23. Januar 2015

Journalismus „Der erste Pegida-Tote“

Wie viele werden folgen?

Dossierbild

Dass nicht gerade wenigen Pegida- oder Legida-Anhängern oder wer auch immer unter diesen seltsamen Labels mitläuft, die islamistischen Anschläge in Paris hochwillkommen waren, steht außer Frage. Eine steilere Vorlage konnte es für sie kaum geben. Dass der gewaltsame Tod eines Asylbewerbers in Dresden zeitgleich geschah zu einem Pegida-„Aufmarsch“ (so bezeichnen viele Medien das, was sie „Demonstration“ zu nennen belieben, wenn ihnen die Anliegen von größeren Menschenansammlungen genehmer sind), beflügelte Spekulationen. Wer will, kann sie leicht im Netz finden. Unredlich wäre, so zu tun, als hätte den Tenor vieler Berichte nicht die klammheimliche Hoffnung grundiert, es möge doch bitte ein Neonazi sein, der Khaled I. umgebracht hatte.

Nur jemand, der die letzten Jahrzehnte auf dem Mond verbracht hat und zum Beispiel den Fall Sebnitz nicht kennt, kann die Instrumentalisierung, heißt: das Ausschlachten von bestimmten Todesfällen zu politischen Zwecken, bestreiten. In Sebnitz hatten angeblich Rassisten ein Kind ertränkt, das einer deutsch-irakischen Ehe entstammte. Die Story erwies sich als falsch. Federführend bei der Medien-Hysterie aus dem Jahr 2000 war übrigens die ihrerzeit noch auflagenstarke „Bild“. Und das Blatt, das der ganzen Geschichte schließlich investigativ den Stecker zog, war die „Frankfurter Rundschau“, damals noch keine Zeitungs-Attrappe.

Der Online-Auftritt der „FAZ“ meldete am 22. Januar, „wider die Befürchtungen“ sei der Tod von Khaled I. „wohl keine fremdenfeindliche Tat“ gewesen.

Einspruch. Es verhält sich vielmehr so, dass nicht wider die Befürchtungen, sondern entgegen andersgearteter Hoffnungen vieler Interessierter, die im Einzugsbereich linker SPD-Zirkel, der Grünen, der Partei Die Linke, der Antifa und geistesverwandter Kreise nisten, es offenbar ein Asylbewerber war, der einen Landsmann umgebracht hat. Wie auch deutsche Reihenhausbewohner dann und wann einen Nachbarn töten, weil sie mit ihm über Petitessen in Streit geraten sind. Traurig. Letzteres aber keine Nachricht, die bundesweit Schlagzeilen machen würde. Dass auch faz.net, eine gewöhnlich angenehm unaufgeregte Website, diese fatale Auseinandersetzung unter Asylbewerbern politisch konnotiert, ist ebenfalls traurig.

Den Tod des Khaled I. hat allerdings kaum ein Medium so beherzt benutzt wie stern.de. Unter dem Titel „Khaleds Tod, Dresdens GAU“, vermeldete das Portal am 16. Januar 2015:

„Ganz abgesehen davon, dass ein Menschenleben zu beklagen ist, hat die Stadt nun, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung, ihren ersten Pegida-Toten. Und es waren nicht die etablierten Medien, die diesen Verdacht zuerst publizierten, Stichwort Lügenpresse, sondern Beobachter des Geschehens in Dresden, die meinten, eins und eins zusammenzählen zu können und dies in sozialen Medien und Leserbriefkommentaren äußerten.“

Im verschwurbelten Langtext des Artikels auf stern.de, der noch nicht die Identität des seit gestern unter dringendem Verdacht stehenden Täters kennen konnte, wurden absicherungstechnisch allerlei Wenns und Abers nachgeschoben. Aber die Message war klar.

„Der erste Pegida-Tote“.

Der erste. Wie viele Asylbewerber/Migranten/Ausländer wird die sogenannte Bewegung noch umbringen? Man darf gespannt sein.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.

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