17. März 2015

Griechenland und der Euro Unendlicher Spaß

Das Währungsrührei in den Müll kippen!

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Man kann gar nicht anders, als die Griechen zu mögen. Was das kleine lebenslustige Volk westlich des Hellesponts so alles auf die Beine stellt, hat schon sehr großen Unterhaltungswert. Nein, wirklich – auf die Dauer wäre die ganze Euro-Krise doch ziemlich fade geworden, wenn die Truppe um die beiden Spaßvögel Alexis Tsipras und Gianis Varoufakis sie nicht ordentlich aufgelockert hätte.

Zugegeben, der anfängliche Eiertanz um einen Schuldenschnitt jetzt oder später und welchen sympathischeren Namen man dem Ding doch geben könnte, war noch nicht wirklich überzeugend, aber bereits die „produktive Undeutlichkeit“ der griechischen Sparvorschläge, auf die man sich dann letztlich einigte, zeugte von großem Talent. Dieses „Feigenblatt“ zauberte so bereits mehr als nur ein freundliches Schmunzeln auf die Gesichter der EU-Finanzminister, und das zu äußerst geringen Kosten – was sind schon 1,4 Milliarden Euro in Zeiten wie diesen? Richtig, ein Witz! Was dann aber folgte, war schon ganz großes Kino.

Klar, die Forderung nach Entschädigung für den Zwangskredit aus dem Zweiten Weltkrieg ist nun kein wirklich origineller Knaller mehr, ist aber auf jeden Fall ein Klassiker, der in keinem griechischen Komikerprogramm fehlen darf. Zumal, wenn er so vorgetragen wird wie von Tsipras. 300 bis 500 Milliarden Euro für ehemals 476 Millionen Reichsmark sind schon ein Brüller. Aber sowas kommt schnell zusammen, wenn man sich an den griechischen Zinssätzen vor der Euro-Mitgliedschaft orientiert. So gesehen ist der Reparationsscherz nicht nur ein Klassiker, sondern hat auch definitiv das Potential zum Running gag. Entsprechend darf man gespannt sein, ob Athen als nächstes bei allen anklopft, von denen Griechenland in den vergangenen 2.500 Jahren überfallen wurde.

Insgeheim sollten wir also Mario Draghi höchst dankbar sein, dass er die Zinsen ins Negative manipuliert hat, denn ansonsten wären wir vermutlich inzwischen bei einer Billion Euro für die Zwangsanleihe aus dem vergangenen Jahrtausend.

Der nächste Knaller kam dann von Verteidigungsminister Panos Kammenos von Syrizas Koalitionspartner „Unabhängige Griechen“. Er erklärte mit sanfter Stimme, dass man leider alle Migranten mit Reisepapieren ausstatten müsse, wenn man nicht von der EU unterstützt werde. Ob dann einige IS-Kämpfer darunter sind, könne er nicht wissen und dafür könne er dann auch nichts. Es zeugt auch und gerade von einem tiefen Verständnis für die europäischen Dimensionen des Witzes. Schließlich erzählen die Italiener bereits seit einiger Zeit ihre ganz eigene Version des Migranten-mit-Reisepapieren-ausstatten-Scherzes, und auch die Spanier haben mit der Enklave Ceuta hier noch einen echten Humor-Trumpf in der Hinterhand. Da freut man sich doch schon auf die im Herbst anstehenden Wahlen.

Wem ob des ganzen Schabernacks weniger zum Lachen, sondern vielmehr zum Weinen ist, der liegt natürlich richtig. Zwar lässt sich dieses ganze Euro-Trauerspiel nur mehr mit einer ordentlichen Prise Humor ertragen, aber der kaum wieder gutzumachende wirtschaftliche Schaden, den das Euro-Desaster bereits angerichtet hat und noch anrichten wird, wird noch für sehr viele bittere Tränen sorgen.

Entsprechend diente die Scharade der letzten Woche über einen plötzlich doch möglichen Grexit, über mögliche oder unmögliche Schuldenschnitte, die man ja nicht so zu nennen braucht, oder auch die „produktive Undeutlichkeit“ des griechischen Finanzministers nur dazu, eine unumstößliche Tatsache zu verheimlichen. Griechenland wird bis zum bitteren Ende in der Euro-Zone gehalten – koste es, was es wolle. Mario Draghi wird „was immer nötig ist“ unternehmen, um einen Bankrott Athens zu verhindern. Denn dieser hätte den Bankrott weiterer Staaten zur Folge und dies wiederum den Kollaps wenigstens eines Bankinstituts, und wenn eine Großbank pleite geht, gehen sie dank der Billionen an OTC-Derivaten alle pleite.

Jean-Claude Juncker hat ebenfalls unmissverständlich klargestellt, dass Griechenland niemals aus der Euro-Zone ausscheiden werde. Schließlich würde die EU dann einen weltweiten, nicht wiedergutzumachenden Reputationsverlust erleiden. Das geht natürlich gar nicht. Deshalb ist es deutlich besser, einen dauerhaften und immer größer werdenden Vermögensverlust hinzunehmen.

Zudem würde selbst ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone das Problem an sich nicht lösen – ja, für Griechenland ginge es dann vermutlich nach einer kurzen Verschärfung der Krisensituation langsam wieder aufwärts. Der Rest der Euro-Zone aber würde nach wie vor erwartungsvoll in Richtung der nordeuropäischen, allen voran der deutschen Lande schielen und auf Alimentierung warten.

Die einzige vernünftige Möglichkeit, das verdorbene Währungsrührei Euro zu entrühren, besteht darin, es in den Müll zu kippen. Dies kann nur dann geschehen, wenn Deutschland dem Spiel ein Ende setzt. Wir müssen aus der Gemeinschaftswährung austreten, je eher, desto besser.

Die Frage ist nur, legen wir noch weitere hunderte Milliarden freiwillig dazu oder beenden wir das Desaster und verlassen möglichst schnell den Spieltisch?

Die Antwort kann nur der schnelle Euro-Austritt Deutschlands sein. Zumal sich die durch das Euro-Desaster entstandenen Verluste zumindest teilweise durch die drastische Aufwertung der D-Mark 2 ausgleichen ließen. Schließlich sind die drückenden Schulden der Bundesrepublik in Euro nominiert und wären dann über Nacht 30 bis 40 Prozent weniger drückend. Die breite Bevölkerung würde wieder, wie in den 1970er und 1980er Jahren, ihre wohlverdiente Sozialprämie in Form einer starken Währung, die Importe und Reisen günstig macht, erhalten. Der Rest der Euro-Truppe kann ja dann mit seiner Währung machen, was er will, und ihn in eine zweite Lira, Pesete, Drachme oder was auch immer verwandeln. So wären sie zumindest kurzfristig wieder wettbewerbsfähig, bis die mediterrane Spaßgesellschaft eben eine neuerliche Abwertungsrunde erforderlich macht.


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