06. Mai 2014

Gesellschaft Freiheitsdrang

Was die Miezekatze uns voraushat

Jeder kennt es, jeder weiß es, ein Jeder hat es bereits mehrfach erlebt! Und jedem huscht ein Lächeln ins Gesicht, wenn man davon berichtet, dass die wirklich wichtigen Ereignisse in unserem Leben leise und ungeplant an der Hintertür anklopfen, also eben nicht mit Pauken und Trompeten durch die Vordertür ins Haus purzeln.

So geschah es im August des Jahres 2006, um eine kleine Episode voranzustellen, als es vor unserer Terrassentür jämmerlich miaute. Denn, wie es auf dem Lande eben ist, so suchen sich einige der süßen Samtpfoten oftmals gezwungenermaßen ein neues Zuhause; wobei sie eine Eigenschaft alle dabei eint, egal wie elend sie sich fühlen: SIE suchen sich uns aus! So war es auch bei jener Miezekatze, die in besagtem Jahr nicht nur an der Terrassentür miaute, sondern regelrecht dort anklopfte und uns gleichzeitig „abklopfte“. Nach etwas Fressen und viel Zuwendung war klar, dass hier etwas zusammenwuchs, was nicht mehr getrennt werden konnte. Und nachdem der Schinkenspicker weg, der Hunger aber immer noch da war, fuhren wir eben zum ersten Mal Katzenfutter kaufen. Der benachbarte Tierarzt hatte zwei Tage später ebenfalls viel zu tun, denn trotz der körperlichen Schwäche verteidigte die zierliche Dame ihr neues Revier mit Bravour, aber leider mit herben Verlusten. Auf dem Weg zu besagtem Doktor fragten wir links und rechts hinsichtlich der Besitzverhältnisse noch einmal nach, aber beim Anblick des zerschlagenen Bündels Elend – und in Erwartung der dräuenden Kosten – senkten sich schnell die Blicke und machten den Weg für die neue WG frei.

Im Gegensatz zu vielen Menschen – um zum Thema zu kommen – lassen sich die Samtpfoten ihren Freiheitsdrang nicht abtrainieren. Als Katzenkenner kann ich das mittlerweile durchaus beurteilen. Seit dem Zusammenbruch des Sozialismus und einer kurzen „gefühlten Freiheitsphase“ während der neunziger Jahre sind wir nun sukzessive in einer von Konformismus und Homogenität geschwängerten Zeit angekommen, in der die Freiheitsliebenden unter uns wahrlich keinen leichten Stand mehr haben. Und ein Jeder, der diese Zeilen liest und weiß, wovon ich spreche, wird „seinen“ Zeitpunkt genau kennen, ab welchem er sich für die rote Pille – also für den tieferen Einblick in die systemischen Zusammenhänge – entschieden hat, auch wenn der Preis hierfür eine gewisse Einsamkeit ist; eben weil man sich überwiegend von glattgezogenen, willen- und meinungslosen Konfektionsmenschen, die sich innerhalb der scheinfreiheitlichen Wohlfühlzone beinahe widerstandslos steuern, lenken, manipulieren und aufstacheln lassen, umgeben wähnt. „Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen missfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären versucht, stets ihr Opfer“, meinte Gustave Le Bon; und seine Ansicht, die heutzutage – wie von ef-Autorin Susanne Kablitz – ebenfalls geteilt wird, scheint eine zeitlose Gültigkeit zu haben: „Es ist ein Jammer – jeden Tag beobachte ich, dass diese kleine Schar von aufrechten Zeitgenossen beständig sinkt und diese entweder resignieren oder sie sich im noch schlimmeren Fall dem Mainstream hingeben und das verachten, was Vorfahren unter Einsatz ihres Lebens mit Händen und Füßen verteidigt haben. Es sieht zunehmend so aus, dass die Bequemlichkeit und das stille Einverständnis in eine von oben aufoktroyierte `Wahrheit´, die uns mit ihren Tentakeln umschlingt, bei den Menschen immer mehr Zustimmung findet. Wir scheinen es fast zu genießen, dass die menschenverachtende Wohlfahrtsstaatlichkeit und die paranoide soziale Gerechtigkeit uns höhnisch ins Gesicht lachen.“

