19. April 2016

Papst Franziskus in „Amoris Laetitia“ Gender ist eine Ideologie!

Gegenwehr ist angebracht

Artikelbild
Bildquelle: shutterstock Ziemlich abstrus: Gender-Ideologie

Gender ist eine Ideologie! Punkt … besser: Rufzeichen! Damit lässt sich in aller Kürze das wiedergeben, was Papst Franziskus in seinem nachsynodalen Schreiben „Amoris Laetitia“ zu dem Thema geschrieben hat. Eingebettet ist der betreffende Abschnitt 56 interessanterweise nicht bei den Fragen zur Sexualität, sondern in das zweite Kapitel mit der Überschrift „Die Wirklichkeit und die Herausforderungen der Familie“. Mancher meint, das ganze Dokument als pastorale Aufweichung kirchlicher Lehre lesen zu können, und auch wenn ich das generell anders sehe, wird der Papst an wenigen Stellen deutlicher als hier. Dabei schreibt der Papst folgendes: „Eine weitere Herausforderung ergibt sich aus verschiedenen Formen einer Ideologie, die gemeinhin Gender genannt wird und die ‚den Unterschied und die natürliche Aufeinander-Verwiesenheit von Mann und Frau leugnet. Sie stellt eine Gesellschaft ohne Geschlechterdifferenz in Aussicht und höhlt die anthropologische Grundlage der Familie aus. Diese Ideologie fördert Erziehungspläne und eine Ausrichtung der Gesetzgebung, die eine persönliche Identität und affektive Intimität fördern, die von der biologischen Verschiedenheit zwischen Mann und Frau radikal abgekoppelt sind. Die menschliche Identität wird einer individualistischen Wahlfreiheit ausgeliefert, die sich im Laufe der Zeit auch ändern kann.‘ Es ist beunruhigend, dass einige Ideologien dieser Art, die behaupten, gewissen und manchmal verständlichen Wünschen zu entsprechen, versuchen, sich als einzige Denkweise durchzusetzen und sogar die Erziehung der Kinder zu bestimmen. Man darf nicht ignorieren, dass ‚das biologische Geschlecht (sex) und die soziokulturelle Rolle des Geschlechts (gender) unterschieden, aber nicht getrennt werden‘ können. Andererseits hat ‚die biotechnologische Revolution im Bereich der menschlichen Zeugung die technische Möglichkeit geschaffen, den Akt der Zeugung zu manipulieren und ihn von der sexuellen Beziehung zwischen Mann und Frau unabhängig zu machen. Das menschliche Leben und die Elternschaft sind auf diese Weise zu etwas geworden, das zusammengefügt oder getrennt werden kann. Sie unterliegen nun vor allen Dingen den Wünschen des Einzelnen oder des Paares.‘ Verständnis zu haben für die menschliche Schwäche oder die Vielschichtigkeit des Lebens, ist etwas anderes, als Ideologien zu akzeptieren, die beabsichtigen, die in der Wirklichkeit untrennbaren Aspekte in zwei Teile auseinanderzunehmen. Verfallen wir nicht der Sünde, den Schöpfer ersetzen zu wollen! Wir sind Geschöpfe, wir sind nicht allmächtig. Die Schöpfung geht uns voraus und muss als Geschenk empfangen werden. Zugleich sind wir berufen, unser Menschsein zu behüten, und das bedeutet vor allem, es so zu akzeptieren und zu respektieren, wie es erschaffen worden ist.“ (Zitationen aus der Relatio finalis.)

Mit seinen Aussagen, unterlegt mit Zitaten aus der Relatio finalis der Familiensynode, verdeutlicht der Papst, dass er im Gegensatz zu vielen anderen, die die Einschätzung des Gender Mainstreamings zu relativieren versuchen, sehr wohl erkannt hat, worum es geht: das Aufbrechen der Geschlechter mit dem Ziel, die Gesellschaft nicht auf einen gesunden Individualismus, sondern auf eine Vereinzelung zu gründen. Das alles hat nichts mit der immer wieder gerne zitierten Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau zu tun, auf die „Gender“ oft euphemistisch reduziert wird.

Wie richtig festgestellt wird, handelt es sich beim Gender Mainstreaming auch nicht nur um eine Theorie oder eine Meinung, der man konstruktiv entgegentreten könnte. Der Ansatz, dem gerade über die Sexualerziehung zum Erfolg verholfen werden soll, ist, „Gender“ als „einzige Denkweise durchzusetzen“. Mir ist bislang auch noch niemand untergekommen, der diesen Ansatz in Abrede gestellt hätte, der für mich den Kern einer Ideologie ausmacht. Es geht nicht um Überzeugung, nicht um Werbung für eine Idee, sondern um deren zwangsweise Durchsetzung, begleitet neben Sprachpanschereien wie dem Binnen-I und ähnlichem genau durch die Indoktrination der Kinder.

