17. Juli 2014

Fußball Willkommen in der Wirklichkeit

Ist gut jetzt

Die heile Welt der Hauptstadt- und Feuilleton-Redakteure ist in den letzten Tagen auf eine harte Probe gestellt worden. Überall Deutschlandfahnen. Fußball nur von Männern. Dann kommen die Fußballer und jede Menge junge Leute aus ganz Deutschland auch noch alle nach Berlin, trinken Bier, hören Schlager, singen Lieder. Einige strahlten und jubelten, andere grölten. Werbung und Kommerz. Kaum Minderheiten oder Ungerechtigkeiten, für beziehungsweise gegen die sich Partei ergreifen ließe (selbst auf die Favela-Bewohner war kein Verlass: Die haben ja kaum demonstriert und randaliert, nicht mal, als Brasilien ausschied).

Schweinsteiger dankte sogar Uli Hoeneß. Und dann das mit den Gauchos.

Das war dann wirklich zu viel für Menschen, die sich als etwas Besseres begreifen. Die lieber Rotwein trinken und viel auf ihren Musikgeschmack geben. Die ihre Büchersammlung pflegen und vornehmlich Bio-Produkte kaufen. Die viel über Gentrifizierung klagen, den Kapitalismus kritisch sehen und wirtschaftliche Zusammenhänge allzu oft nicht in Gänze überblicken. Die ganz ausgefallene Reiseziele wählen und nicht einfach nach Mallorca fliegen. Denen es nicht generell an Verstand, aber doch irgendwie am gesunden Menschenverstand fehlt. Die sich in ihrer Kuschelkunstwelt weltoffen und tolerant geben. Die hochsubventionierte Theater, aber keine Fußballstadien besuchen. Die als schreibende Lichterketten ständig wegen irgendetwas betroffen sind. Und die dann noch irrtümlich davon ausgehen, damit anderen Menschen etwas Gutes zu tun. Die auf ihrem Lebensweg eindeutig zu viel politische Korrektheit abbekommen haben und zu wenig Lebenswirklichkeit. Die man eigentlich ganz gut ertragen könnte, wären sie nicht auch noch Meinungsbildner und die geistigen Blockwarte unserer Zeit.

Diese Frank Lübberdings und Rieke Havertze dieser Welt oder besser die Lübberdings und Havertze ihrer Welt wurden nun also von der Wirklichkeit gestört. Das ist zwar erfreulich, wird erfahrungsgemäß aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dazu lebt es sich zu gut auf der moralisch über allem schwebenden Wolke.

Zum Schluss bleibt als Erkenntnis, dass es mutmaßlich mehr Spaß bringt, mit Lukas Podolski als mit Frank Lübberding von der „FAZ“ ein Bier trinken zu gehen. Dass es, um es mit Malte Lehming vom „Tagesspiegel“ zu schreiben, im Journalismus nicht nur Trottel gibt, sondern auch Riesentrottel. Und dass sich Rieke Havertz von der „taz“ den Schlusspunkt ihres Kommentars mal selbst zu Herzen nehmen sollte: „Ist gut jetzt. Wirklich.“


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