24. Oktober 2014

Nachruf Nelson Bunker Hunt (1926-2014)

Unermüdlicher Kämpfer für ein besseres Geldsystem

Nelson Bunker Hunt war das zweite von 15 (!) Kindern von H.L. Hunt, dem legendären texanischen Öl-Tycoon. Dieser Selfmade-Milliardär war lange Zeit der reichste Mann der Welt und gilt als Vorbild für die Figuren „Jett Rink“ aus dem Film „Giganten“ und „J.R. Ewing“ aus der auch in Deutschland ungeheuer populären Fernsehserie „Dallas“. Viele Handlungen und auch das politische Weltbild von Nelson Bunker Hunt lassen sich durch die Prägung seines Übervaters H.L. Hunt erklären. Seine Kindheit war nicht leicht, da sein Vater seinen erstgeborenen Bruder Hassie Hunt bevorzugte und Bunker bereits früh an Übergewicht litt. Sein Vater hielt ihn für langsam und geistlos und schreckte auch nicht davor zurück, dies Bunker in drastischen Worten mitzuteilen. Trotz dieser Schikanen vergötterte er seinen Vater und wollte ihm unbedingt beweisen, dass auch er es zu etwas bringen kann. 

Hunt besuchte nach der High School die Universität von Texas in Austin. Bereits nach wenigen Monaten unterbrach er das Studium, um als Freiwilliger im Zweiten Weltkrieg mitzukämpfen. Mit nur 17 Jahren meldete er sich zur Navy, wo er bis Kriegsende 1945 als Matrose auf einem Flugzeugträger seinen Dienst tat. Er überstand den Krieg unbeschadet und setzte danach sein Studium an der Southern Methodist University (SMU) in Dallas fort. Bereits nach einem Semester verließ ihn die Lernmotivation wieder, so dass er eine Vollzeitstelle in der Ölfirma seines Vaters annahm. Im Jahr 1952 heiratete er seine Frau Caroline. Sie bauten sich eine schöne Villa in der schönsten Gegend von Dallas. Seine ersten Jahre im Familienunternehmen waren nicht sehr erfolgreich. Er verbrannte bei erfolglosen Öl-Explorationsprojekten innerhalb weniger Jahre die unglaubliche Summe von 250 Millionen Dollar. Politisch wandelte er auf den Spuren seines Vaters. Er saß im Beirat der rechtskonservativen „John Birch Society“. Präsident Kennedy hielt er für unfähig, und er finanzierte auch eine Anzeige in der größten Zeitung von Dallas, gespickt mit scharfen Attacken auf Kennedy, welche ausgerechnet am Tag des Attentats veröffentlicht wurde. Es wurden daraufhin Spekulationen laut, er würde mit dem Kennedy-Attentäter in Verbindung stehen. In der Folge erhielt Hunt Personenschutz, da Racheakte von Kennedy-Anhängern befürchtet wurden.

1966 wendete sich dann zumindest finanziell das Blatt zugunsten Bunker Hunts: Er entdeckte das Sarir-Ölfeld in Libyen, welches damals zu den zehn größten Ölfeldern der Welt gehörte. Er war mit 40 Jahren, zumindest auf dem Papier, der reichste Mann der Welt geworden. Die Freude währte nur einige Jahre, der neue Machthaber von Libyen, Muammar al-Gaddafi, verstaatlichte das Ölfeld 1973 und zahlte ihm nur 20 Millionen Dollar Entschädigung. Dies war ein einschneidendes Erlebnis für Hunt. Unter dem Eindruck des „Nixon-Schocks“ und der Erkenntnis, dass Öl-Eigentumsrechte schnell mit einem Handstreich weggewischt werden können, beschloss er, sich verstärkt Silber zuzuwenden, um sein Vermögen zu sichern. Hunt konnte seinen Bruder Herbert ebenfalls davon überzeugen, sich zusammen mit ihm hier stärker zu engagieren. Im Herbst 1973 begannen sie substantielle Silberpositionen zu erwerben, und bereits im Jahr 1974 hatten sie 55 Millionen Unzen erworben. Dieses Silber wurde zunächst in den Lagerhäusern der Terminbörse Comex in New York aufbewahrt. Bunker Hunt traute allerdings den USA nicht, für ihn stand die Machtübernahme durch Rockefeller, Kissinger und anderen Linken kurz bevor. Mit gecharterten Jumbo-Jets ließen die Hunt-Brüder ihr Silber deshalb in die Schweiz ausfliegen, wo sie sämtlichen verfügbaren Tresorraum in Zürich anmieteten. Danach suchten die Hunts nach Verbündeten, um noch mehr Silber zu erwerben. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde aus der Vermögensabsicherung eine Spekulation; eine Spekulation, die sich direkt gegen den Papier-Dollar wandte. Zwar scheiterten sie im Iran, fanden aber in Saudi-Arabien finanziell potente Geschäftspartner, mit denen sie auf Kredit weitere Mengen an Silber kauften. Zum Verhängnis wurde ihnen, dass sie sich zu sehr auf Silber-Börsenterminkontrakte gestützt hatten.

Im Januar 1980 wurden die Regeln an den Terminbörsen in New York und Chicago zu ihren Ungunsten geändert (es durfte nur noch Silber verkauft, nicht mehr gekauft werden, der Preis musste also fallen). Die gesunkenen Kurse brachten die Kreditpyramiden der Hunts ins Wanken, so dass sie Teile ihres „Silberberges“ verkaufen mussten, was weitere Kursverluste auslöste. Nachdem Hunt zusammen mit seinem Bruder im Januar 1980 bei einem Silberpreis von knapp 50 Dollar erneut der reichste Mann der Welt geworden war, mit einem Vermögen von über zehn Milliarden Dollar, benötigten die beiden wenige Monate später schon einen Überbrückungskredit von 1,1 Milliarden Dollar, um nicht zahlungsunfähig zu werden. Die Bedingungen wurden ihnen durch ein Bankenkonsortium diktiert, sie mussten sogar ihre Autos und Uhren verpfänden. Allerdings konnten sie sich nur eine kurzfristige Atempause verschaffen. Die hohen Zinskosten auf den Milliardenkredit von fast 20 Prozent und die bis Mitte der 80er Jahre stark gesunkenen Ölpreise brachten sie an den Rand des Bankrotts. Ende der 80er Jahre verloren sie einen Prozess wegen ihrer Silberspekulation, bei dem sie wegen Verschwörung zur Preismanipulation verurteilt wurden. Die Millionenstrafe sowie Schadensersatzforderungen führten zur Insolvenz der beiden Brüder. Hunt musste daraufhin viel Grundbesitz, seine millionenschwere Münz- und Antiquitätensammlung (darunter die Agrigentum Dekadrachme, die teuerste antike Münze der Welt), seine Rennpferde und Viehherden sowie das restliche Silber verkaufen. Er hatte allerdings das Glück, dass Teile des Vermögens seines 1974 verstorbenen Vaters in Trusts gebunden waren, die nicht unter das Insolvenzrecht fielen. Bereits wenige Jahre später konnte Hunt deshalb das Insolvenzverfahren abschließen und sich wieder dem Öl-Business sowie dem Pferderennen widmen. So war er bereits 2001 wieder in der Lage, für 2,5 Millionen Dollar 80 Rennpferde zu kaufen. Zeitlebens faszinierte ihn dort die Kombination aus Geschäft, Sport und Genetik. Insbesondere in den 70er und 80er Jahren war er einer der erfolgreichsten Pferdezüchter der Welt mit einer Vielzahl von Siegerpferden im Stall. Im Jahr 2008 unterstützte er den Wahlkampf von Ron Paul zu den US-Präsidentschaftswahlen mit einem Sitz im Presidential Campaign Committee. Er blieb sich also treu, für ein besseres Geldsystem zu kämpfen. Hunt hatte die feste Überzeugung, dass der zivilisierte Westen irgendwann vom atheistischen Kommunismus besiegt würde. Für ihn war es nur eine Zeitfrage, bis die USA als letzte Bastion der Freiheit ebenfalls geschleift würde. Kommunistische Unterstützer sah er auch in der CIA, der Trilateralen Kommission, Henry Kissinger, George Bush und in den, in seinen Augen, „Erzschurken“ Nelson und David Rockefeller. Zudem unterstützte er evangelikale christliche Organisationen mit großen Summen, so finanzierte er 1979 einen Jesus-Film für 3,5 Millionen Dollar. Auf der anderen Seite war seine Sparsamkeit legendär, so flog er selbst nach Europa immer in der Touristenklasse, checkte in die billigsten Hotels ein, trug zerknitterte braune Anzüge von der Stange und hatte mehr eine Vorliebe für Fast Food anstatt die „Haute cuisine“. Man kann ihn politisch als paläokonservativ einstufen, verbunden allerdings auch mit einem latent vorhandenen Antisemitismus.

Nelson Bunker Hunt verstarb am 21. Oktober im Alter von 88 Jahren in Dallas. Er hinterlässt seine Frau Caroline, vier Kinder, 14 Enkel und 13 Urenkel. Er starb zwar nicht als Milliardär, aber äußerst wohlhabend. Sein Name wird immer mit der großen Silberspekulation verknüpft bleiben.


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Autor

Marc Bettinger

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