16. April 2014

Briefwechsel zwischen Autor und Verleger, Teil 1 Über den Erfolg des bösen Buches „Mein Kampf II.“

Bonn von Sinnen

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Akif Pirinçci an Thomas Hoof, 15. April 2014, Nachmittag

Verehrter Herr Verleger,

das haben wir gut hingekriegt, würde ich mal sagen! Innerhalb von drei Wochen Unsummen von Büchern an den Mann gebracht, die komplette deutsche Presselandschaft, wirklich ohne Ausnahme, an den Rand eines Nervenzusammenbruchs getrieben und selbst Kapitelüberschriften aus unserem Buch zu geflügelten Sprüchen etabliert („Mit dem Arschloch sieht man besser“).

Sicher, unsere Kritiker und Neider sprechen von „Anfängerglück“, „günstigen Umständen“ und „billigem Populismus“, schlicht einem Phänomen, welches den dummen Leser zum Erwerb von „Deutschland von Sinnen“ verleitet haben soll. Nun je, diese Häme und Unterstellungen werden wir in Anbetracht der Übermacht der medialen Gegner nicht aus der Welt schaffen können.

Aber wir wissen es besser, nicht wahr, verehrter Herr Hoof (oder darf ich Sie Kamerad nennen)? All diese Kleingeister haben nicht die geringste Ahnung davon, mit welch Raffinesse und wie generalstabsmäßig dieses Buch von Ihnen geplant wurde und wie Sie mich gleich dem augenrollenden Hypnotiseur zu Ihrem Medium und Sprachrohr gemacht haben und somit auch zu dem der „Bewegung“. In Ihrem waltroper Lichte und wie mich deuchte unter gesundem deutschem Fanfarenklang wuchs ich während des Schaffensprozesses über mich hinaus, transformierte ich mich zum literarischen Kruppstahl und stellte nicht nur einmal die nationbewegende Frage: „Wollt ihr das totale Buch?!“

Ich erinnere mich noch sehr gut an unsere erste Begegnung im letzten Herbst an den Stufen des Hermannsdenkmals, die Sie arrangiert hatten. Sie kamen mit dem konzerneigenen Hubschrauber angeflogen, unter dem Arm die ungefälschten „Hitler-Tagebücher“, auf dass sie mir als Inspirationsquelle dienen mochten. Und was soll ich sagen, sie taten es reichlich! Immer wenn ich beim Verfassen unseres Manifestes ins Stocken kam, labte ich mich an Seinen richtungsweisenden Notizen für das ganze Reich: „Grad in Paris einmarschiert – kann aber immer noch nicht richtig kacken …“ „Alle gehen mir auf den Sack wegen diesem doofen Stalingrad. Hab andere Sorgen: Kot sehr hart und safrangelb …“ „Der ganze Führerbunker stinkt bestialisch nach Scheiße – und niemand soll mir erzählen, dass die Weiber völlig unschuldig daran wären. Könnt’ mich glatt erschießen!“

Solcherlei Kleinode aus Seiner auserwählten Volksfeder erbauten mich auf das Vorzüglichste, so dass ich mit deutschem Fleiß und anatolischem Genius getreulich meine Arbeit zu verrichten vermochte. Auch bin ich Ihnen zu tiefstem Dank verpflichtet, dass sie mir mittels der stillen Post (WhatsApp) die „Einflüsterungen“ der Kameraden zukommen ließen, die mir praktisch den sauteuren Montblanc-Füller aus Gold lenkten. Die Frage aller Fragen, ob ein deutscher Mann sich nur auf eine deutsche Frau einen von der Palme wedeln darf oder ob es auch eine „Rassige“ sein darf – sind eh alle Schlampen –, beschäftigt mich bis heute.

Freudig hüpfenden Herzens entsinne ich mich ebenso, wie wir beide dem Fackelaufzug vor diesem Asylantenheim beiwohnten, um die ganzen Bimbos aus der Stadt zu vertreiben. Sie machten dabei in ihrem knielangen schwarzen Ledermantel der SS-Totenkopfdivision eine fabelhafte Figur. Dass es dabei zu diesem misslichen Malheur kam und die Fackel ihres Nachbarmarschierers versehentlich Ihren Kopf selbst zu einer Fackel transformierte, nun ja, was uns nicht umbringt, macht uns hart. Offen gesagt gefallen Sie mir so besser. Und wie ich hörte, gibt es bereits das erste Angebot aus Hollywood wegen dieses geilen Freddy-Krueger-Remakes. Besser geht’s nicht!

Ja, der Erfolg war eigentlich durch diese Zäh-wie-ein-Windhund-Vorarbeit vorprogrammiert. Nun soll also dieser gefeiert werden. Wie Sie versprochen haben, möchten Sie anlässlich des hunderttausendsten verkauften Buchexemplars eine Festivität zu meinen Ehren geben! Das ist schön. Aber bedenken Sie, lieber Herr Hoof, reicht ein Pfund Koks dabei wirklich aus? Ich allein rüssele ja schon bestimmt 200 Gramm wie nix weg, den Rest saugen die 20 Nutten vom Escort. Also seien Sie nicht so kniepig und ordern Sie gleich drei Kilo. Danke!

Träumen darf ja wohl noch erlaubt sein, und so träume ich bereits von einer Million von verkauften „Sinnen“. Wie ich Ihren Lakaien schon ausgerichtet habe, erwarte ich in diesem Falle von Ihnen ein etwas gewichtigeres Zeichen des Stolzes auf Ihr Zugpferd. Die Sache ist die, dass sich mein armer Sohn zunehmend mit automobilen Fortbewegungsmöglichkeiten beschäftigt und sich in die Idee verrannt hat, nach der Erlangung eines Dokuments zum „Führen“ eben solch eines Automobils ein Exemplar deutscher Wertarbeit aus Stuttgart-Zuffenhausen sein Eigen zu nennen. Mit einem Wort, das unverschämte kleine Arschloch will einen Porsche. Da die Erfüllung dieses Wunsches meine bescheidenen Mittel über Gebühr strapazieren würde, kam ich auf den Gedanken, dass vielleicht Sie ihm diesen Gefallen täten. Mit der generösen Geste könnten Sie nicht nur Ihre Großzügigkeit unter Beweis stellen, sondern mich auch zu einer Fortsetzung des „Erfolgsmodells“ inspirieren. Think about it.

Lieber Verleger, mit diesen verheißungsvollen Worten schließe ich meinen Brief, während ich links einen Blick auf ein Bildnis von Ihm im Stehrahmen werfe und „rechts“ auf eins mit Ihrem Portrait. Dabei weiß ich nicht, wer verführerischer von Ihnen beiden ist.

Sehr herzlichst

Akif Pirinçci

Der vorstehende Artikel erschien zuerst auf der Seite „Deutschland von Sinnen“.


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