03. September 2014

AfD Der Fuchs im Hühnerstall

Sie wirkt wie ein Fremdkörper

Was für ein Gegacker. Das gute Abschneiden der AfD bei der Wahl in Sachsen hat die Mainstreampresse sichtlich in Aufregung versetzt. Man kann den Wahlerfolg nicht richtig ein- und zuordnen, ist verunsichert. Entsprechend  unterschiedlich fallen die Analysen und Einschätzungen aus.

Für die „Süddeutsche Zeitung“ ist der Erfolg der AfD gar keiner: „Was sind 9,7 Prozent? Eine Sensation? Ein Paukenschlag?“  Und was heißt überhaupt 9,7 Prozent, eigentlich sind es ja nur 4,8. Schließlich lag die Wahlbeteiligung nur bei rund 50 Prozent,  rechnet die „SZ“ vor. „Ein gutes Ergebnis für einen politischen Neuling, sicher. Aber mit einem Paukenschlag hätte das nichts mehr zu tun gehabt“, versucht die „SZ“ sich und ihre  Leserschaft zu beruhigen und übertitelt das simple Rechenspielchen mit „Gekommen, um unterzugehen“.

Nicht erwähnt wird, dass etwa die SPD dieser Milchmädchenrechnung entsprechend nur von rund sechs Prozent der Sachsen gewählt worden ist. Und weil man bei der „SZ“ offenbar noch kein besseres Rezept gegen die „rechten“ Störenfriede gefunden hat und beim „Untergang“ ein bisschen nachhelfen will, packt man einmal mehr die Nazikeule aus. Gleich mehrmals wird die AfD mehr oder weniger subtil mit der NPD in Verbindung gebracht. So klein kann der Erfolg der AfD also doch nicht sein, wenn man gleich mit solch schweren  Geschützen auffährt.  Auch die „Neue Presse“ aus Hannover schreibt: „Es ist schon erschreckend, dass im südöstlichen Freistaat trotz aller Erfolge etwa 15 Prozent Parteien vom rechten Rand wählen, dass nach der NPD nun auch noch die populistische AfD in den Dresdener Landtag einzieht.“

Jedenfalls sei die AfD, konstatiert die „SZ“, von einer „neuen Volkspartei, wie Lucke nach der Europawahl schwärmte, in Wahrheit wohl noch Lichtjahre entfernt.“  Nicht Kilometer, nicht Meilen, sondern Lichtjahre! Das geht ja noch, Glück gehabt.

Zu gänzlich anderen Schlüssen kommt der „Spiegel“. Er schreibt und rechnet den Erfolg der AfD nicht klein und sieht der „Gefahr“ ins Auge: „Die Euro-Kritiker wollen der CDU das Feld streitig machen. Das Rezept könnte aufgehen.Klar ist schon jetzt: Die Union wird das Gespenst AfD so schnell nicht los“.  Und auch „Die Zeit“ befürchtet: „Diese AfD geht nicht mehr weg. Wer heute gegen Homo-Ehe und gegen ‚zu viel‘ Einwanderung ist, eher für mehr Polizei als für bessere Prävention kämpft, wer den Islam irgendwie für bedrohlich hält und den christlichen Glauben für bedroht, der wird sich bei Parteichef Bernd Lucke, Petry und ihren Mitstreitern eher zu Hause fühlen als in der CDU. Und Umfragen zeigen, dass es genug solcher Leute gibt.“

Trotz des verächtlichen Tons liegt die „Zeit“ damit richtig. Ja,  „solche Leute“ (igitt) gibt es wirklich und es dürften, angesichts der düsteren Wirtschaftsprognosen, der demographischen Entwicklung oder der wachsenden Zahl an deutschen Gotteskriegern, eher mehr als weniger werden.

Blöderweise kann die Mainstreampresse die AfD-Wähler nicht, wie sonst bei „rechtspopulistischen“ Parteien üblich, als Modernisierungsverlierer und unterbelichtete Deppen hinstellen, also als Menschen, mit denen man keinesfalls etwas zu tun haben möchte. Das funktioniert in diesem Fall nicht so richtig, weil das  „AfD-Milieu“ zu einem Gutteil aus Selbständigen, Gutverdienern und Gebildeten besteht. Deshalb versucht man, sie als „Altherrenpartei“ mit „professoralem  Getue“ lächerlich zu machen.

Und, so viel Klischee muss sein, Wähler von „rechten“ Parteien werden grundsätzlich von (irrationalen) Ängsten gequält. In der „Frankfurter Rundschau“  diagnostiziert Parteienforscher Oskar Niedermayer: „Die AfDspricht Ängste, Befürchtungen und Sorgen gerade von jungen Männern an.“  Für den österreichischen „Standard“ sind AfD-Wähler wiederum „frustrierte Konservative“.

Die AfD ein Auffangbecken für rückwärtsgewandte, leistungsorientierte,  frustrierte und von Ängsten zerfressene Männer. Genau solche Leute braucht man im gegenderten, neosozialistischen Multikultiparadies nicht. Für den Politologen Niedermayer steht deshalb außer Frage, dass man die AfD „bekämpfen“ muss.  Schließlich ist das politische Koordinatensystem in Deutschland dank tatkräftiger Unterstützung durch die Mainstreampresse und die Wissenschaften in den vergangenen Jahren kontinuierlich nach links gerückt. Eine liberale, konservative oder gar rechte Partei wirkt in dieser monotonen Politwüste tatsächlich wie ein Fremdkörper. Die Störenfriede von der AfD bringen nur Unruhe in den gut eingespielten Politbetrieb, sie sägen an einigen Pfeilern der politischen Korrektheit. Die AfD spricht Probleme und Themen an, die die Sozialisten in allen etablierten Parteien und ihre Gehilfen in den Redaktionen lieber weiterhin verdrängen und ignorieren würden. Das wird aber mit jedem weiteren Wahlerfolg der AfD zunehmend schwieriger. Die AfD entwickelt sich zu einem immer größeren Problem für die politisch korrekte Nomenklatura. Aber es nützt nichts. Die etablierten Parteien müssen sich langsam damit abfinden, dass man sich mit „solchen Leuten“ und deren Ideen, Vorstellungen und Lösungsvorschlägen auch inhaltlich auseinandersetzen muss, auch wenn es wehtut.


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