01. August 2014

Argentinien „Aasgeierfonds“

Wie gut, dass es sie gibt

Argentinien ist pleite. Bankrott. Gut, es war zu erwarten und es passiert ja nun auch nicht zum ersten Mal. Aber diesmal ist Argentinien pleite wegen! der Aasgeierfonds. Jawoll! Deshalb und nur deshalb.

Es hat nichts, aber auch gar nichts damit zu tun, dass das von Cristina Fernández de Kirchner und ihrem 2010 verstorbenen Gatten und Vorgänger Néstor Kirchner praktizierte Modell, das auf Umverteilung, Protektionismus, Staatsinterventionismus, Enteignungen und massiver Gelddruckerei beruht, den ökonomischen Realitäten einfach nicht standhält – nicht standhalten kann. Es ist eine Riesengaudi, wenn man dem Gestammel von Wirtschaftsminister Axel Kicillof lauschen darf, der NATÜRLICH – wie sollte es auch anders sein? – den neoliberalen Raubtierkapitalismus für den Staatsbankrott verantwortlich macht.

Ist es nicht wunderbar, dass es ihn gibt? Den neoliberalen Raubtierkapitalismus? Ich finde schon. Stellen Sie sich einmal vor, es gäbe ihn nicht! Dann müssten sich alle diese Wirtschaftskoryphäen doch tatsächlich einmal fragen, woran es liegen könnte, dass sie die Menschen ständig in den Ruin treiben. So aber, so haben sie die Geierfonds und die sind alles schuld. Klaro! Was kümmern uns Gesetze, was kümmert uns das Recht? Alles Bullshit im Kampf gegen den neoliberalen Raubtierkapitalismus.

Aber zurück auf Anfang! Was macht denn eigentlich so ein Fonds, der zum Aasgeier wird? Nun, ein solcher Fonds kauft zum Beispiel Anleihen auf, die aufgrund des hohen Ausfallrisikos zu einem sehr günstigen Preis angeboten werden. Der Verkäufer ist natürlich ein wenig sauer, weil er nur noch einen kleinen Anteil für seinen ehemaligen Kaufpreis bekommt. Aber er denkt sich: „Na, besser noch ein bisserl was als den Komplettverlust.“

Also verkauft er den nahezu wertlosen Schrott und der neoliberale, vom Raubtierkapitalismus besessene, ekelhaft gierige Aasgeierfonds kommt nun um die Ecke und kauft diesen fast wertlosen Schrott auf. Also, ich wiederhole: Verkäufer und Käufer – beide vereinbaren einen Preis. Der Verkäufer will den Mist, den er für nahezu wertlos hält, loswerden, wenigstens noch für ein paar Mäuse, der Käufer kauft den Mist auf, weil er den Herausgeber des Mistes an sein Versprechen erinnern will.

Um das geht es nämlich – um die Einhaltung eines Versprechens, um die Einhaltung von Zusagen, um die Einhaltung von Verträgen. Dass er dabei Geld verdient, scheint ein Problem zu sein. Aber warum sollte er den Schrott denn sonst kaufen? Weil er den Weltfrieden retten will? Weil er die Machthaber in Argentinien so gern hat?

Im Falle von Argentinien ist derjenige, der sein Versprechen einhalten sollte, der Staat Argentinien. Der ist aber – wieder einmal – mit seinem angeblich so heilsbringenden Sozialismus, den er praktiziert, komplett gegen die Wand gefahren. Wie immer im Sozialismus hat sich eine kleine, sehr überschaubare Clique die Taschen vollgemacht und kann nun ihre Versprechen nicht einlösen. Ein paar Leute haben diese feinen Herrschaften über den Leisten gezogen. Die haben sich damit abgefunden, dass sie hintergangen und betrogen wurden. Die haben sich davon beeindrucken lassen, dass die armen Menschen in Argentinien wieder mal pleite sind und dass sie das doch sicher nicht zulassen wollen. Die armen Menschen!!!

Den Aasgeierfonds ist diese Verblödung, die man auch als Betrug bezeichnen könnte – nein muss! – einfach zu blöd. Wer Zusagen macht, muss sie einhalten. Punkt. Sonst macht man sie nicht. Sonst ist das Beschiss. Aber wird das so gesagt? Ja, von den Aasgeierfonds; denen ist es nämlich wurscht, ob sie lieb gehabt werden oder nicht. Denen ist es auch egal, dass ihnen vorgeworfen wird, dass über 1000 Prozent Rendite in ein paar Jahren unmoralisch sind. Moral hin – Moral her, wir sind hier nicht in der Kirche. Vertrag ist Vertrag. Punkt!

Es sollte sich viel eher die Frage gestellt werden, WARUM die Anleihen des Staates Argentinien Schrott sind. Warum wurden sie auf dem Markt zu Ramschpreisen verhökert? Weil so viel Substanz dahintersteckte? So viel Wirtschaftskraft? Wäre das so gewesen, hätte der Verkäufer der Anleihen sie wohl nicht verkaufen wollen. Und hätte Substanz hinter dem Staat Argentinien gesteckt, dann wären auch nicht so hohe Zinsen erzielt worden. Wenig Zins, wenig Risiko, viel Zins, viel Risiko.

Ok, gut, auch das WAR mal so. Inzwischen zahlt ja jeder Pleitestaat nicht mehr als maximal ein paar Prozentpünktchen für seine Versprechen. Ich finde, es sollte daher noch viel mehr Aasgeierfonds geben. Die kaufen den ganzen wertlosen Schrott wenigstens überhaupt noch auf, wenn das kein normaler Mensch mit Verstand noch tut. Dann wartet man ein paar Jahre, fährt als Regierung mit seinem gelebten Sozialismus wieder an die Wand, kann nicht zahlen und … zack!, wie gut, dass es die Geierfonds gibt.

Ich finde, das ist ein perfektes Perpetuum mobile. So kann das ewig klappen… eben so lange, bis auch der letzte Aasgeierfonds keinen Bock mehr hat. Dann ist der Ofen aus. Aber wie gesagt, das kann noch ein wenig dauern. Und bis dahin haben wir dem neoliberalen Raubtierkapitalismus noch ein paar Mal kräftig in den Hintern getreten.

Man sagt ja, dass es ihn gibt. Bitte grüßen Sie ihn herzlich von mir … mir ist er nämlich noch nie über den Weg gelaufen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog der Autorin.


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