29. Juli 2015

Geld Das intelligenteste Sklavensystem, das es jemals gab!

Abschlusslektion: Wie man lernt, ein Depp zu sein

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Bildquelle: shutterstock Unrealistische Zeitpräferenz von 2.000 Jahren: Die Mär vom „Josephspfennig“

Lehrer: In der letzten Unterrichtsstunde habe ich euch erzählt, wie unser modernes Bankensystem funktioniert. Selbstverständlich habt ihr das euren Eltern weitererzählt, was auch sehr gut und richtig ist.

Viele eurer Eltern sind jedoch jetzt sehr wütend auf mich und wollen, dass mir gekündigt wird. Sie sagen, dass ich euch aufwiegeln würde und mich Verschwörungstheorien hingebe, die mit der Realität nichts zu tun haben. Sie sind der Meinung, dass der Staat eine gute Einrichtung ist und eine soziale Gerechtigkeit garantiert. Sie sind auch der Meinung, dass die Banken den Menschen im Prinzip oft schaden, aber das Geld bei den Banken trotzdem sicher sei.

Diese Sicherheit garantiere schließlich der Staat. Auf die Frage, wer denn der Staat sei, sagten sie mir, dies tue nichts zur Sache.

Die Banken würden auch gar kein ungedecktes Geld herausgeben. Ein Vater von euch hat seinen Bankberater danach gefragt, und der hat gesagt, dass er sich das nicht vorstellen kann. Das wäre ja unmoralisch und könne im Prinzip auch gar nicht so sein, weil man ja sein Geld auch immer wiederbekommen würde. Dafür gebe es ja schließlich die Einlagensicherung. Und Frau Merkel, unsere Bundeskanzlerin, sei sehr vertrauenswürdig und habe stets wiederholt, dass das Geld der Sparer sicher sei.

Das hat sie 2008 auch schon gemacht – zusammen mit Herrn Steinbrück, und so ist es ja dann auch eingehalten worden. Das Geld ist immer noch da, sogar noch sehr viel mehr als damals.

Meine Verunsicherung und Skepsis seien vollkommen überflüssig. Ich habe gefragt, wie sich eure Eltern denn erklären, dass jetzt so viel mehr Geld da sei als noch vor ein paar Jahren, und ob dies in ihren Augen vernünftig sei. Sie haben geantwortet, dass das selbstverständlich vernünftig und vor allem notwendig sei. Wenn die Welt nicht mit Geld zugestopft würde, dann würden wir untergehen.

Die Wirtschaft muss wachsen, das weiß ja nun wirklich jedes Kind. Und wie soll sie wachsen, wenn man sparen muss? Und dass es gute und schlechte Zinsen gibt, das sei alles kompletter Unsinn. Zinsen sind immer schlecht, Zinsen sind unmoralisch und im Islam vollkommen zu Recht verboten.

Ich habe erwidert, dass Zinsen nur dann schlecht sind, wenn sie auf nicht erwirtschaftetes und nicht gespartes Geld erhoben werden und somit dafür sorgen, dass die Zinslast dramatisch zunimmt (übrigens ist das mit dem Zinsverbot im Islam auch nicht ganz richtig).

Eure Eltern sagen mir, dass das nicht sein kann; in den Talkshows wird immer den Zinsen die Schuld gegeben, also muss das auch stimmen. Die „Josephspfennig-Geschichte“ kann ja nicht lügen. Ich gebe zu bedenken, dass die Geschichte nicht so realistisch ist, weil kein Mensch 2.000 Jahre lang spart.

„Egal“, sagen sie „wir verbieten Ihnen, dass Sie unsere Kinder in dieser Weise unterrichten. Wir möchten, dass unsere Kinder in dieser Welt gut zurechtkommen und angesehene Berufe ausüben. Wir möchten unseren Kindern Schwierigkeiten ersparen, wir möchten stolz auf sie sein können. Was sollen denn die Leute denken, wenn unsere Kinder den Staat kritisieren und das Geldsystem in Frage stellen? Das ist uns sehr unangenehm.

