26. Mai 2015

GEZ und WDR Es reicht!

Mehr Geld für Gottschalk & Co

Artikelbild
Bildquelle: shutterstock Gottschalk: Jubel über GEZ-Millionen

Riesenwirbel um Thomas Gottschalk. Der im deutschsprachigen Fernsehempfangsgebiet weltberühmte Quatschtitan soll, wie Investigativmedien berichten, vor Jahren ziemlich viel Geld von der ARD für eine auf 144 Folgen projektierte Vorabendunterhaltungsreihe kassiert haben, die wegen mieser Quoten rasch beerdigt wurde. Ferner habe er 400.000 Euro für zwei Abendshows kassiert, die gnädigerweise gar nicht erst produziert wurden. „Millionen für‘s Däumchendrehen“, echauffierte sich die „Süddeutsche Zeitung“. Auch in anderen Publikationen, die diesen vergleichsweise minderschweren Fall von Demokratieabgabeverschwendung über die Pfingsttage zu skandalisieren trachteten, wurde Gottschalk als Abzocker und der WDR als finanzieller Vollpfosten gebrandmarkt.

Was war wirklich passiert?

Nicht mehr als das, was im Wirtschaftsleben nur zu oft geschieht. Gottschalk, der Ende 2011 die schon damals auf einem stark abschüssigen Ast befindliche Deppenshow „Wetten, dass…“ aufgegeben hatte, war es gelungen, dem WDR einzureden, dass zumindest er, Gottschalk, noch eine Zukunft auf dem Parkett längst havarierter Unterhaltungsformate habe. Verträge wurden gemacht, Absichtserklärungen formuliert. In einer hieß es für den Fall eines vorzeitigen Aborts von „Gottschalk live“ angeblich: „Der Moderator besteht in diesem Fall auf die Auszahlung seines ungekürzten Honorars für alle 144 Sendungen von 4,6 Millionen Euro.“

Als ein größeres Zuschauerinteresse an der Sendung ausblieb, betätigte der WDR in Juni 2012 die Reißleine. Gottschalk wollte die zugesicherte Kohle natürlich trotzdem haben.

So what?

In allen Unternehmen gibt es Figuren, „Hoffnungsträger“ genannt, die teuer eingekauft werden. Jedoch manchmal sehr schnell gefeuert werden, weil die Hoffnung in sie abhandenkommt. Für Magazine wie „Spiegel“ oder „Stern“, nur zum Beispiel, wurden gelegentlich Anführer bestellt, die am Ende ihrer Regentschaft deutlich kürzer als ein Jahr im Impressum gestanden hatten. Und die dann, sicherlich nicht vollends in Tränen aufgelöst, unter Mitnahme von Millionen neue Wege beschritten.

Dem VW-Vorstand Bernd Pischetsrieder wurde 2006 sein Vertrag Monate vor dem Rausschmiss durch Ferdinand Piëch um fünf Jahre verlängert. Selbstredend wurde der Vertrag ausbezahlt. Hätte Bernd P. sagen sollen: Okay, der Alte findet, dass ich nicht liefere – jetzt will ich auch das Geld nicht mehr?

Verträge sind einzuhalten. Wem das nicht einleuchtet, der hat noch nie einen Pakt geschlossen. Und noch nie in einem Unternehmen gearbeitet.

Im Fall Gottschalk ist es so, dass allein die den Zuschauern anno 2013 abgepressten TV-Gebühren für den WDR mit rund 1,5 Milliarden Euro zu Buche schlugen. Die Erlöse aus der Werbung kamen noch hinzu. Vor dem Hintergrund dieses Finanzpolsters ist es begrüßenswert, dass der Sender für den Gegenwert von ein paar läppischen Millionen es seinen Finanziers wenigstens ersparte, dem lebenslang unermüdlich durch die Gazetten brummenden Berufsjugendlichen Thomas G. auch noch andauernd per Flachbild zu begegnen. Just hat Blondie ein Buch über sein Leben als TV-Knalltüte auf den Markt gebracht und zieht damit um die Medienhäuser.

Es reicht. Wirklich.

Da ist noch ein Grund, weshalb man dem WDR dankbar sein muss, dass er ordentlich Geld für Gottschalk verballert hat. Dieses fehlt nämlich hoffentlich für andere Produktionen aus dem Kölner Tendenzfunkhaus. Verpfiffen hat die Details des WDR-Deals mit Gottschalk interessanterweise eine so genannte AG Dok, in der sich laut „Süddeutsche Zeitung“ deutsche Dokumentarfilmer zusammengeschlossen haben.

Deren Intention ist klar. Die Whistleblowers möchten vermelden:  Für uns gibt es immer weniger Geld aus öffentlich-rechtlichen Töpfen. Wohingegen der WDR, unser langjähriger Transmissionsriemen für linkes Betroffenheitsfernsehen, selbst krachend gescheitertes Halligalli noch mit Halden von Kohle belohnt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Mediales

Mehr von Wolfgang Röhl

Über Wolfgang Röhl

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige