10. April 2014

Wenn „Die Zeit“ anruft Die Infektion mit dem Bösen

Weiter auf der beschwerlichen Suche nach rollenden Köpfen

Dossierbild

Soweit wir wissen, hat niemand außer der „Zeit“ Akif Pirinçcis Buch „Deutschland von Sinnen“ mit dem Versandhaus Manufactum in Verbindung gebracht, jedenfalls nicht in der Weise, wie es gestern geschehen ist.

Das liegt nicht daran, dass alle anderen Medien verpennt oder nicht in der Lage wären, bei Wikipedia zu recherchieren, sondern daran, dass alle vier Beteiligten – Autor Akif Pirinçci, Verleger Thomas Hoof, Publizist André F. Lichtschlag und Verlagsleiter Andreas Lombard – keinen Arbeitgeber haben, von dem man verlangen könnte, alle vier Herren umgehend auf den Mond zu schießen. Auch dürfte es schwierig sein, ihnen irgendwelche Preise oder Ehrenmitgliedschaften abzuerkennen.

Deshalb haben wir ja bereits vorgeschlagen, der Firma Birkenstock die Pirinçci betreffende Erklärung abzuverlangen, dass ihr die räumliche Nähe ihrer Sandalen zu seinen Fußsohlen nicht behage. Irgendein großer Name muss unbedingt her, wenn keiner auf die schimpfenden Journalisten hört. Und zwar auch dann, wenn der große Name mit dieser Angelegenheit gar nichts zu tun hat. Einmal befragt, muss er sich selbstverständlich von dem beargwöhnten Buch distanzieren, auch wenn es irgendeine „Nähe“ nie gegeben hat. Allein die vollkommen willkürliche, aus der nackten Not geborene und umgehend veröffentlichte Anfrage produzierte hier die „Angst vor einem Imageschaden“. Das heißt, die denunziatorisch engagierte „Zeit“ drohte indirekt und unausgesprochen mit dem Schaden − für den Fall einer ungeschickten oder gar ausbleibenden Antwort. Die besorgte Firma konnte ihre Seelenruhe einzig und allein dadurch wieder herstellen, dass sie vor Heuchlern heuchelte und sich besorgt zeigte. Schließlich ist die Anfrage berechtigt, weil sie gerichtet wird. Wie auch die Anklage berechtigt ist, weil sie erhoben wird. Es reicht, wenn zwei Leute, von denen einer aus der Reihe tanzt, sich irgendwann die Hand gegeben haben. Die Infektion mit dem Bösen geschieht über den bloßen Kontakt.

Jedenfalls aus Sicht derjenigen, die jetzt flügelschlagend feststellen, dass sich die Firma Manufactum oder sogar die Otto Group vor einer Rufschädigung fürchten würden. Noch einmal: Rufschädigung durch wen? Es war „Die Zeit“, die „Deutschland von Sinnen“ so gern im Manufactum-Katalog gelistet gesehen hätte. Dann wären jetzt vielleicht Köpfe gerollt. Tun sie aber nicht, Pech gehabt.

Der vorstehende Artikel erschien zuerst auf der Seite „Deutschland von Sinnen“.


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