Wir wollen auch nicht, dass Sie unsere Kinder mit den im ersten und zweiten Teil gestellten Fragen belästigen. Wir wollen, dass Sie Ihren Bildungsauftrag ernst nehmen und unseren Kindern das beibringen, was im Lehrplan steht. Wir wollen, dass sie lernen, wie man den Müll trennt und wie man sich politisch korrekt verhält.

Wir wollen, dass sie verstehen, dass es gut ist, wenn alle Menschen möglichst gleich sind. Wir wollen, dass sie ihren Mitschülern auch noch das 17. Mal helfen, auch wenn sie sich selbst zu Tode langweilen und die Lust am Unterricht verlieren. Wir wollen, dass sie lernen, dass Eigenverantwortung unnötig und es sozial gerecht ist, wenn man anderen das Erarbeitete stiehlt. Wir wollen, dass sie wissen, dass ihnen dies zusteht und dass sie sich dafür nicht schämen brauchen.

Wir wollen, dass sie lernen, dass Einkommen über 500.000 Euro im Jahr grundsätzlich unmoralisch und widerwärtig sind. Wir wollen, dass sie begreifen, dass Leistung sich vor allem dann für sie lohnt, wenn andere sie erbringen. Wir wollen, dass sie dem Staat gehorchen und keine überflüssigen Fragen stellen. Wir wollen, dass sie gute und dienstbereite Bürger dieses Landes werden, die auch bei Steuerabgaben über 70 Prozent noch fröhlich sind und überzeugt, dass dies gerecht und richtig ist. Wir wollen, dass sie es in Ordnung finden, dass der Staatsapparat immer größer wird, denn schließlich wollen Politiker nur unser Bestes.

Wir wollen, dass sie den Euro mit Europa gleichsetzen, denn wenn sie dies nicht tun, merken sie, wie dumm sie sich verhalten. Wir wollen, dass sie nur noch mit dem Fahrrad fahren und Gemüse essen. Wir wollen, dass sie begreifen, dass Wirtschaft Teufelszeug ist und dass jeder, der Geld verdient, ein Verbrecher ist. Sie sollen lernen, dass sie nur so viel zu verdienen haben, dass unsere Politiker nach Abzug ihrer „Unkosten“ genug zum Umverteilen haben.

Sie sollen „verdammt nochmal“ begreifen, dass, wenn wir endlich alle gleich sind, Frieden auf der Welt herrscht.

Sie sollen verlernen, dass es wunderbar sein kann, wenn man besser ist als jemand anderes. Sie sollen verlernen, dass es bitter sein kann, wenn man jemand anderem unterliegt. Sie sollen verlernen, was Begeisterung, Kreativität und Einsatz sind. Sie sollen verlernen, dass Erfolg und auch Misserfolg Eigenverantwortung bedeuten. Sie sollen verlernen, dass es sich lohnt, für etwas zu kämpfen. Sie sollen verlernen, dass eine Niederlage zum Leben gehört.

Sie sollen verlernen, dass Fehlverhalten zu negativen Konsequenzen führen kann. Sie sollen verlernen, dass das Leben Höhen und Tiefen hat. Sie sollen verlernen, dass Diebstahl unmoralisch ist, wenn der Staat diesen an seinen Bürgern begeht. Sie sollen verlernen, dass man für seinen Lebensunterhalt selbst aufzukommen hat. Sie sollen verlernen, dass man sich nur auf die Hilfe der Gesellschaft verlassen sollte, wenn man sie wirklich braucht.

Sie sollen all das verlernen, was wir erfahren haben. Und sie sollen verlernen, dass es unnötig ist, sich gegenüber dem Staat und dem Schuldgeldsystem so zu versklaven, wie wir das getan haben und noch immer tun!

Und vor allem – sie sollen verlernen, wie es ist, ein Mensch zu sein!“

Lieber Lehrer, haben Sie uns verstanden?

Dieser Artikel erschien zuerst auf Freiraum.

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