19. Januar 2015

Paternalismus Get a job!

Ein kleiner Wutausbruch

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Ein kleiner Wutausbruch: Warum ich überhaupt über das folgende, völlig irrelevante Thema schreibe? Weil sich Politiker, die sich von mir bezahlen lassen, mit diesem Thema beschäftigen, deshalb!

Es ist ja nicht so, als ob es in der Welt nicht genügend Probleme gäbe. Gerade die letzten Tage haben wieder gezeigt, wo es überall brennt. Möglicherweise kommen dann die Themen zu kurz, die es sonst auf die Titelblätter geschafft hätten. Dazu gehört eines, das als Thema an sich an Unwichtigkeit kaum zu übertreffen ist: Die Regierungskoalition soll sich nämlich gegen „Quengelware“ an Supermarktkassen einsetzen!

Quengelware, das sind Süßigkeiten, die nicht selten in der Nähe der Kassen ausgelegt werden, eben an Stellen, an denen Einkäufer in jedem Fall vorbei müssen und nicht selten auch längere Wartezeiten haben. Ein Erwachsener greift dann schon mal gerne zu einem Schokoriegel „auf den Weg“, vor allem aber für Kinder sind die tiefen Auslagen eine Versuchung und für die Eltern eine Herausforderung – der Name „Quengelware“ macht deutlich, um was es geht. Jeder Erziehungsansatz zu Disziplin im Allgemeinen und zu Süßigkeiten im Speziellen wird hier auf eine harte Probe gestellt.

So was kann einen natürlich nerven, andererseits ist die Kasse der sicherste Ort, wenn man noch schnell jenen Schokoriegel oder eine Packung Kaugummi kaufen möchte, statt zu den Großpackungen in den Regalen zu greifen. Ob man „Quengelware“ an den Kassen als Ärgernis, als Herausforderung oder als Einkaufschance begreift, kommt also schon sehr auf den persönlichen Standpunkt an. Und dass das Management eines Supermarkts oder einer Kette die Ware hier plaziert, kommt nicht von ungefähr (die eine oder andere Kassiererin würde ob der lautstarken Kämpfe zwischen Kindern und Eltern sie wohl auch lieber woanders sehen).

Man kann also, wenn es einen betrifft, durchaus darüber streiten, ob der Süßkram unbedingt dort feilgeboten werden muss, man kann sich auch mit der Supermarktleitung in Verbindung setzen und um die Einrichtung einer „quengelfreien“ Kasse bitten, man kann sich einen anderen Supermarkt suchen, man kann sich mit anderen Eltern zusammentun und damit versuchen, Einfluss zu nehmen. All das kann man tun, und wenn sich genügend Konsumenten zusammentun, wird man dem Ansinnen vielleicht entgegenkommen – einfach aus betriebswirtschaftlicher Einsicht.

Was man aber ganz sicher nicht braucht, ist eine Bundesregierung, keine Gitta Connemann als Vorsitzende des Ernährungsausschusses, die sich um eben dieses bemüht, die „mit dem Handel darauf hinwirkt, dass ‚quengelfreie‘ Kassen angeboten werden“ und dass „Familienkassen zum Standardangebot werden“. Es ist auch keine Regierung notwendig, die zusammen mit den Ländern „auch darauf hinwirkt, dass an Kitas und Grundschulen ‚keine Süßigkeiten, Knabberzeug, Fast-Food und Softdrinks beworben werden‘“, die „zudem mit der Branche eine Strategie für die Reduktion von Zucker, Fetten und Salz in Fertigprodukten erarbeitet“ oder die mahnt, dass es zur „Vermeidung von Lebensmittelabfällen mehr kleine Packungen geben soll“ – all das bislang noch kaschiert als gemeinsame Bemühungen, die aber schnell in Gesetzesform gegossen werden können, wenn „der Markt“ sich nicht adäquat den Politikerwünschen verhält.

Wir brauchen keine Bundesregierung und keine Parlamentarier, keinen Ernährungsausschuss und dafür schon gar keine Vorsitzende – Sorry, Frau Connemann, Ihr Job ist überflüssig wie ein Kropf! – , keine Koalitionsfraktionen und erst recht keine Regierung, die sich auch nur eine Sekunde um diese Themen kümmern, die sie – man entschuldige die Wortwahl – verdammt noch mal einen Sch… angehen! Die brauchen wir gleich dreimal nicht, wenn „die Politik“ in Themen wie innerer und äußerer Sicherheit, bei denen man  noch am ehesten ein Handlungsfeld einer Regierung zu entdecken vermag, sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Die Politik lebt nicht von eigenen Leistungen, die nachgefragt werden, sondern von Steuergeldern, und nun überlegen Sie, liebe Leser, mal, was Sie jemandem bezahlen würden, der sich anschickt, so in die Wirtschaft und in Ihr Privatleben einzugreifen. Wetten, dass Frau Connemann mehr verdient? Von mir – das ist vermutlich klar geworden – bekäme sie für diesen Mist jedenfalls keinen Cent! Man kann sie und ihre Gleichgesinnten in der Politik nur auffordern: Sucht Euch einen richtigen Job und verdient auf ehrliche Weise Euer Geld!

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Papsttreuen Blog.

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