18. April 2014

Linkslastige Medien Quote für Rechts!

Ein Gleichstellungsvorschlag zu Ostern

Dossierbild

Bei der Teufelsaustreibung, die zur Zeit in den deutschen Medien im Hinblick auf Akif Pirinçcis Buch „Deutschland von Sinnen“ stattfindet, wird kaum bis gar nicht auf den Inhalt eingegangen. Wenn doch, wird einfach behauptet, dass alles Gesagte sowieso schon längst bekannt sei. Zusätzlich wird noch mit der endlosen Wiederholung von durch Pirinçci angeblich gebrauchten, tatsächlich nie verwendeten Floskeln wie „Das wird man wohl noch sagen dürfen“ oder „Endlich hat es mal jemand gesagt“ versucht, den Bedarf an differenzierten Informationen lächerlich zu machen. Denn natürlich kann man in Deutschland noch weitgehend schreiben, was man will, doch gehen bestimmte Wahrheiten, die nicht auf Linie sind, meist gezielt unter.

Warum? Und welche Linie? Dazu verweist Pirinçci (und nicht nur er) auf eine durchgehende Linkslastigkeit der einschlägigen Leitmedien, doch verbannen diese solche Begründungen sogleich entrüstet in das Reich der Fabel. Einheitsmeinung? Gibt es nicht! Manchmal verraten sich die Meinungsmacher aber doch durch etwas, das sie nicht so unter Kontrolle haben und deshalb kaum bemerken: durch das, was man einen „linken Stil“ nennen könnte. So hakte gestern der Wissenschaftsjournalist Jürgen Kaube in der „FAZ“ wie die meisten seiner Kollegen bei dem betont vulgären Stil ein, den Pirinçci gewählt hat, um seinen Inhalten überhaupt Gehör verschaffen zu können. Das führte nun soweit, dass Kaube – scherzhaft? – bei  Pirinçci ein Tourettesyndrom vermutet, also einen pathologischen Zwang zur Koprolalie, dem unwillkürlichen Ausstoßen vulgärer wie obszöner Worte.

Diese Pathologisierung Andersdenkender hat bei der Linken Tradition und Methode. Kaube meint zwar, Pirinçci adäquat zu antworten, weil dieser in seiner Schmähschrift beispielsweise von „irren Geschwätzwissenschaftlern“ schreibt. Das ist aber deutlich etwas Anderes als die Wahl eines realen Krankheitssyndroms, unter dem nicht so wenige Patienten leiden. Kaube überschreitet hier eine rote Linie, bleibt dabei aber dem „linken Stil“ treu. So werden Leute, die mit Hinweis auf Grundgesetz und Kindeswohl anfragen, ob mit der sogenannten Homo-Ehe und einem Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare nicht etwa zu weit gegangen werde, als „homophob“ pathologisiert. Wer vorsichtig anmerkt, ob nicht vielleicht doch zuviel Einwanderer trotz abgelehnter Asylanträge jahrelang und gut alimentiert in Deutschland bleiben dürfen, leidet angeblich an „Xenophobie“. Damit soll die linke Agenda als die einzig richtige, ja die eigentlich „gesunde“ vorangetrieben werden.

Woher kommt diese weit verbreitete linke Einheitsschreibe, mit der ungestraft Pathologisierungen und Beleidigungen nicht im außerordentlichen Rahmen eines Pamphlets, sondern innerhalb eines ganz normalen Artikels gedruckt werden können? Erinnert sei auch an die Bezeichnung Sarrazins als „zuckende Menschenkarikatur“ (in der „Frankfurter Rundschau“) und den Todeswunsch, den ein „taz“-Redakteur im Hinblick auf Sarrazin aussprechen durfte. Es liegt am ehesten daran, dass die deutschen Medienarbeiter eine große linke Familie sind. Die Sache ist so eindeutig und klar, dass die Mitglieder dieser Familie sie einfach voraussetzen. Fast möchte man mit Freud sagen, dass „den Wahn natürlich niemals erkennt, wer ihn selbst noch teilt“, aber so schreibt unsereins nicht. Das Hamburger Institut für Journalistik hat also im Jahr 2005 unter 1.500 Journalisten aller Gattungen eine Studie zu politischen Sympathien gemacht, die folgendes Ergebnis hatte: Grüne: 35,5 Prozent, SPD: 26 Prozent, CDU: 8,7 Prozent, FDP: 6,3 Prozent, Sonstige: 4 Prozent, keine Partei: 19,6 Prozent. Das sogenannte bürgerliche Lager hat demnach nur 15 Prozent Unterstützer bei den Meinungsmachern. Aber was heißt das schon bei einer CDU-Kanzlerin, die sozialdemokratische und grüne Politik macht? In Wirklichkeit dürfte die Zahl an Journalisten, die eine Alternative zum medialen linken Einheitsbrei bieten könnten, noch deutlich geringer sein.

Nun hat schon Harald Staun in der „FAS“ vom 6. April wider alle Evidenz und Statistik gemeint, es sei einfach zu billig zu behaupten, es gebe eine solche linke mediale Einheitsfront. Wie könne der schweigenden Mehrheit, zu deren Sprachrohr Pirinçci sich mache, denn geholfen werden, fragte er ebenso spöttisch wie tückisch. Sein Vorschlag: Einfach eine rechte Zeitung gründen. Als würden sich nicht schon die linken Blätter auf den Füßen herumtreten und unter Auflagenschwund leiden.

Ich habe da eine andere Idee. Natürlich kann man die Tatsachen leugnen und wie Staun und Kolbe behaupten, alle von Pirinçci angesprochenen Themen würden schon ausreichend kontrovers im öffentlichen Diskurs repräsentiert. Der Verkaufserfolg von „Deutschland von Sinnen“ straft diese Behauptung genauso Lügen wie die Beteuerung, es gebe die Linkslastigkeit der Medienlandschaft nicht. Vielleicht kann hier aber doch mit einer typisch linken Methode geholfen werden, die bei der Gleichstellungspolitik von allen meinungsbildenden Medien vehement unterstützt wird. Bei den bürgerlichen und rechten Journalisten handelt es sich doch ganz offensichtlich um eine schützenswerte Minderheit so ähnlich wie die Frauen in den Chefetagen der Dax-Unternehmen. Ich plädiere also für eine staatliche Quote für rechte Medien. Dabei müssen nicht etwa neue Zeitungen gegründet werden, sondern die bestehenden finanziellen Privilegien einiger linker Zeitungen werden an neue Redaktionsteams übertragen. Für die Gleichstellung müssen schon mal solche kleinen Opfer gebracht werden, bis mindestens 30 Prozent der in Deutschland erscheinenden Zeitungen bürgerlich und rechts sind. Wie sagte doch Manuela Schwesig: „Niemand noch hat Privilegien ohne Zwang abgegeben.“ Ich bin gespannt, ob diese Quote ähnliche Begeisterung auslöst wie die Frauenquote. 


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