27. Juli 2015

Geld Das intelligenteste Sklavensystem, das es jemals gab!

Lektion eins

Artikelbild
Bildquelle: shutterstock Schuldknechtschaft: Der moderne Sklave

Eigentlich ist es eine ganz logische Konsequenz, und ich wundere mich, dass unsere Regierung auf diese grandiose Idee nicht schon viel früher gekommen ist.

So ist sie der Meinung, dass Schüler mehr Fachwissen in Sachen Geld bekommen sollen. Um dieses Ziel zu erreichen, werden „renommierte“ Einrichtungen in die Schulen geschickt. Unter diesen „renommierten“ Einrichtungen befinden sich dann unter anderem der Lobbyisten-Verband der deutschen Banken und die Commerzbank.

Trotz dieser grundsätzlich logischen Konsequenz benötigte ich doch einen Moment, bis mein Puls wieder auf ein normales Maß gesunken war.

Grundsätzlich ist es durchaus sinnvoll, gerade Kindern so früh wie möglich beizubringen, wie das Geldsystem funktioniert, was Zinsen sind und warum man keine fünfte Playstation im Jahr benötigt (und die am besten auch noch auf Kredit), sobald man alt genug dafür ist.

Wenn aber für diesen „Bildungsauftrag“ gerade die beiden Hauptverantwortlichen der immer wiederkehrenden Finanz-, Schulden- und Wirtschaftsdesaster in Stellung gebracht werden, ist dies, gelinde gesagt, pervers.

Seit gefühlten ewigen Zeiten passieren immer wieder die gleichen kapitalen Fehler, und anstatt endlich einmal das Übel an der Wurzel zu packen, das Falschgeldsystem zu eliminieren und somit dem finanziellen Sklaventum ein Ende zu setzen, ist es im Moment mal wieder total hip, „den Reichen“, den „Kapitalisten“, den „Unternehmern“ die Schuld in die Schuhe zu schieben und das Zinssystem im Ganzen zu verteufeln.

Was sollen die Abgesandten der Bankenwelt den Schülern erzählen? Wie es wirklich ist?

Dass die Staaten den Bankensektor missbraucht haben, um ihre verlogenen Versprechen vom ewigen Wohlstand aufrechtzuerhalten? Dass sie sich ihre Wählerschaft durch Wahlgeschenke kaufen mussten, dafür aber eigentlich kein Geld hatten, somit immer mehr Schulden machen mussten und dies nur im verbrecherischen „Funny-money-System“ möglich ist?

Dass die Banken sich gerne „missbrauchen“ ließen, weil sie von den Zinsen für das aus dem Nichts geschaffene Geld in exzessivem Reichtum leben konnten? Dass mit dem ganzen Hokuspokus sofort Schluss wäre, wenn es wieder Warengeld geben würde?

Was wollen sie den Schülern erzählen? Ich bin davon überzeugt, dass nichts davon bei den Zuhörern ankommen wird. Schon gar nicht, wenn der Auftraggeber der Staat ist.

Vielleicht wäre eine solche Unterrichtseinheit von Wert?

Lehrer: Was, liebe Schüler, versteht ihr unter einem Sklaven beziehungsweise der Sklaverei?

Schüler: Ein Sklave ist ein Mensch, der von anderen Menschen ausgebeutet wird. Sklaverei ist der Zustand, in dem Menschen als Eigentum anderer behandelt werden. Unter Sklaverei versteht man auch eine Freiheitsberaubung und Nötigung von Menschen.

Lehrer: Okay! Ich werde euch nun erzählen, wie unser modernes und seit vielen, vielen Jahren bestehendes Geldsystem funktioniert, und ihr entscheidet dann am Schluss, wie ihr diesen Zustand bezeichnen wollt. Meine Geschichte geht über mehrere Unterrichtseinheiten. Das ist wichtig, weil von den meisten Menschen nur ein Teil erzählt wird und sich dann Halbwahrheiten ergeben, die eure Sichtweisen verbiegen werden.

Das machen diese Menschen absichtlich, weil sie eigentlich nicht wollen, dass ihr genauere Hintergründe erfahrt. Wenn man nur Ausschnitte kennt, kann man leichter manipuliert werden, und das ist für viele sehr praktisch, weil ihr dann leichter zu steuern und zu kontrollieren seid.

Stellt euch bitte vor, der Staat benötigt Geld, viel Geld. Geld, das er nicht hat, weil die Steuereinnahmen nur einen Bruchteil der Einnahmen ausmachen, die der Staat benötigt. Nach Abzug aller Kosten und Ausgaben, die der Staat für seine Staats-Laufburschen, für „Subventionen“ und „sozialen Wohltaten“ benötigt, bleibt von den Steuereinnahmen nichts mehr übrig, im Gegenteil. Nun könnte er einen Teil der Laufburschen laufen lassen, weniger subventionieren und den Wohlfahrtsstaat verschlanken, aber das möchte er nicht. Er braucht treue Verbündete, sonst würde ja jeder merken, dass der Staat in großen Teilen überflüssig, sogar schädlich ist und mehr Probleme schafft, als er löst!

Also, der Staat braucht Geld, und da kommen die Banken ins Spiel.

Die Banken sind grundsätzlich eine nützliche Einrichtung, da sie als Kapitalgeber dafür Sorge tragen sollen, dass Wirtschaftsteilnehmer, die noch nicht ausreichend Geld ansparen konnten, aber dennoch sinnvolle Investitionen tätigen möchten, mit Kapital versorgt werden und somit am Wirtschaftsleben teilnehmen können. Grundsätzlich sollen Banken also Geld von anderen Menschen einsammeln, sorgfältig darauf aufpassen und es im Bedarfsfall an andere Menschen zum Zwecke der Investitionen verleihen.

Nach einer vereinbarten Aufbewahrungsfrist wird das Eigentum dann nach Rückzahlung des Ausleihers wieder an den Eigentümer zurückgezahlt. Für Geld, das der Eigentümer verleiht und somit nicht selber nutzen kann, bekommt er eine Wiedergutmachung, die nennt sich Zins. Dieser Zins ist ein gesunder Zins, weil er denjenigen entschädigt, der für einige Zeit auf sein Eigentum verzichtet; die Bank bekommt für die Zeit der Aufbewahrung eine Gebühr. Sollten die Einzahlungen nicht reichen, um die gewünschten Verleihungen vorzunehmen, können die Geschäftsbanken zudem bei der Zentralbank selbst um Kredite bitten, die nach einer gewissen Zeit zurückzuzahlen sind.

So weit, so gesund!

Nun ist auch der Staat ein Kunde der Bank, und um von dieser Geld zu bekommen, gibt er sogenannte Staatsanleihen heraus. Staatsanleihen sind bunt bedruckte Papiere, die dem Inhaber der Staatsanleihe versprechen, das geliehene Geld mit Zins zu einem bestimmten Zeitpunkt an den Geldgeber wieder zurückzuzahlen. Staatsanleihen gelten immer noch als sicher, weil die Menschen glauben, dass nur so viele Staatsanleihen ausgegeben werden, wie Sparer, also die Steuerzahler, beim Staat, also eigentlich bei sich selbst, ihr Geld investiert haben.

Staatsanleihen sind in ganz vielen Dingen vorhanden, zum Beispiel in Lebensversicherungen. Inhaber heißen übrigens auch „Gläubiger“ – sie heißen so, weil sie daran glauben, dass sie ihr Geld zurückbekommen.

Dass nur so viele Staatsanleihen ausgegeben werden können, wie vorher an Ersparnissen eingesammelt wurden, stimmt übrigens nicht. Der Staat kann so viele Staatsanleihen ausgeben wie es ihm beliebt, diese Staatsanleihen dann bei der Bank verpfänden und so an Geld über Kredite kommen. Staatsanleihen sind im Prinzip frisch gedrucktes Falschgeld, das im Markt umherfließt. Mit diesen Staatsanleihen kann der Staat sich also sehr viel Geld bei den Banken leihen, ohne vorher den Gegenwert bei den Investoren und Sparern eingesammelt zu haben.

Dieses Vorgehen – liebe Kinder – ist euch natürlich nicht gestattet.

Wenn ihr mehr verleiht, als ihr eigentlich zur Verfügung habt, ist dies Betrug, somit eine Straftat und wird hart bestraft. Also vergesst ganz schnell einen solchen Plan – das ist den Staaten und, wie ihr gleich sehen werdet, auch den Banken vorbehalten! Ja, das klingt verwirrend, das ist auch so gewollt. Wenn jeder dieses System nämlich sofort verstehen würde, wäre damit wohl bald Schluss.

Weil uns der Staat aber immer einredet, dass alles in Ordnung ist, und die Zeitungen und das Fernsehen das bestätigen, glauben wir das … auch eure Eltern.

Da der Staat dies über viele Jahre so gehandhabt hat und nie mit seinem verfügbaren Geld ausgekommen ist, hat sich der Schuldenberg ganz hoch aufgetürmt. Auf diesen Schuldenberg müssen Zinsen gezahlt werden, weil der Staat ja das Geld bei den Banken geliehen hat und es auch eigentlich zurückzahlen muss.

Warum das den Banken ganz recht ist, warum Falschgeld eben Falschgeld ist und warum auf einmal jeder, der spart, ein Depp ist – das, liebe Kinder, erzähle ich euch morgen!

Dieser Artikel erschien zuerst auf Freiraum.

Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Papiergeld

Mehr von Susanne Kablitz

Über Susanne Kablitz

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige