28. April 2015

Andrang auf Aktien Bei Crash mehr Cash

Die Deflation wird mit allen Mitteln verhindert

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Bildquelle: Shutterstock Aggressiver Höhenflug: Inflation an der Wall Street

Wenn die Geldpolitik sich in das „Schlepptau“ der Finanzmärkte, der Staaten und Banken begibt, wird Inflation unausweichlich. Im Jahr 2000/2001 platzte der „New Economy“-Boom. Die überschwengliche Hoffnung zerstob, der Konjunkturaufschwung würde ewig andauern. Die Aktienkurse gingen weltweit auf Talfahrt. Als Reaktion darauf vollzog die Zentralbankpolitik unter Führung der Vereinigten Staaten von Amerika einen Regimewechsel: Sie richtete fortan ihre Politik nicht mehr primär an Inflation und Konjunktur aus. Vielmehr galt ihre Aufmerksamkeit jetzt der Stabilität des Finanzsektors. Und weil letzterer durch die fallenden Aktienkurse in Bedrängnis kam, sollten vor allem niedrige Leitzinsen sie wieder in die Höhe treiben. Die niedrigen Zinsen verfehlten ihre Wirkung nicht.

Schon ab Ende 2003 begannen die Aktienkurse wieder zu steigen – trotzdem wurden die Zinsen sogar noch weiter abgesenkt und erst später wieder angehoben. Die Niedrigzinspolitik sorgte sodann für einen noch nicht dagewesenen Kreditboom, nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern weltweit. Insbesondere Banken und Staaten verschuldeten sich kräftig. Ab Mitte 2007 ging dem Boom die Luft aus, und 2008 kam es zum Bust. Die geldpolitische Antwort war die gleiche, allerdings fiel sie „aggressiver“ denn je aus. Die US-Zentralbank (Fed) senkte die Leitzinsen nun auf de facto null Prozent ab. Zudem erhöhte sie ab Ende 2008 die Basisgeldmenge (das ist die berühmt-berüchtigte „QE“-Politik). Extrem niedrige Zinsen und eine ansteigende Geldmenge ließen den Aktienmarkt ab März 2009 wieder in die Höhe steigen. Auch die US-Konjunktur begann sich wieder zu erholen (zumindest hat es den Anschein).

Das Gold erreichte am 5. September seinen bisherigen Höchstpreis von 1.900,31 US-Dollar pro Unze. Danach begann es zu fallen, im Tief bis auf 1.144,28 US-Dollar pro Unze am 11. Juni 2014. Im Spätsommer begann dann auch der US-Dollar-Außenwert zu steigen: Das Vertrauen in den Greenback als „sicheren Hafen“, als unverzichtbare „Weltreservewährung“, kehrte zurück. Entsprechend ebbte die Goldnachfrage ab: Sparer und Investoren sahen es als weniger dringlich an, Gold zu Versicherungs- und Absicherungszwecken ihres Portfolios zu halten. Doch auch der US-Dollar ist letztlich kein sicherer Hafen. Auch die Amerikaner werden über kurz oder lang wieder die elektronische Notenpresse anwerfen, um offene Rechnungen mit neugeschaffenem Geld zu bezahlen – das wird die Kaufkraft des Greenback schmälern. Eine wirksame Impfung gegen die Widrigkeiten des Papiergeldsystems ist und bleibt das Gold. Es ist „eine führende Währung. Keine Papiergeldwährung inklusive des Dollar kann sich mit ihm messen“, sagte Alan Greenspan am 29. Oktober 2014 auf einem Treffen der US-Denkfabrik Council on Foreign Relations (CFR). Der langjährige Fed-Chef weiß, wovon er redet. Doch künstlich gesenkte Zinsen und ein Ausweiten der Geldmenge sorgen nur für einen „Scheinaufschwung“, der früher oder später wieder in sich zusammenbrechen muss – genauso wie in den Jahren zuvor auch.

Das mag erklären, warum die US-Zentralbank sich aktuell auch so schwer tut, die Zinsen wieder auf „normale“ Niveaus anzuheben. Schon ein Abflauen der monetären Expansion würde das Konjunkturgebäude einstürzen lassen. Wenn aber die Geldpolitiken danach trachten, den künstlichen Boom, den sie durch niedrige Zinsen und Geldmengenausweitung in Gang gesetzt haben, vor der Korrektur zu bewahren, ist der Weg in die Inflation vorgezeichnet. Jeder drohende Konjunkturabschwung, vor allem auch jeder Rückgang der Vermögenspreise und insbesondere der Aktienkurse wird eine immer heftigere geldpolitische Reaktion provozieren. Dass das Motto der Geldpolitik lautet: „Bei Crash noch mehr Cash“, hat sich längst auf den Finanzmärkten herumgesprochen, und es spornt die Investoren an, immer höhere Preise für Aktien zu zahlen. Verstärkt wird der Kaufdrang dadurch, dass es einen „Konsens“ gibt, eine Deflation – also ein Rückgang der Preise – sei mit allen Mitteln zu verhindern, dass die bisherige Inflationspraxis mit allen Mitteln fortzuführen sei. Wenn die Geldpolitik sich in das Schlepptau der Finanzmärkte, der Staaten und Banken begibt – und das ist bereits geschehen –, wird Inflation unausweichlich.

Friedrich August von Hayek hat das eindrucksvoll zusammengefasst: Die Inflation „ist gewöhnlich sowohl für die Regierung als auch für die private Geschäftswelt der leichte Weg aus momentanen Schwierigkeiten. Sie ist das unausbleibliche Ergebnis einer Politik, die alle anderen Entscheidungen als Gegebenheiten ansieht, an die das Geldangebot so angepasst werden muss, dass der durch andere Maßnahmen angerichtete Schaden so wenig wie möglich bemerkt wird.“

Dieser Artikel erschien zuerst im Degussa-Marktreport vom 24. April 2015.


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