02. Mai 2014

„Rassismus“ Missbrauch des Begriffs als Keule

Nun macht auch die „Wissenschaft“ mit

Schon im Jahre 2009 schrieb Necla Kelek in der „taz“ darüber, wie clever viele Muslime gegen jegliche Kritik am Islam und seiner Wirklichkeit vorgehen: „Der Mensch wird als Muslim geboren, wenn nicht, macht ihm der Islam das Angebot, diesen menschlichen Makel durch Übertritt zu tilgen. Jedes Kind mit einem muslimischen Vater ist nach islamischem Brauch per Geburt Muslim, denn Muslimsein ist in den Augen der Gläubigen die natürliche Form des Menschseins. Austreten kann man aus dieser Religion nicht, es sei denn, man nimmt den Tod mit anschließender Höllenfahrt in Kauf. Der Einzelne ist per Geburt Muslim, wie ein anderer große Ohren oder blonde Haare hat. Eine Entscheidung über diesen Zustand steht ihm nicht zu, er ist sozusagen von Gott gegeben. Ihn wegen dieser Besonderheit oder dieses Stigmas zu kritisieren, ist deshalb diskriminierend, weil Muslimsein das eigentliche menschliche Privileg ist und ein Muslim nichts dafür kann, dass er Muslim ist. So jedenfalls erscheint das schlichte Argumentationsmuster des Koordinierungsrats der Muslime (KRM), der Dachorganisation der Islamverbände in Deutschland, und des Interkulturellen Rats, eines Zusammenschlusses von Gewerkschaftern und anderen ‚Antirassisten‘, zu sein. Sie rufen zu ‚Internationalen Wochen gegen Rassismus‘ auf: ‚Islamfeindlichkeit ist die gegenwärtig an meisten verbreitete Form von Rassismus in Deutschland‘, lassen sie verlauten.“ Mit anderen Worten: Sie schwingen die Rassismuskeule.

Nun erhalten sie mit dieser abenteuerlichen Definition von „Rassismus“ auch noch Schützenhilfe aus universitären Kreisen, die eigentlich der neutralen Wissenschaft verpflichtet sein sollten. Dr. Yasemin Shooman, laut Webseite Mitarbeiterin der Fakultät I der TU Berlin, ferner Leiterin der Akademieprogramme Migration und Diversität, Akademie des Jüdischen Museums Berlin, Stiftung Jüdisches Museum Berlin reist im Jahre 2014 durch die Lande und erzählt vom „antimuslimischen Rassismus“. Dabei beruft sie sich vor allem auf ihre im Jahr 2013 in Deutschland, am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin, akzeptierte Dissertation mit dem Titel „‘...weil ihre Kultur so ist‘ – Das Zusammenspiel von Kultur, Religion, Ethnizität, Geschlecht und Klasse im antimuslimischen Rassismus“. Kritik am Islam dürfe, wenn überhaupt, nur theologisch geübt werden; eigentlich dürfe Islamkritik nur aus den eigenen Reihen kommen. Man ist geneigt zu sagen, dass es diese interne Kritik nie gegeben hat und kaum je geben wird. Man könnte sich dabei sogar auf den Koran berufen, wo es heißt: „Dies ist das Buch Allāhs, das keinen Anlass zum Zweifel gibt“. Aber das wäre ja wieder „rassistisch.“

Nun wissen wir schon aus der Schule, dass es sehr wohl religiös motivierten Antisemitismus gegeben hat und noch gibt. Dieser zum Beispiel „christliche“ Antisemitismus ist aber wissenschaftlich immer vom sogenannten Rassenantisemitismus getrennt worden. Offenbar ist es mit dieser Differenzierung auch an akademischen Institutionen in Deutschland vorbei: Jedes Anti- ist jetzt gleich „Rassismus“. Kürzlich fanden wieder die (von der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen finanzierten) Römerberggespräche statt, bei denen Dr. Shooman ihre Thesen vor lauter gutgläubigen Zuhörern vertreten durfte. Als eine Zuhörerin im Rahmen der anschließenden Diskussion die Vortragende zu fragen wagte, ob man mit Kritik zum Beispiel am Kopftuch schon „rassistisch“ sei, bekam sie zur Antwort: Ja. Es ist unglaublich, aber so schnell geht das heute.

Frau Kelek hat bereits vor fünf Jahren gefordert, dass die Islamverbände gut daran täten, vor der eigenen Haustür zu kehren, anstatt den Rassismusbegriff zu missbrauchen. Dass Antisemitismus und Christenfeindlichkeit zu den Erbfehlern des Islam gehören, ist kaum zu bestreiten; selbst wenn man hier theologisch differenziert, wie Dr. Shooman fordert, lässt die Praxis in allen islamischen Ländern wenig Spielraum für andere Interpretationen. Allerdings hat man davon, dass die dort grassierenden Christenverfolgungen „rassistisch“ motiviert seien, wenig bis nichts gehört, obwohl es der Logik der Argumentation entspräche. Und dass während der Aufklärung so manche Kritik am Christentum von außerhalb kam und keineswegs rein theologisch war, scheint schon vergessen. Beim Islam jedenfalls ist ähnliches laut Dr. Shooman verboten. Erschreckend ist, dass auch die gerade in Frankfurt einst lebendige Ideologiekritik versagt. Man meinte jene Ideologien schon entlarvt zu haben, die einem sagten, als was man geboren sei. Bei den Nazis war man von Geburt arisch oder jüdisch, bei den Kommunisten Proletarier oder Bourgeois. Nur die auf der richtigen Seite der Geburt waren richtige Menschen, die andern nicht, mit entsprechenden Konsequenzen. Die Vorstellung, man werde als ein Mensch geboren, der sich dann frei entscheiden kann, gab es nicht. Nun gibt es schon wieder eine Lehre in Deutschland, die einem sagt, als was man geboren wird, nämlich als Muslim. Und nur der ist eigentlich richtig Mensch. Wie rassistisch diese Vorstellung ist, darüber sollten sich die Islamverbände und ihre „antirassistischen“, gewerkschaftlichen und pseudowissenschaftlichen Unterstützer mehr Gedanken machen. Staatlich geförderte Erscheinungen wie die Römerberggespräche geben wenig Anlass, sich in dieser Hinsicht Hoffnungen hinzugeben. Es lohnt auch zu überlegen, wem es nutzen mag, dass der Rassismusbegriff so erweitert und nun auch wissenschaftlich ausgehöhlt worden ist. Das hat mit Erkenntnisgewinn wenig zu tun, dafür aber mit politischer Willfährigkeit und Propaganda.


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