17. April 2014

Wochenwahnwitz Über eine Presse von Sinnen, ein Jubiläum und die Wahl der Richtigen

13 Jahre Fruchtgummibombing!

Die Herolde der Leitmythomedien tragen ihr Hofsängertum trotz allem immer noch mit dem blechern quietschenden Stolz eines sinkenden Luxusliners zur Schau, begießen ihren Deutungshoheits- und Machtverlust mit heißen Krokodilstränchen – „Teilst du die hohe Meinung nicht, aus dir gewiss ein Nazi spricht, schni-schna-schnappi“ – und spritzen ihr Empörkel über nicht hilfreiche Bücher wieder mal mit allerlei Artikel-, Glossen- und Kommentarsilikon zu grotesk entstellten Hardcore-Pornstars der politischen Korrektheit auf. Soviel vorauseilender Gehorsam kann nüchtern Gebliebene schonmal sprachlos machen. Von wegen es gäbe sie nicht, die berühmte „Schere im Kopf“. In Wahrheit handelt es sich um ein überaus reales Phänomen mit rasiermesserscharfen Klingen, über deren schni-schna-schnappiges Geschnippel (Zweite Deutsche Ferngelenkte, ZDF) und schnippisch-drohrhetorisches Halbstarken-Gezappel man im schnaubenden D-Zuge der Bessermenschenwut über ein Werk mit dem überaus treffenden Titel „Deutschland von Sinnen“ herzlich lachen konnte. Aber was blieb ihnen auch anderes übrig? Das Repertoire williger Knechte der Übersprungs-Korrektheit beschränkt sich nunmal darauf, Delinquenten mit den üblichen Ismen aus der rhetorischen Folterkammer von Vlad Rechtspopul zu pfählen. Sollte das nicht mehr helfen, bleibt nur noch der Krampf mit „Mein Kampf“ – so geschehen in der verlorenen „Zeit“, die mittlerweile auch Amateure als Literaturkritiker akzeptiert.

Und das alles nur, weil ein bekannter „Katzenbuchautor“ (Gottschalks Schoßhündchen Stefan Niggemeier) seine Mitmenschen zu großzügigen Spenden für den veröffentlicht-unsäglichen Schwundfunk aufrief. Mit dem Geld solle ein abwechslungsreicheres Spielfilmangebot aufgebaut sowie dringend benötigtes, moderneres technisches Gerät angeschafft werden. Denn drittklassige Streifchen wie „Das Ding aus dem rechten Sumpf“ oder „Die rote Flut“ seien ja mal ganz nett, aber in Endlosschleife? Noch dazu in VHS-Qualität mit ständigen Bildstörungen und Aussetzern? Es sei erschütternd, dass die größten Anstalten Deutschlands sich aufgrund klammer Kassen nichts Besseres leisten könnten als Claus Kleber oder Kurt Krömer, das Traumschiff oder den Landarzt. Daran müsse sich endlich etwas ändern.

Um die Privaten steht es indes auch nicht viel besser: Sat 1 zeichnete ein Interview mit dem, knacks, umstrittenen, knacks, Autor für‘s Frühstücksfernsehen zwar auf, strahlte es dann aber gar nicht erst aus – zu groß war die Angst vor dem durch Deutschland wesenden Obersten Sowjet. Was sollen denn die Kollegen denken!? Nachher wird man von IM Tippex und seinen Legionären der meinungsreinlichen Putzkolonne noch angeschwärzt.

Ach übrigens, falls Sie wissen wollen, worum es in der ganzen künstlichen Aufregung vor den Laientheaterkulissen aus Gender-Pappmaché und Migrationsmull wirklich geht: Um die bodenlose Frechheit einer ganz beträchtlichen Zahl von Lesern und Zuschauern, ein Buch doch tatsächlich an den inkommensurablen Lesetipps und ehernen Kaufempfehlungen erlauchter Meinungsmacher und päpstlicher Literaturglucken vorbei erfolgreich gemacht zu haben. Es darf gekauft werden – und das ganz ohne Erlaubnis des Politbüros und vorherige, eingehende Prüfung auf etwaige Verstöße gegen die Meinungsreinheitsverordnung, um schuldige Autoren beruflich leichter zernichten zu können? Schni-Schna-Schnappi!

Und um ganz, wirklich ganz sicher zu gehen, sei sogleich die bahnbrechende Erkenntnis hinzugefügt: Man muss mit Pirinçci ja nicht in allen Punkten einer Meinung sein. Bin ich übrigens auch nicht. So denkt er meiner Meinung nach seine Staatskritik nicht konsequent zu Ende. Zwar bezeichnet er die hiesige Variante mehr oder weniger als Räuberbande und scheint auch für die europäische Zentralbehörde für Kaffeemaschinensicherheit in Brüssel wenig Sympathien zu hegen, findet aber seltsamerweise kaum kritische Worte für die Krach- und Schießgesellschaft in Washington. Im Gegenteil, die lobt er für ihr, sagen wir mal, „entschiedenes“ Vorgehen im Ausland. Das aber ergibt natürlich keinen Sinn. Denn gegen die Schlangengrube am Potomac ist Berlin ja schon wieder die reinste Chorknaben-Hüpfburg. So konnten die Kriege der letzten Jahre ja überhaupt nur deshalb geführt werden, weil die US-Abzockerbande erstens ständig den Finger am Knopf der weltgrößten Gelddruckmaschine hat und zweitens durch ihren, äh, Isolationismus den Amerikanern exorbitante Schuldenlasten aufbürdete. Im Prinzip dasselbe Spiel wie hier, nur in viel, viel größerem Maßstab und mit teurerem militärischem Spielzeug.

Apropos NATO: Die feiert laut Welt Online nun „dank Putin“ ihre „Renaissance“. Welch eine Erleichterung! Nach 13 Jahren Fruchtgummibombing, um die Welt zu einem naschkatzenkonformeren Ort zu machen, denkt man dort nun endlich wieder über eine militärische Umrüstung auf den Einsatz von Sprengstoff nach. Waidmannsheil!

Und wo wir gerade bei der Jagd sind: Was gibt‘s denn Neues von der als „Ukraine-Krise“ getarnten Ponzimisere? Eigentlich nicht viel. Man scheint sie sich weiterhin schön warm halten zu wollen – für den Fall der Fälle. Goldman-Sachs-Praktikant Barack Obama und sein Außenminister Ketchup-Kerry  stoßen immer noch allwöchentlich ein paar Drohungen aus, falls ein vom Hochhaus fallender Bankier es während des Sturzflugs vielleicht doch noch schnell schafft, ein brisantes Handytelefonat abzusetzen, um den bislang größten Beschiss der Menschheitsgeschichte auffliegen zu lassen. Frei nach dem beliebten Schlager: „Gute Nacht, Freunde, ich sag‘ euch auf Wiederseh‘n. Was ich noch zu lügen hätte, dauert ‘ne riskante Wette, und‘n letzten Krieg beim Geh‘n.“

Sigmar Gabriel entdeckte ein kleines Tütchen Gratismut in der Parteibürotoilette und zog sich den Stoff schnell durch die Nase, um sich mit ganzem Körpergewicht schnaubend und dampfend in antirussische Pose zu werfen. Ich erspare Lesern die rhetorische Frage, ob er denselben Tonfall auch gegenüber patentiert Guten kurzzeitig angeknipst hätte. Opportunisten und Effekthascher aller Länder, vereinigt euch – und werdet Berufspolitiker! Gibt nix Besseres. Einfach die Kiefer möglichst weit auseinanderklappen und munter drauflos quasseln – bezahlen müssen‘s die anderen. Entweder mit Geld oder dem Leben.

„Für Sanktionen gegen Russland ist die Stunde der Wahrheit gekommen. Der Westen muss seinen Worten Taten folgen lassen. Und auch die deutsche Wirtschaft muss einsehen, dass Putin die friedenspolitische Rendite verspielt“, bellte es blindenhündisch aus der „FAZ“ . Das schreit mal wieder nach dem Universalübersetzer von Ludwig Libertas, der mit solchen Hohlphrasen bekanntlich kurzen Prozess macht: „Für Sanktionen gegen die eigenen Politlümmel und Finanz-Trickbetrüger wird die Stunde der Wahrheit bald kommen. Der Westen ließ moralischen Doppelstandards und verlogenem Schönwettergeflöte, stets treu begleitet von journalistische Standards kontinuierlich umgehender Berichtbestattung und geopolitischen Analysen vom Tiefgang eines Wasserläufers, schon zu viele mörderische und völkerrechtswidrige Taten folgen. Irgendwann aber hat auch die dollste systemische Tupperparty ein Ende. Dann muss Klartext geredet und der Saustall ausgemistet werden. Und Putin sollte endlich einsehen, dass er nicht der einzige Fuchs im Stall ist. Gefressen wird schließlich überall.“ 

Die sogenannten „Montagsdemos“ erhalten immer mehr Zulauf. Tausende versammelten sich in einigen deutschen Großstädten, darunter auch Berlin, um gegen politische Korruption, Presstitution, die Federal Reserve und inszenierte Kriege seit 1914 zu protestieren. Nur so erreiche man etwas und komme gegen das System an, wurde bereits auf vielen Blogs argumentiert. So sehr ich Euer Engagement befürworte und so viele Sympathien ich für Euer Anliegen auch habe: Noch nie in der Geschichte der Menschheit trat ein Imperium ohne zu murren freiwillig ab. Gebt euch keinen Illusionen hin: Sollten diese Jungs die Fahne streichen, werden sie es höchstwahrscheinlich mit einem lauten Knall tun. Man hat in der Ukraine ja bereits alles dafür vorbereitet und gibt sich hierzulande mythomedial auch alle Mühe, den Kreml-Chef vorsorglich schonmal mit Adolf Hitler zu paaren. Sollten sich Amerikaner nach dem Vorbild gewisser Rancher also demnächst eventuell gegen ihre maximalkorrupte, durch und durch versiffte und machtbekiffte Regierung und ihren Endlosbetrug erheben, könnte man durch die kriegerische Hintertür zu entschlüpfen versuchen. Ob ein paar Demonstrationen genügen, diesen Herrschaften das Handwerk zu legen, sei dahingestellt.

Was die Fed betrifft, wird auf solchen Demonstrationen sowie auf zahlreichen Blogs ständig das Mantra nachgebetet, es handele sich um eine „zu 100 Prozent privat (!) kontrollierte Zentralbank“. Jaja, und weil Politiker nichts mehr verabscheuen als Macht und sich der Schlagkraft eines planwirtschaftlichen, zwangsmonopolistischen Geldsystems mit weltweiten Auswirkungen keine Sekunde lang bewusst sind, kriegen sie es seit einhundert Jahren auch nicht auf die Reihe, die Fed einfach aufzulösen. Ich bin mir auch ganz sicher, dass ein Mister Obama es tief im Inneren hasst wie die Pest, für geschätzte 15 Millionen Dollar pro Jahr auf Steuerzahlerkosten mit der Air Force One zu lauschigen Urlaubsorten zu jetten – garantiert. Noch nicht angekommen? Gut, nochmal: Wir müssen also wohl nur das zu 100 Prozent privat (!) kontrollierte Geldmonopol der Fed abschaffen, damit 100 Prozent staatlich (!) agierende Politiker, die dem Treiben bisher völlig untätig und hilflos zusahen (ehrlich jetzt!), ihren Altruismus (!) endlich voll ausleben und nur noch dem „Wir“ (!) dienen können. Wir müssen eben nur die Richtigen (!) wählen – schon wird alles gut (?). Sollte das Eure Botschaft sein: gute Nacht. Und frohe Ostern. Der Hase freut sich über jede Stimme.


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