02. Dezember 2015

Fernsehtalkshow Frauke Petry quasselt

Die AfD wird gefährlich für das Establishment

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Bildquelle: Steffen Prößdorf(CC BY-SA 3.0 DE)/Wikimedia Commons Dunja Hayali: Hart, aber unfair

Frauke Petry quasselt… zumindest ist dies in der gestrigen Online-Ausgabe der „Welt“ zu lesen. Und schon im ersten Satz wird die diffamierende Beschreibung des Redeflusses bei Frauen auch sogleich mit einem weiteren Wort: „niederquatschen“, unterstrichen. (Ein Ding der Unmöglichkeit übrigens, wenn es sich um eine andere Frau als Frauke Petry gehandelt hätte. Aber bei „Rechten“ zählen keine genderischen Gutmenschen-Gesetze.)

„Niedergequatscht“ hat die Gute auch den ehemaligen Parteichef der AfD, Bernd Lucke, der es daraufhin „nicht mehr ausgehalten“ hat.

Nun ist man vom Springer-Verlag ja einiges gewöhnt, aber die Zeilen, die der Schreiberling Thomas Schmoll hier an den Mann oder an die Frau bringt, sind so derart grotesk, wie es die derzeitige Journaille auch an anderen Stellen nicht besser vermag.

„AfD-Neusprech“ wollte sie in der Talkshow von „Hart aber fair“ unterbringen, so viel wie möglich, so schnell wie noch möglicher. Was bei Plasbergs sonstigen Gästen gar nicht gut ankam.

Dunja Hayali, das Aushängeschild des Morgenmagazins – Gutmenschin – ich bin ein immerwährender Quoten-Sonnenschein –, war (wie zu erwarten) selbstverständlich nicht nur „müde“ und „sprachlos“ (wobei man sich bei Frau Hayali beides unbedingt wünscht); nein, sie zeigte auf ihrem für meine Begriffe stets gleichen Betroffenheitsgesicht nicht nur „Kummer“, sondern auch „größtes Erstaunen“ und „Fassungslosigkeit“.

Das hat Frau Hayali mit Frau Roth von den Grünen gemein, und obwohl beide Damen den Redefluss nur schwer kontrollieren können, hat Frau Petry nun natürlich alle „niedergequasselt“. Das ist ja auch kein Wunder, denn selbst einen Bernd Lucke, den „Auf-dem-Bauch-Kriecher vor dem Super-Demagogen Michel Friedman“ soll sie verbal fertiggemacht haben.

Nun gut, die Männer sind in Vielzahl nun nach Jahrzehnten der weiblichen Sensibilitätseinflüsterungen auch nicht mehr das, was sie mal waren, aber dass man nun sogar Herrn Lucke in Schutz nimmt, ist schon beachtlich. Vor allem dann, wenn man bedenkt, dass Herr Lucke lange Zeit für die Hauptstrommedien gaaanz weit rechts war.

Nun überholt ihn die „plärrende“ Petry ganz locker bereits in der Aufwärmphase, und man wünscht sich, dass sie es gewesen wäre, die auf einen Herrn Friedman losgelassen worden wäre, sie hätte sich von diesem Schaumschläger nicht derart idiotisch in die Zange nehmen lassen. Zumindest zuzutrauen ist es ihr. Ein wahrlich gutes Zeichen. Auch wenn es natürlich einen Unterschied macht, ob eine Frau Petry „quasselt“ oder eine Frau Roth. Bei einer Frau Roth ist es die „emotionale Betroffenheit“, die durchaus ihren legitimen Anspruch hat, bei Frau Petry natürlich nur Rechtspopulismus. Selbstverständlich. Und alles, was auch nur ansatzweise nach rechts riechen könnte, muss sofort niedergebrüllt werden.

Nun sind die Brüller auf eine noch größere gestoßen – angeblich – und fallen vor Schreck glatt aus den Socken. Potzblitz. Wie konnte das nur passieren, wo doch den Bürgern – mit großem Erfolg – verbal eingeprügelt wird, bloß die Klappe zu halten?

So ist die Enttäuschung darüber, dass es „ja nicht so ist, dass Petry nichts zu sagen hat“ oder „(nur) Stuss redet“, aus jedem Buchstaben des Artikels förmlich greifbar. Auch dass sie „Dinge offen benennt, über die das Land dringend diskutieren muss“, scheint den Schreiberling zutiefst zu erschrecken. Das Oberhaupt der rechten Sauce in Deutschland hat „etwas zu sagen, was man brauchen kann“? So etwas. Das hätte man ihm gar nicht zugetraut. Ich stelle mir gerade vor, der Autor des Artikels hätte so etwas über die linken Gutmenschinnen gesagt. Aber nein, das brauche ich mir gar nicht vorzustellen; den Mut hätte er niemals aufgebracht.

Nun, die Runde soll wiederholt werden. Weil man so niedergequasselt wurde. So geht das nicht, Frau Petry! Andere „niederquasseln“ dürfen nur die Etablierten auf den heißen Stühlender Talkshows. Und dann heißt das auch nicht „niederquasseln“, sondern „durchargumentieren“.

Mal sehen, ob es zu einer weiteren Runde des lustigen Theaters kommen wird. Anzunehmen ist es. Frau Petry läuft sich bestimmt schon warm. Und Frau Hayali übt sich bis dahin noch mehr in Betroffenheit.

Eines wird aus dieser ganzen Verzweiflungsposse der etablierten Medien überaus klar. Die AfD wird gefährlich für das Establishment. Sie wird viel gefährlicher, als es unter Herrn Lucke jemals denkbar gewesen wäre. Denn sie spricht Dinge aus, die unter dem bis in den letzten Zipfel politisch korrekten Herrn Lucke undenkbar gewesen wären, die aber umso notwendiger sind, wenn wir uns nicht in eine gleichgeschaltete Gesellschaft verwandeln wollen.

Wenn sie jetzt noch das Geldsystem viel deutlicher artikuliert und den FDP-verseuchten Liberalismus in einen echten verwandelt; wenn sie Leute einbindet, die es mit der Freiheit ernst meinen, wenn sie Denkverboten und politischer Korrektheit keinen Raum lässt, dann kann man Frau Petry und Herrn Pretzell fast glauben, dass sie sich vom Mainstream nicht vereinnahmen lassen, selbst wenn sie das Tanzbein schwingen.

Dann – aber nur dann – ist nicht nur die FDP Geschichte.

Dieser Artikel erschien zuerst auf freiraum.


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