Angesichts einer fortlaufend wirkenden Entmündigungsmaschinerie, die zudem ständig verfeinert wird, stellen sich einige Fragen, was wir tatsächlich dagegen tun und wie es um unser Freiheitsstreben bestellt ist. Denn wehren wir uns wirklich ernsthaft gegen die penetrante Belehrungs- und Umerziehungsmaschinerie, deren Ideologie en passant in unsere Köpfe verklappt wird? Begehren wir auf gegen die Gender-Mainstream-Dekadenzen und die Neuzeit-Inquisitoren, die uns fortwährend auf eine von ihnen definierte politisch korrekte Linie zwingen wollen? Nehmen wir es mittlerweile schon selbstverständlich hin, dass wir über ein halbes Jahr nur für den Staat und die Sozialkassen arbeiten, ehe wir über den ersten Cent frei entscheiden „dürfen“? Denken wir wenigstens hin und wieder über den Umverteilungswahnsinn nach, in welchem weniger Leistungsträger – die durch üble „Umstrukturierungsmaßnahmen“ überdies schneller im Hamsterrad rennen müssen – von immer mehr „Recht-auf-Einklägern“ sowie deren Einflüsterern, Verwaltern und den von Tag zu Tag zahlreicher werdenden Profiteuren des sozial industriellen Komplexes noch stärker drangsaliert werden? Wissen wir, dass die wirklich Bedürftigen dagegen durch systembedingte Sickerverluste hinten runterfallen? Wie stehen wir eigentlich zum unflätigen Lobbyeinfluss und sukzessiven Demokratieabbau in der EU bei gleichzeitiger Spitzenbezahlung von abgeschobenen Partei-Granden; zur überbordenden Bevormundung und den dreisten Eingriffen in unsere persönliche Entscheidungsfreiheit bei Licht, Toilettenspülungen, Staubsaugern, Kaffeemaschinen, Krümmungsgrad von Bananen und was noch sonst alles kommen mag; zur Überwachung bis in die letzten Winkel unserer Existenz; zur Diffamierung, Ausgrenzung und Verächtlichmachung von Andersdenkenden; zur völligen Durchmanipulierung der Börsen; zu den laufenden Desinformationen durch zwangsfinanzierte Staatssender, die zudem schamlosen Mietmäulern und geschulten Krawallmoderatoren willfährig eine Bühne bereiten; zum europäischen Zentralisierungs- und Harmonisierungswahnsinn, der den Wettbewerb von politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Konzeptionen nur noch als gefährliche Zentrifugalkraft diffamiert und nicht als wichtiges Korrektiv begreift; und wie stehen wir zum vorsätzlichen Bruch all der vielen Versprechen und Verträge? Sind wir uns dessen wirklich bewusst, dass dies nur einige weitere Fettaugen auf der giftigen Brühe sind, welche uns jeden Tag kredenzt wird und nur deshalb nicht kalt und völlig ungenießbar daherkommt, weil sie von den Profiteuren unseres zerstörerischen Geldsystems - als Kern allen Übels – ständig am Köcheln gehalten und mit Geschmacksmanipulatoren verseucht wird; koste es, was es wolle?

„Bei gleicher Umgebung lebt doch jeder in einer anderen Welt“, erkannte einst Arthur Schopenhauer. Wem also diese äußere Realität immer unerträglicher wird, der sollte nicht verzweifeln oder resignieren, sondern in seine eigene Welt überwiegend nur noch das hineinlassen, was ihn aufbaut. Je mehr Menschen diesen Schritt gehen und sich eben nicht abschrecken lassen, desto eher werden sie sich gegenseitig finden und ihre Wirkung auf die allgemeine Umgebung entfalten. Erste Lichtblicke gibt es bereits. So stieß und stößt beispielsweise die einseitige Russlandberichterstattung des Staatsfunks den Zuschauern deutlich auf, woraufhin Gabriele Krone-Schmalz – zwar zu nachtschlafender Zeit, aber immerhin – ein beachtliches NDR-Interview gab und später bei n-tv äußerte: „Ich vertraue auf den Druck von Gesellschaften, die nicht mehr Willens sind, irgendwelche Kriegstreiberei mitzumachen.“ Weiterhin kollabieren seit geraumer Zeit die Werbeeinnahmen und Verkaufszahlen von „FAZ“, „Zeit“, „Frankfurter Rundschau“, „Süddeutsche“ und Co, eben weil unter anderem viele Leser die bisher scheinbar unantastbare „Deutungshoheit“ dieser Medieneliten nicht länger akzeptieren. Sie kündigen daher die Abos und bringen ihre Sicht der Dinge, die übrigens das Ergebnis eines eigenständigen Denkens und häufig längerer Recherchen sind, mehr als deutlich in den Kommentaren und Leserbriefen zum Ausdruck. Der Wind beginnt sich also zu drehen und wird sich – allerdings erst dann – zu einem Orkan ausweiten, wenn die Konsequenzen einer völlig verfehlten Politik und Berichterstattung für jeden Einzelnen konkret spürbar werden.

Tja, und was macht die Miezie? Obwohl sie in die Jahre gekommen und leider völlig erblindet ist, lebt sie – übrigens immer noch als Freigängerin(!) – im gesunden Gleichgewicht mit ihrer Umgebung. Bei den Nachbarn ist sie nach wie vor der Hit und staubt täglich ihre Leckerlies ab. Und wenn ihre Altersmilde einmal kurzzeitig aussetzt, schafft sie es sogar trotz ihres Handicaps, ihr Revier – zum Beispiel durch geschicktes und schauspielreifes „Wegbluffen“ der Eindringlinge – immer noch wacker zu verteidigen. Es ist wirklich faszinierend und ernüchternd zugleich, dass man sich vom Mut, dem freiheitsliebenden Wesen und der Tapferkeit dieses Tieres bald mehr abschauen kann als von vielen Menschen. 


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Udo Geißler

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