30. März 2015

Finanzen Ohne Bargeld keine Freiheit

Deswegen wird es von der politischen Klasse bekämpft

Dossierbild

„Nur Bares ist Wahres“ weiß der Volksmund und stellt sich damit konträr zu einem ganz großen Trend in der westlichen Hemisphäre, insbesondere in den europäischen Staaten. Italien und Griechenland haben den Bargeldverkehr schon lange massiv eingeschränkt. In Schweden ist die bargeldlose Gesellschaft quasi Realität. Auch die privaten Bankinstitute spielen dabei fröhlich mit, so verweigerte beispielsweise die HSBC ihren Kunden in London Barauszahlungen, wenn die nicht erklären konnten beziehungsweise wollten, für welchen Zweck sie denn das Bargeld bräuchten. Auch in Frankreich sollen nun dem ohnehin schon stark eingeschränkten Bargeldverkehr weitere Fesseln angelegt werden.

Ab September sind Barzahlungen nur mehr bis 1.000 Euro möglich. Einreisen darf nur noch, wer maximal 10.000 Euro Bargeld mit sich führt – womit sich die Franzosen vermutlich einmal mehr selbst ins Knie schießen und nun auch noch die letzten zahlungskräftigen und -freudigen Touristen von der Côte d'Azur fernhalten. Aber gut, mit russischen Oligarchen will man ja eigentlich ohnehin nichts mehr zu tun haben. Den normalen französischen Bürger dürfte das Verbot ohnehin kaum treffen, weshalb sich die Kritik auch in Grenzen hält. Zu wirksam und effektiv waren da nicht alleine die Regierungsjahre des Sozialisten Hollande, auch sein Vorgänger und scheinbar möglicher Nachfolger Sarkozy hat sich um das kräftige Herabwirtschaften der Grande Nation verdient gemacht. Franzosen, die noch mit leichter Hand dicke Bargeldbündel in der Gegend herumtragen könnten, sind jedenfalls rar geworden – streitbare Multimillionäre wie der Schauspieler Depardieu wählten den umgekehrten Weg der Oligarchen und trugen ihr Geld nach Russland. Für die übrigen war der kurze Weg nach Belgien ausreichend.

Schon allein aufgrund der Minderzahl an Betroffenen hätte der französische Finanzminister eigentlich auf jede Begründung verzichten können. Gleichwohl begründete er dies trotzdem und belegte damit nebenbei, dass es Frankreich nicht nur an Wettbewerbsfähigkeit und Geld mangelt, sondern auch an Innovationskraft und Phantasie – einmal mehr mussten die beiden denkbar unoriginellsten und altbackensten Argumente herhalten, die man sich bei der Beschneidung von Bürgerrechten und -freiheiten nur vorstellen kann: Terrorismus und Steuerhinterziehung.

Dies ist natürlich ebenso lächerlich wie absurd. Der internationale Terrorismus finanziert sich über ein ebenso internationales und informelles Netzwerk. Große Bargeldtransfers sind hier nicht notwendig und schon gar nicht die Regel. Ähnlich sieht es im Falle von Steuerhinterziehung aus. Dunkle Gestalten, die in Trenchcoats gekleidet mit großen Aktenkoffern voller Bargeld um Mitternacht heimlich über Landesgrenzen schleichen und so den Fiskus um seinen Anteil betrügen, gibt es nur mehr in der Vorstellung drittklassiger Krimiautoren und in der Gedankenwelt ebensolcher Finanzpolitiker.

Wer heute Steuern vermeiden will, insbesondere wenn es um wirklich große Summen geht, der kann dies mittels legaler Konstrukte ebenso einfach wie straffrei. Handelt es sich bei dem Betreffenden um einen internationalen Großkonzern, dann genügt vermutlich nach wie vor ein Anruf bei der Luxemburger Regierung, um die Steuersorgen schnell loszuwerden. Falls nicht, springen eventuell Monaco, Gibraltar, die Kanalinseln oder auch Irland ein, und sollten alle Stricke reißen, gibt es ja auf der anderen Seite des großen Teichs immer noch Delaware.

Nein, die wahren Gründe für den Kampf der politischen Klasse gegen das Bargeld liegen natürlich ganz woanders. Zum einen an den selbst gerufenen Geistern: In Zeiten negativer Zinsen kann man sein Geld ebenso gut unters Kopfkissen legen. Dort ist es zudem vermutlich sogar sicherer, bedenkt man alle die faulen Kredite in den Bilanzen der großen Geldinstitute – Ersparnisse auf dem Konto sind schließlich schnell „gezypert“. Wenn aber zu viele Menschen anfangen, so zu denken und zu handeln, bekommen die großen Bankhäuser ein Problem. Schließlich kann man im Teilreserve-Bankensystem (Giral-) Geld fast aus dünner Luft schöpfen, aber eben nur fast. Einen kleinen Grundstock echten Kapitals benötigt man dann doch. Wird dieser nun durch die Kapitalabzüge der Kunden reduziert, dann gerät das Kartenhaus der ungedeckten Kredite und windigen Finanzierungen schnell ins Wanken. Das Schrumpfen der Geldmenge ist für Politiker wie für Banker die Horrorvorstellung schlechthin.

Dass sich zudem die Bürger der Vermögensentwertung durch negative Zinsen in Kombination mit schleichendem Kaufkraftverlust mittels Haltung von Bargeld beziehungsweise eines dann anonym vorgenommenen Umtauschs desselben in Gold oder andere Sachwerte zumindest teilweise entziehen können, ist ebenfalls wenig willkommen. Die Abschaffung des Bargelds schiebt dieser unsolidarischen, ja auch unpatriotischen Flucht schnell und dauerhaft einen Riegel vor.

Ein weiterer, äußerst angenehmer Nebeneffekt – zumindest für die Herrschenden – ist die mit dem Ende des Bargelds einhergehende volle Kontrolle der Bürger. Jede noch so kleine Ausgabe von ihnen kann überwacht und im Zweifelsfall gegen sie verwendet werden. 

Auch wenn Politiker, Star-Ökonomen und Banker dies suggerieren – die bargeldlose Gesellschaft ist mitnichten eine erstrebenswerte Zukunftsvision, sondern Ausdruck eines komplett außer Kontrolle geratenen Machtanspruchs der Politik- und Finanzklasse. In einem Geldsystem wie dem unsrigen sind Bargeld und dessen Haltung ein essentieller Teil der individuellen Freiheit.

Zwar ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich auch in einem wettbewerblichen Geldsystem ohne gesetzliche Zahlungsmittel und dem Zwang zu deren Annahme viele Bürger gegen das (papierene) Bargeld entscheiden würden. Dann aber tun sie es freiwillig und aufgrund eigener, rationaler Vorteilskalkulationen. Zudem haben sie jederzeit die Möglichkeit, ihre Entscheidung zu überdenken und gegebenenfalls zu revidieren – und das ist der ganze Unterschied zwischen Freiheit und Totalitarismus.


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