Ideologien schaffen auf diese Art und Weise unwidersprochene „Realitäten“: Wenn ein Großteil der Menschen mal von der Minderwertigkeit einer anderen Menschengruppe – sei es eine Religion oder eine Rasse – überzeugt ist, dann wird Widerspruch und Argumentation verunmöglicht. Wenn nun ein Großteil der Kinder tatsächlich gegen alle wissenschaftliche Vernunft einmal glauben sollte, dass das biologische und das kulturelle Geschlecht einfach zu trennen, letzteres täglich selbst frei zu wählen wäre, dann wäre der Erfolg auch dieser Ideologie gesichert. Man kann sich an dieser Stelle darüber Gedanken machen, ob die Ideologie des Rassismus moralisch verwerflicher ist als die Ideologie des Gender Mainstreamings. Ideologien sind es jedenfalls beide.

Mit dieser Gender-Ideologie sind nun die Familien zwischenzeitlich weithin konfrontiert, teilweise ohne es zu ahnen: Eine Ideologie, die etwas auf sich hält, kommt ja nicht als solche daher. Darum stellt diese Entwicklung eine besondere Herausforderung für Familien dar, deren Grundlagen und deren Kompetenzen zur Erziehung gerade in Fragen der Geschlechtlichkeit in Frage gestellt werden.

An zwei wesentlichen weiteren Stellen wird der Papst in dieser Hinsicht noch einmal deutlich. In der Nummer 84 unter dem Untertitel „Die Weitergabe des Lebens und die Erziehung der Kinder“ im dritten Kapitel „Auf Jesus schauen – die Berufung der Familie“ heißt es dort: „Doch scheint es mir sehr wichtig, daran zu erinnern, dass die ganzheitliche Erziehung der Kinder eine ‚sehr strenge Pflicht‘ und zugleich das ‚erstrangige Recht‘ der Eltern ist. Es ist nicht nur eine Bürde oder eine Last, sondern auch ein wesentliches und unersetzliches Recht, das zu verteidigen sie aufgerufen sind; und niemand darf den Anspruch erheben, es ihnen zu nehmen. Der Staat bietet subsidiär einen Bildungsdienst an, der die nicht delegierbare Funktion der Eltern begleitet. Die Schule ersetzt die Eltern nicht, sondern ergänzt sie. Dies ist ein Grundprinzip: ‚Jeder andere Mitwirkende am Erziehungsprozess kann nur im Namen der Eltern, aufgrund ihrer Zustimmung und in einem gewissen Maße sogar in ihrem Auftrag tätig werden.‘ Doch ‚hat sich eine Kluft zwischen Familie und Gesellschaft, zwischen Familie und Schule aufgetan, ist der Erziehungspakt heute zerbrochen; und so ist die Erziehungsallianz zwischen Gesellschaft und Familie in eine Krise geraten.‘“

An dieser Stelle kommt in der Tat die Frage der Anmaßung eines Staates hoch, der meint, die Erziehung der Kinder besser leisten zu können als die Eltern. Natürlich wird die Erziehung der Kinder unter den bekannten Rahmenbedingungen nicht leichter, und es ist gut, wenn Eltern ein reichhaltiges Angebot an Unterstützung bekommen. Ein Erziehungsziel vorzugeben und die Erziehung der Kinder in wesentlichen Teilen aus den Händen der Eltern fernzuhalten, ist aber das Wesen der Ideologie. Wie es in einem englischen Sprichwort heißt: „The hand on the cradle is the hand that rules the world.“ – Die Hand an der Wiege ist die Hand, die die Welt regiert!

Im späteren siebten Kapitel „Die Erziehung der Kinder stärken“ geht der Papst noch einmal auf die Erziehung der Kinder ein, thematisiert Problemlagen und Zielsetzungen der Erziehung. In der Nummer 260 heißt es dort: „Die Familie darf nicht aufhören, ein Ort des Schutzes, der Begleitung, der Führung zu sein, auch wenn sie ihre Methoden neu erfinden und neue Mittel heranziehen muss. Man musssich überlegen, welchen Dingen man seine Kinder aussetzen will. Darum ist es unumgänglich, sich zu fragen, wer sich darum kümmert, ihnen Spaß und Unterhaltung zu verschaffen, wer über die Bildschirme in ihre Wohnungen eindringt, welcher Führung man die Kinder in ihrer Freizeit überlässt.“

Hier wird neben der Berechtigung der Eltern zur Erziehung und der eigentlichen Verpflichtung des Staates, sich aus dieser Erziehung weitestgehend rauszuhalten, auch die Verpflichtung der Eltern deutlich. Wer seine Kinder sich selbst überlässt, sich nicht darum kümmert, wer mit ihnen Zeit verbringt, und was beispielsweise in der Schule an „Erziehung“ geleistet wird, der wird seiner Rolle als Eltern nicht gerecht. Das heißt nicht, dass nicht im Einzelfall nachvollziehbar ist, wie solche Situationen entstehen. Deutlich werden muss aber, dass sie nicht den Idealfall der Familie darstellen, sondern den bereits ideologisch beeinflussten.

Gendertheorien sind wissenschaftlicher Humbug. Gender widerspricht wesentlich christlichen Glaubenslehren. Gender macht sich trotzdem – teilweise unmerklich – in unserem Leben breit! Gender-Vertreter versuchen, maßgeblichen Einfluss auf die Kinder zu nehmen, und werden dabei sogar vom Staat unterstützt. Noch einmal: Gender ist eine Ideologie! Gegenwehr gegen Gender ist Notwehr des Menschen!

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Papsttreuen Blog.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Gender Mainstreaming

Mehr von Felix Honekamp

Über Felix Honekamp

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige