04. November 2014

Römische Oper Kopfnickend in den planwirtschaftlichen Untergang

Griechenland ist nicht die Wiege

Die Musiker der römischen Oper arbeiten an 125 von 240 Arbeitstagen, manche nur an 60. Ihre Bezüge von durchschnittlich 82.000 Euro sind ein Grundgehalt. Das Haupteinkommen wird in der Freizeit verdient. Im Dienst werden Noten wie italienische Verwaltungsakte abgearbeitet. Entsprechend schlecht sind Ruf und Auslastung des Hauses, für das jeder römische Bürger jährlich 30 Euro bezahlt und zukünftig die enormen Schulden.

Das einzige Zugpferd der Oper, deren Orchester gelegentlich durch ein einzelnes Klavier ersetzt werden muss, Dirigent Riccardo Muti, hat seine Zusammenarbeit aufgekündigt. Vier große Sponsoren haben ihre Zahlungen eingestellt. 63 Millionen Euro an Kosten im Jahr 2013 standen 9,3 Millionen an Einnahmen gegenüber. Alles entsprach in etwa dem deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Deshalb hatte Intendant Fuertes allen Orchestermusikern und Chorsängern angeboten, ihre Zulagen zum Beispiel für das Festhalten an schwereren Instrumenten oder für rhythmisches Nicken beim Singen in Höhe von 42 Prozent der Tarifgehälter zu streichen oder 25 zusätzliche Aufführungen bei gleichem Gehalt spielen zu lassen. Die vier Gewerkschaften jedoch berufen sich auf den Kulturanspruch der Allgemeinheit, suchen die Unterstützung der Kommunisten im Stadtrat und drohen, den unbeeindruckten linken Bürgermeister Marino zu stürzen.

Dieser und der Intendant haben jetzt das künstlerische Personal, 182 Leute, entlassen. Angeboten werden die ersatzlose Schließung der Oper, eine selbstverantwortliche Genossenschaftsorganisation der Musiker, die dann einen Dienstleistungsvertrag mit der Oper abschließen dürfen, wie die Berliner Philharmoniker, und falls beides abgelehnt wird, eine internationale Ausschreibung.

PS: „La Repubblica“ aus Rom beginnt einen aktuellen Artikel: „Griechenland, von dem vor fünf Jahren die Seuche der Staatsverschuldung ausging“ – mehr Ahnungslosigkeit in einem Halbsatz unterzubringen, dürfte schwerfallen.


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