31. März 2014

Schweiz Der achte Bundesrat

Herrschaft und Konkurrenz

Vor einer Woche gab ich meine Kandidatur für den Sitz des achten Bundesrates bekannt. Ausgeschrieben wurde diese Wahl von der Tageszeitung „Blick“. Über 500 Kandidaten sollen sich innerhalb der angesetzten Frist beworben haben. Bevor das Volk zur Wahl aufgerufen wird, nimmt der „Blick“ noch eine ziemlich rigorose Vorselektion auf nur gerade neun Kandidaten vor. Das erscheint zwar nicht besonders demokratisch, doch ist es noch immer viel weniger undemokratisch als bei den sieben Bundesräten in Bern, zu denen das Volk bekanntlich rein gar nichts zu sagen hat.

Wenn ich die Hürde der Vorselektion schaffe (vielleicht scheide ich schon aus Altersgründen aus – das Durchschnittsalter der Kandidaten liegt fast 20 Jahre unter dem meinem), darf ich Sie höflich bitten, mir Ihre Stimme zu geben. Und ermuntern Sie bitte auch all Ihre Verwandten, Bekannten und Freunde, mir ihre Stimme zu geben. Denn mein politisches Programm ist zwar unkonventionell, aber hoffentlich trotzdem ansprechend. An dieser Stelle präsentiere ich es im Sinn eines groben Überblicks.

Das Programm ist Anarchie

Nicht mehr und nicht weniger. Aber nur keine Angst, das tönt spektakulärer als es ist und hat vor allem rein gar nichts mit Chaos und Gewalt zu tun. Anarchie ist Ordnung mit der Besonderheit, dass sie auf ein zentrales Herrschaftsmonopol verzichtet. Das Wort Ana-Archie kommt aus dem Griechischen und bedeutet Abwesenheit einer obersten Vorherrschaft. Es soll also kein Herrschender – und selbstverständlich wird es immer Herrschende geben – eine oberste Vorherrschaft über alle Anderen beanspruchen. Oder anders ausgedrückt, es muss sich jeder Herrschende der Konkurrenz durch andere Herrschende stellen. Dies insbesondere dann, wenn er behauptet, er sei ein ganz besonderer Herrscher, der über eine ganz besondere Legitimation verfüge und deshalb eben doch das letzte Sagen haben müsse. Denn das behaupten sie natürlich alle, diese ehrgeizigen Herrschenden; die fanatischen Hassprediger, die abgehobenen Sektengurus, die allein selig machenden Kirchen und nicht zuletzt jene besonders skurrilen Herrschaftsorganisationen, die sich „Staat“ nennen. Jedenfalls ist es ein weises Prinzip, all diesen Ansprüchen auf oberste Vorherrschaft eine Absage zu erteilen. Das ist Anarchie.

Nun sagen Sie vielleicht, beim Staat sei das doch etwas anderes. Der Staat sei doch ein ganz besonderer Herrscher, der über eine ganz besondere Legitimation verfüge und deshalb eben doch das letzte Sagen haben müsse. Aber eben: Genau das behaupten alle, auch die Anhänger der Hassprediger, die Adepten der Sektengurus, die Gläubigen ihrer Kirchen. Und genau gleich eben auch jene, die vom Staat überzeugt sind. Ihnen allen hält das anarchistische Prinzip etwas entgegen, das so bestechend einfach wie fraglos gerecht ist: All diese Adepten, Anhänger, Gläubigen und Überzeugten sollen dies ungehindert sein; doch sollen sie ihren Hassprediger, Sektenguru, Papst oder Staat niemandem aufnötigen, der sie nicht will.

Das gilt natürlich genau so für die Machtorganisation „Schweizerische Eidgenossenschaft“. Was dies im Rahmen meines politischen Programms als achter Bundesrat bedeutet, werde ich Ihnen in der nächsten Woche darlegen. Bleiben Sie dran!

Dieser Artikel erschien zuerst in der „Basler Zeitung“.


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