen. Doch A und B, du weißt es schon, sind Diener vor demselben Thron.“

Karl (verschmitzt grinsend): „Du bist und bleibst ein teuflisch genialer, hinterfotziger Betrüger, weißt du das? Böse, böse!“

Hans: „Hehe. Freut mich, dass du kapiert hast, was mir vorschwebt!“

Worauf ich mit dieser kleinen Geschichte anspiele, werden Sie sich jetzt bestimmt fragen.

Nun, EUdSSR-Parlamentspräsident Martin Schulz, der falsche Doktor auf einer Klinge der dialektischen Scherenbewegung (B-Klinge), ein Vortänzer und -sänger, vermeintlich völlig unabhängig und frei redend und doch nur die Interessen der kleinen Prinzen im Blick, denen es immer noch schwer zu fallen scheint, das anti-freiheitliche Toxin im Tee zu schmecken, sagte auf einer „Feierstunde“ an einer, wie passend, Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe, bei der ihm die – noch passender in schüttelgereimter Hinsicht – „Ehrendoktorwürde“ für seine Verdienste um „Europa“ verliehen wurde, Konzerne wie Google und Facebook (A-Klinge), beide nachweislich – ich erfinde das ja nicht, Sie können es selbst recherchieren, wenn Sie mir nicht glauben wollen – mit nicht geringer Unterstützung der Globalisten-Machtelite und ihrer Geheimdienste (in beiden Fällen, sowohl Google als auch Facebook, der CIA) zu dem geworden, was sie heute sind (also, wie Schulz sich ausdrückte, „Markt“-Beherrscher),  bedrohten „Menschenrechte und Demokratie“, „Freiheits- und Grundrechte“.

Gemerkt? Hmpf. Noch immer nicht. Gut.

Schulz sagte außerdem, die Rettungspakete, die im Verlaufe der Krise verteilt worden sind, wären nur die Fortsetzung einer Politik gewesen, deren „Marktradikalismus“ das Ungemach ja überhaupt erst verursacht habe. Kurz, Schulz hält die meisten Menschen offensichtlich für saudumm. Denn wie man bei diesem verlogenen, massiv manipulierten, oligarchisch-plutokratisch gesteuerten Geld-, Finanz- und Bankensystem, diesem bruttoregistertonnenweise nach verfaulendem Fisch stinkenden monopolistischen Oktopus mit all seinen heuer deutlich zu erkennenden Folgen noch von „Markt“ sprechen kann, das versteht ja höchstens ein überraschter Experte nach zwölf Semestern wirtschaftswissenschaftlichen Studiums – oder ein Qualitätsjournalist. Oder Sarah Wagenknecht. Oder Abgeordnete der liberalgrün-sozialchristokratischen Einheitspartei.

Worauf ich hinaus will? Sie ahnen es noch immer nicht? Okay, die Vorgeschichte nochmal im Schnelldurchlauf:

Auf einer Bilderberger-Konferenz im Jahre 2011 trafen sich – wie immer hinter verschlossenen Türen, versteht sich – unter anderem Google-Chef Eric Schmidt und NSA-Direktor Keith Alexander. Was die da wohl besprochen haben? Tja, da liegt das Problem: Niemand weiß es. Ist ja alles streng geheim, was die elitären TKKGs in ihren Baumhäuschen ausbaldowern. „TKKG“ steht hier natürlich nicht für die Figuren „Tim, Karl, Klößchen und Gaby“ aus einer berühmten Jugendbuchreihe, sondern „Täuschung, planwirtschaftlicher Kappes, sozialdemiurgischer Kokolores und Geheimschwurbel“.

Etwas später begann dann der Edward-Snowden-Marathon. Von morgens bis abends, und das schon seit gefühlten einhundert Jahren, werden wir bombardiert mit entsprechenden Meldungen: wen die NSA nicht alles ausspioniert. Sogar das Handy der Kanzlerin wurde abgehört, schockschwerenot, und die Räder von Schäubles Rollstuhl haben sie auch geklaut! Selbst den Gasableser Putins, den Gas-Gerd, hamse bespitzelt. Tagaus, tagein, 24/7, rund um die Uhr, nonstop: Alles und jeder wird belauscht. Und erst Google und Facebook, nein, also das geht nicht, die bedrohen ja unsere Freiheiten, diese unersättlichen Machtkraken! Und mit der NSA sollen sie auch noch kooperiert haben! Orwell verdreht im Grab gelangweilt die Augen und murmelt durchs Moos: „Seufz ... ich gehör‘ ja nich‘ zu den Leuten, die hinterher sagen: Ich hab‘s ja gesagt ...“.

Denn nun kabbeln sich Ozeanien und Eurasien: „Öy, Emmanuel Goldstein, spionierst du uns etwa aus? Das ist ja unerhört! (Leises Kichern hinter der Bühne aus einer Konferenzschaltung.) Das lassen wir uns aber nicht bieten! Jetzt brauchen wir ein, hm, mehr europäisches Internet, ein EUnetz, ach besser noch, EUmelnetz! Ihr dreckigen Ozeanier! Fuck you!“

 „Fuck you too, EU!“, schallt es über den Atlantik durch eine unverschlüsselte Telefonleitung zurück, damit man leichter mitschneiden kann, dass die sich – scheinbar! –  gar nicht mehr so liebhaben (Victoria Nuland ist verheiratet mit Robert Kagan, einem strammen Neocon und Mitglied genau derjenigen Machtelite, die gerne dialektische Scheren zusammenlötet).

Klingelt‘s jetzt? Wenigstens leise? Oh, Mann. Sie machen mich wahnsinnig!

Also: Der falsche Doktor Schulz möchte dem lieben Stimmvieh nun weismachen, die EU müsse, Zitat Martin Schulz, dieser „totalitären, alles durchdringenden Technologie“ (gigasic!) des Internet entschlossen entgegentreten. Doch die Nationalstaaten, so Schulz, könnten es mit den globalen (lies: Globalisten-) Konzernen unter Kontrolle der Machtelite (Thron hinter A und B) nicht aufnehmen. Schulz: „Das sehe ich als Aufgabe der EU.“ Natürlich. Der politische Handlungsspielraum der Nationalstaaten ist einfach zu klein, die armen Würmchen schaffen es nicht, sich gegen diese (Globalisten-) Monster durchzusetzen. Das kann nur ein Superstaat, also ein anderes Machtmonster – die EU. Halleluja! Totalitär ist das Internet natürlich nicht. Typisches Neusprech. Was die Herrschaften in Wahrheit stört, ist sein dezentralistisches, machtzentrifugales Potential.

Verstehen Sie mich aber nicht falsch: Ich gebe kein Fanzine für Nationalstaaten heraus. Ich bin kein Nationalist, der mit Zähnen und Klauen nationale Gewaltmonopole verteidigen will. Ich frage mich nur, ob ein supranationales, superstaatliches Gewaltmonopol unter Oberaufsicht  größenwahnsinniger Scherenlöter die Lösung sein kann.

Es lebe die verEUmelte Demokratie!

Schrillen jetzt endlich sämtliche Alarmglocken? Ist es nun angekommen? Könnte es denn wirklich noch offensichtlicher sein? Könnten wir uns jetzt bitte endlich mal darauf verständigen, das dämliche Gerede von den „Verschwörungstheorien“ aufzugeben, uns den Tages-Zeitdung aus den Augen zu wischen, den Kopf aus dem Hintern zu ziehen, den Flachbildschirm mal für längere Zeit ausgeschaltet und uns nicht von geskripteten, scheinpluralistisch-scheindemokratischen „Diskussionen“ in denkqualitätsmindernden Talkshows bewusstlos quasseln zu lassen, unsere Hirne frisch durchzulüften, uns zu benehmen wie erwachsene, geistbegabte Menschen, die Augen zu öffnen und kristallklar zu erkennen, was hier gerade gespielt wird?


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