14. Oktober 2014

Waffenrecht Die grüne „Jagdreform“ in NRW

Der „runde Tisch“ zum Jagdgesetz in NRW ist eine Alibi-Veranstaltung

2009 wurde (zwei Monate nach dem Amoklauf von Winnenden) ein Gesetzesentwurf präsentiert. An diesem wurde – trotz Kritik von echten Sachverständigen, auch Staatsanwälten und Kriminologen – nichts geändert. Und genau die Kritikpunkte haben sich im Nachhinein in der Praxis genauso schlecht abgebildet wie sie vorab vorgebracht wurden.

Das gleiche passiert aktuell mit dem Jagdgesetz-Entwurf, der auch noch nach über 100 Jahren einen neuen Namen verpasst bekommt („Wildmanagement“), in NRW. Die Grünen versuchen ihre (hoffentlich) kurze Regierungszeit zu nutzen, um Paradigmenwechsel herbeizuführen. Sie treiben den angeblichen Teufel mit dem Beelzebub aus. Dabei bräuchten sie nur nach Holland zu schauen.

Wer 2004 Biogas als das Allheilmittel anpreist und fünf Jahre später verteufelt, wer Windräder als Allheilmittel anpreist und dabei den Tod von 200.000 Flugtieren pro Jahr in Kauf nimmt und vergisst, erst ins Netzwerk zu investieren, wer Elektroautos fördert und vergisst, dass Lithium für die Batterien begrenzt und teuer ist, wer Hausdämmungen ohne Rücksicht auf Denkmalschutz vorschreibt und vergisst, dass die Fassaden 25 Jahre später auf der Sondermülldeponie landen, wer Waffen verteufelt und 2014 die Bundeswehr in den Krieg schicken will, der glaubt auch ans Waldsterben, die menschengemachte Klimaerwärmung und dass bei veganer Ernährung keine Tiere sterben...

Die Grünen von NRW haben anscheinend nicht mit so viel Widerstand gerechnet.

Aktuell verteidigen sie ihre Reform mit Anschuldigungen und Lügen: Wenn die Lobby zur Jagd bläst.

Es wird was von „angeblichen Interessensvertretern“ der Jäger namens Landesjagdverband gefaselt. Der LJV NRW ist einer der größten Landesjagdverbände und hat einen Organisationsgrad von über 80 Prozent, das heißt von 100 Jägern in NRW sind über 80 auch Mitglied im LJV NRW. Bisher gab es zwei Regionalkonferenzen zum neuen Jagdrecht. 1.400 beziehungsweise 2.000 Jagdbefürwortern standen jeweils circa 20 Jagdgegner vor der Halle gegenüber. Zudem haben sich schon im Vorfeld die Jäger zusammen mit den betroffenen Grundbesitzern und Land- und Forstwirten gegen den grünen Gesetzesentwurf geäußert. Diese Verbände vertreten über 500.000 Bürger aus NRW, die vom Gesetzesentwurf betroffen werden.

Einzelmeinungen von Jägern (hier Florian Asche) werden dem Präsidenten des Jagdverbandes untergeschoben („ökologischer Faschismus“).

Die angebliche Transparenz existiert nicht. Der Entwurf wurde vor zwei Wochen präsentiert und enthält eben keinen Kompromiss, sondern nur marginale Änderungen und stellt somit einen heftigen Einschnitt in ein über 120 Jahre langsam gewachsenes Jagdgesetz dar.

Die Grünen werden hauptsächlich von Frauen gewählt. Und Frauen lieben Katzen. Kein Wunder, dass der Punkt „Abschuss von streunenden Katzen“ von den Grünen am stärksten thematisiert wird. Dabei sind erstens in der Zahl von 10.000 Katzen auch Totfunde (unter anderem durch den Straßenverkehr) aufgeführt und wird zweitens vergessen zu erwähnen, dass streunende Katzen (verwilderte wie auch Freigänger) eine Bedrohung für die Bodenbrüter und Vögel sind. Seien es Hase, Kiebitz, Fasan, Wachteln oder auch Singvögel.

Die Behauptung der Grünen „Katzen bedeuten jedoch nachweislich keine Gefahr für den Bestand der jagbaren Wildtiere“ ist eine glatte Lüge.

Die „Welt“ titelt gerade: „Katzen für Artenvielfalt gefährlicher als Pestizide. Eine neue Untersuchung zeigt: Katzen sind eine enorme Bedrohung für die Artenvielfalt. Allein in den USA werden pro Jahr Milliarden Vögel von Katzen getötet. Auch Deutschland hat ein Katzen-Problem.“

Wir haben ein Katzenproblem, das gelöst werden muss: Kastration (um weniger Nachwuchs zu bekommen), Chippflicht (um die Halter zu finden, wenn eine ausgebüxt ist und gefunden wurde), und auch (so leid es mir tut) Tötung von Katzen dort, wo sie eine Bedrohung von bedrohten Arten sind. Egal ob das Gebiet ein Naturschutzgebiet oder ein normales Jagdrevier ist, in dem bedrohte Arten unter ganzjähriger Schonzeit stehen, das heißt die Jagd dort ausgesetzt wurde. Verantwortungsvolle Katzenhalter haben keine Freigänger in Gegenden mit bedrohten Arten beziehungsweise lassen sie in der Brutzeit nicht raus.

Echte Tierliebe seitens der Katzenhalter sollte sich im Idealfall nicht nur auf den eigenen Stubentiger beschränken, sondern darüber hinaus die heimische Vogelwelt mit einbeziehen. Zwar steht diese einem Tierhalter in aller Regel bei weitem nicht so nah wie die eigene Katze. Dennoch ist es durchaus egoistisch, die Bedürfnisse des geliebten Haustiers über das Leben von Wildvögeln zu stellen. Der Nutzen für eine einzelne Katze steht in keinem Verhältnis zum Schaden an der Vogelwelt, wenn man das Problem ganz nüchtern betrachtet und Leben gegen Leben aufwiegt.

Meine persönliche Meinung als Jagdbefürworterin, Jagdscheininhaberin ohne Passion und ohne jeglichen jagdlichen Abschuss bisher und auch in naher Zukunft:

Ich mag Katzen.

Wir hatten selber eine, aber die war ein Stubentiger, kein Freigänger.

In Deutschland sollen zwei Millionen Katzen als Streuner (ohne Halter) oder Freigänger durch das Land ziehen. In den Niederwild-Revieren und Naturschutzgebieten sind sie eine Bedrohung für Bodenbrüter und Singvögel.

Wer mit Fallenjagd versucht, Beutegreifer zu fangen, hat laut LJV in 100 Fangnächten einen (!) Erfolg. Ein Drittel der gefangenen Tiere sind Katzen, ein Drittel Füchse und ein Drittel Marder.

Würden die lieben Katzen nicht wildern, dann würden sie die Fallen für Beutegreifer nicht annehmen. (Denn sie wären ja dann satt und würden ohne Jagdtrieb durch die Gegend wandern.)

Ein Drittel der in Tierheimen abgegebenen Tiere sind Katzen.

Wenn man ganz gemein wäre, könnte man Katzen als Serienkiller darstellen. Dem ist aber nicht so. Katzen lieben ihre Halter, sie sind soziale Wesen, die Empathie zeigen und Trost spenden.

Insbesondere für Menschen, die alleine leben, kann eine Katze das einzige Wesen sein, das Liebe ausstrahlt. Und auch in Zweierbeziehungen (ohne Kinder) ist oft das einzige Lebewesen, das einen nach der Arbeit begrüßt, der Stubentiger. Ich möchte niemandem seine Katze vermiesen. Im Gegensatz zu Hunden, die ich auch liebe, sind Katzen für mich bewundernswerte und unabhängige Tiere, die sich herablassen, mir ihre Gunst zu bezeugen. Wenn ich in den Genuss dieser Gunst komme, dann sind sie schmusig und schnurren vor Vergnügen. Aber sie sind als Freigänger auch Killer.

Von daher ist jeder Katzenhalter (und Fütterer streunender Katzen) in der Pflicht, auch die bedrohten Arten zu schützen. Das Optimum wäre der Stubentiger. Wenn das nicht geht, sollte man zumindest in der Brutzeit die Freigänger nicht rauslassen. Auch wenn das für die eigene Katze ein Ärgernis darstellt, sollte ihr Wohl nicht über das Wohl der bedrohten Arten ihrer Beute gestellt werden. Alle Katzenhalter sollten eigenverantwortlich ihre Katzen kastrieren beziehungsweise sterilisieren, damit sie mit streunenden Katzen keinen Nachwuchs zeugen können.

Wenn wir diese Punkte beachteten, dann würden unsere Katzen sich nicht überproportional vermehren und auch nicht bei den Jägern als Bedrohung für die bedrohten Arten wahrgenommen werden. Kein Jäger hat wirklich Lust, eine Katze zu schießen. So ein Abschuss bedeutet für viele das Ende der Jagd an dem Tag, weil die Beute, die man verwerten könnte (Rehe, Wildschweine et cetera) durch den Lärm des Abschusses verschwinden würde. Viele Jäger fangen die Katzen lieber auf lautlose Art lebend, haben aber anschließend häufig Schwierigkeiten, sie beim Tierheim abzugeben.

Eine Säule des Artenschutzes neben Lebensraumverbesserung ist die Bejagung räuberischer Arten. Dies geht am besten mit Fallen oder mit der Baujagd. Der NABU-Bundesverband lehnt jedoch in seiner Position die Verwendung von Fallen gänzlich ab. Allerdings wird in Naturschutzprojekten das Fallenstellen unter der Bezeichnung des „Prädatorenmanagements“ legitimiert, staatlich gefördert und von Naturschutzverbänden – insbesondere vom NABU – aktiv praktiziert.

„Ein Fang- und Baujagdverbot ist das schädlichste, was man für den Schutz benachteiligter Arten ernsthaft fordern kann“, sagt Andreas Leppmann, Geschäftsführer des Deutschen Jagdverbands (DJV):

„Ob auf der Falle ‚Prädatorenmanagement‘ steht oder ‚Fangjagd‘, ist dem Fuchs egal. Alles andere ist Etikettenschwindel und entbehrt jeder argumentativen Grundlage“, so Leppmann. Der DJV nimmt Tierschutz übrigens sehr ernst und hat die Initiative ergriffen: Bereits gängige Fallentypen wurden nach internationalen Standards für humane Fangjagd (AIHTS) erfolgreich getestet.

Einfach mal darüber nachdenken und sich ein bißchen informieren! Das Thema ist „heiß“ und wird von beiden Seiten befeuert. Die Position der Grünen scheint auf den ersten Blick tierfreundlicher, zumindest für die Tiere, die wir kennen und lieben: Hunde und Katzen. Und wer liebt schon Kiebitze, Wachteln, Fasane, Amseln, Nachtigallen, Gartenrotschwänze, Kohlmeisen, Mönchsgrasmücken, Rotkehlchen, Stare, Stieglitze und Zilpzalps?

Da ich die Jägerprüfung erfolgreich bestanden habe, freue ich mich über jeden Gartenvogel. Kiebitze, Fasane und Wachteln (alle im Jagdrecht mit Schonzeit) habe ich zwar in Dänemark gesehen, aber nicht in meinem Garten. Doch Amseln, Nachtigalle, Gartenrotschwänze, Kohlmeisen, Rotkehlchen, Spatzen, Stare und Stieglitze sind – ohne Winterfütterung – häufig unsere Gäste. Elstern, Tauben und Eichelhäher sind Stammgäste. Und ab und zu sehen wir Graureiher und Stockenten, weil der Nachbar einen größeren Teich hat. Jede Nacht läuft eine Freigängerkatze über unser Auto – egal, ob es auf dem Parkplatz (ihr urtümlicher Nachtspaziergang, bevor wir unser Haus ihr in den Weg gestellt hatten) oder auf der Straße steht. Und ich habe schon geräuberte Nester mit Embryonen von geschützten Türkentauben im Garten gefunden. Auch sind die drei Kaninchen aus Nachbars Garten eines Nachts verschwunden. Es muss nicht der rote Kater gewesen sein, da wir auch Eichhörnchen, Elstern und mindestens einen Marder und Fuchs haben, aber die Häufigkeit der Trittsiegel lenkt den Verdacht auf den dicken, roten Kater von nebenan.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog der Autorin.


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