03. Juli 2015

Andreas Gabalier und Müller-Milch „Homophobie“? Rutsch uns den Buckel runter!

Mit Stil zurückgeschossen

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Bildquelle: Harald Bischoff/Wikimedia Commons Politisch unkorrekt: Andreas Gabalier

Homophob isser, sexistisch isser, rechts isser sicher auch! Volksmusiker Andreas Gabalier hat es nicht leicht, und das nicht nur, weil er ein Mann ist und dazu auch noch heterosexuell, dazu noch eine ausgemachte Frohnatur, der sich augenzwinkernd als „Mountain Man“ selbst veralbert, aber aus seiner Seele keine Mördergrube macht. Wird er aufgefordert, die österreichische Nationalhymne anzustimmen, singt er sie in der Originalform, mit der Textstelle „Heimat großer Söhne“ statt der unmelodischen, aber gendergerechten Neufassung „Heimat großer Töchter und Söhne“.

Das bringt ihm natürlich den Unmut der BerufsemanzipationsbeauftragtInnen und Sozialingenieure ein, die Toleranz fordern für ihr Neusprech. Er macht auch keinen Hehl daraus, dass zwar jeder nach seiner Façon glücklich werden soll, er selbst aber eine Vorliebe für klassische Rollenmodelle hat, es gut findet, wenn eine Mutter statt in den Beruf zurückzugehen die Kinder erzieht … und er lässt sich ungern reinquatschen, wenn ihm jemand vorzuschreiben versucht, wie ein Paar- oder Eheleben auszusehen hat.

„Genderverseucht“ nennt er das alles und nutzt auch ein Interview im „Merkur“ nicht, um sich zu entschuldigen für möglicherweise aufgekommene Missverständnisse, sondern um seine Position klarzustellen. „A Meinung haben“ ist das Motto, das ihn dabei umtreibt und der Überzeugung Ausdruck verleiht, dass eine Meinung so lange nicht verboten oder unterdrückt werden kann, wie sie niemanden persönlich schädigt. Und warum sollte er sich auch für eine Meinung schämen oder sie revidieren, die bis vor wenigen Jahren noch Konsens war? Man kann mit einer Meinung falsch liegen, aber wer versucht, Meinungen vorzuschreiben, ist eben nur so lange tolerant, wie man seine Meinung teilt – ergo gar nicht.

Seine Fans lieben Andreas Gabalier für diese Einstellung, mit der man auf einer Ortsgruppenversammlung der Grünen keinen Blumentopf gewinnen kann – was nur noch mehr verdeutlicht, dass er kein reaktionärer „Homophober“ (was immer das genau sein soll) ist, sondern ein ganz normaler Mensch mit gesundem Menschenverstand.

Das können aber die Gender-Blockwarte nicht einfach so stehenlassen, und wenn sie jemanden schon persönlich nicht kleinkriegen können, dann versuchen sie eben, seine Existenz zu vernichten, was am einfachsten ist, indem man sie denunziert und zum Beispiel versucht, seine Einkommensquellen zum Versiegen zu bringen. Kennen wir alles aus diversen totalitären Staaten und der eigenen Geschichte … „Irgendwie kriegen wir die schon klein … wir kriegen euch alle!“.

Nun muss man wissen, dass Andreas Gabalier Werbung für den Milchproduzenten Müller (Müller-Milch) macht, eine Firma mit einem unter grünen Weltverbesserern chronisch schlechten Ruf: Zu groß, zu erfolgreich, und dann auch noch genverändert! Aber möglicherweise wollen die wenigstens nicht als homophob dastehen? Denn merke: Wer Homophobe unterstützt oder mit ihnen befreundet ist, wird mit Homophobievorwürfen nicht unter Claudia Roth bestraft!

Das hat sich jedenfalls Johannes Kram, Blogger des „Nollendorfblog – Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber“, Marketingstratege und Homosexuellenlobbyist gedacht und die Firma Müller aufgefordert, darüber nachzudenken, ob man wirklich noch mit diesem Gabalier in Verbindung gebracht werden möchte. „Luigi, willst du wirklich Alfredo in deiner ‚Pizzeria‘ einstellen … er ist doch kein Sizilianer“ – so oder ähnlich muss es wohl im Hinterkopf der Krams dieser Welt klingen, wenn sie versuchen, jemandem ans Bein zu pinkeln, der sich als renitent erweist. Also hat er freundlich nachgefragt (Zitate aus dem Blogbeitrag):

„Ich habe beim Unternehmen nachgefragt. Ich wollte wissen, ob Müller-Milch vor dem Zustandekommen der Zusammenarbeit die Haltung Gabaliers zur Homosexualität (etwa die, dass öffentlich schmusende Männer die Antipathie gegen Homosexuelle beförderten oder die, dass ‚diese Sexualität nicht ganz so breit in der Öffentlichkeit ausgetreten‘ werden solle) bewusst gewesen ist. Ich wollte wissen, wie das Unternehmen zu solchen Aussagen steht und ob Gabaliers Befund von der ‚genderverseuchten Zeit‘ zum Image von Firma und Marke passt.“

Was mag Kram erwartet haben? Eigentlich egal, denn ob sich nun seine Anfrage als Erfolg erwiesen hätte, indem die Firma Müller das Engagement von Herrn Gabalier zumindest auf den Prüfstand gestellt hätte, oder sie sich nicht einsichtig gezeigt hätte: Leute wie er sind immer Gewinner, denn wenn sie verlieren, dokumentieren die anderen doch nur ihre Verbohrtheit. Schön ist allerdings, dass Kram die Antwort der Unternehmenssprecherin von Müller auf seinem Blog im Wortlaut – ob vollständig, kann ich nicht beurteilen – wiedergibt:

„Aus unserer Sicht ist neben der Gleichberechtigung die freie Meinungsäußerung eine der höchsten Errungenschaften der Demokratie. Insofern respektieren wir selbstverständlich auch Ihren Unmut.
Wir freuen uns sehr, Andreas Gabalier als Markenbotschafter gewonnen zu haben. Er passt hervorragend zu unserer Marke.
Aus unserer Sicht bewegen sich Herrn Gabaliers Äußerungen – soweit sie uns bekannt sind – nicht außerhalb des rechtlichen Rahmens.
Unsere Werbung soll Emotionen wecken und wird entsprechend subjektiv wahrgenommen.
Leider ist es uns nicht möglich, den Geschmack all unserer Konsumenten zu treffen, und wir bitten Sie deshalb um Ihr Verständnis.“

Besser kann man es nicht formulieren – ein diplomatisch verpacktes „Du kannst uns mit deiner Gender- und Blockwartsch… gepflegt den Buckel runter rutschen!“ Und eine Rückendeckung für den eigenen Werbepartner noch obendrein. Das Schönste aber – die Antwort macht deutlich, worauf es eigentlich ankommen sollte: Verstößt jemand gegen Gesetze? Nein? Wo ist dann das Problem? Ach, dir passt die Meinung nicht? Dann ist das dein Problem!

Natürlich kommt Kram nicht daran vorbei, diese letztlich unangreifbare Position der Firma Müller in seinem Sinne zu interpretieren, letztlich seinen kleinen intriganten Versuch der Einflussnahme zu rechtfertigen:

„Müller-Milch hat also, so viel darf man sagen, kein Problem mit der Homophobie ihres Werbestars, solange diese nicht gegen Gesetze verstößt. Ohne jede Relativierung stellen sie trotz der aufgezeigten diskriminierenden Ausfälle ihres Testimonials klar: ‚Er passt hervorragend zu unserer Marke.‘ Sie hätten auch sagen können: Das ist seine Privatmeinung, die hat mit unserer Kooperation nichts zu tun. Sagen sie aber nicht. Dazu passt, dass die Frage nach der Haltung des Unternehmens zu homophoben Aussagen unbeantwortet blieb. Müller-Milch möchte sich also nicht festlegen, ob sie Homophobie gut findet oder nicht.

Das ist zumindest gut zu wissen.“

Was erlauben Müller, hm? Sie geben nicht nur nicht klein bei, sie widersprechen auch noch. Und da das Weltbild des Johannes Kram nicht mehr zulässt, dass Andreas Gabalier möglicherweise gar nichts gegen Homosexuelle haben könnte, rückt die Antwort die Firma Müller natürlich auch in die Nähe der „Homophobie“. Das Weltbild steht, unzerbrechlich, und die Welt ist wieder schön schwarz-weiß eingeteilt.

Ich will nun niemanden dazu überreden, Produkte der Firma Müller zu kaufen, nur weil sie zu Andreas Gabalier stehen (ich selbst mache meine Produktauswahl davon jedenfalls nicht abhängig), aber vielleicht beweist das Beispiel der Reaktion von Müller, dass man auch nicht über jedes Stöckchen springen muss, das einem die Genderideologen so hinhalten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Papsttreuen Blog.


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