13. Juni 2016

Kampfbegriffe Keine Angst vor der Rassismus-Keule!

Ablenkung von der Gewalt gegen alle?

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Bildquelle: shutterstock Tägliche Informationsflut: Diskriminierung ist nötig

 „Rassismus“ ist ein Kampfbegriff, der typischerweise gegen jeden verwendet wird, der mögliche negativ wertende Konnotationen mit äußerlichen Gruppenmerkmalen aufstellt oder auch nur nicht von vornherein ausschließt. Man täte gut daran, sich hier wie in allen Bereichen von Herrn Adolf Hitler das Denken nicht verbieten zu lassen und also dieses belastete Wort „Rasse“ oder eben ein anderes wie „Ethnie“ nicht wegen seines allerdings vielfach brutalen Missbrauchs zu tabuisieren; sonst verliert man mit dem Wort auch den Begriff, steht dem Phänomen der Herausbildung verschiedener Erscheinungstypen intellektuell hilflos gegenüber und wird zu abenteuerlichen Konstrukten der „eigentlichen“ Gleichheit gezwungen. Ob Japaner und Südamerikaner nun „Rassen“, „Subspezies“, „Ethnien“ oder sonstwie heißen sollten und welchem Verwandtschaftsverhältnis sie etwa vergleichsweise zu Granny Smith und Golden Delicious entsprechen, muss uns die Biologie sagen; dass sie dagegen neben fundamentaler Gleichheit typischerweise und also im Durchschnitt auch unterscheidende Eigenschaften zeigen und zum Beispiel in der Regel weniger oft Goldmedaillen im Marathon und 100-Meter-Lauf gewinnen als Äthiopier und Kenianer, und dass, wiederum im Durchschnitt, Norweger weniger elegant tanzen mögen als Schwarzafrikaner, ist übereinstimmender Erfahrungsinhalt nicht aller, aber doch vieler Menschen.

Solche Unterschiede, die ausschließlich einen Trend, einen Durchschnitt gemäß vorliegender Erfahrung vorläufig benennen, und die den elegant tanzenden Norweger sowenig leugnen wie den schwarzafrikanischen Mathematiker, solche Unterschiede zu thematisieren, heißt heute Rassismus. In diesem Sinne aber, nämlich als Bezeichnung für den, der eine mehr oder weniger wissenschaftlich gesicherte, jedenfalls empirisch gestützte Trendabschätzung zur Orientierung vor weiterer faktenbasierter Beurteilung des Einzelfalles benutzt, ist jeder vernünftige Mensch Rassist. Dass man unter vielen anderen Attributen und überschneidenden Gruppenzugehörigkeiten auch die Zugehörigkeit einer Person zu dieser oder jener Volksgruppe mit einbezieht, wenn man diesem oder jenem dieses oder jenes Verhalten eher zutraut oder eher nicht, ist bei der täglichen Begegnung mit vielen Menschen auf persönlicher Ebene, im anonymen Strom der Passanten, bei Darstellungen im Fernsehen oder auf Youtube und in schriftlich gedruckter oder geposteter Form nachgerade ein unverzichtbares Hilfsmittel zur Selektion der Überfülle von Objekten, die unsere Aufmerksamkeit anziehen. Obwohl es durchaus sein kann, dass dieser sehr viel mehr weiß, wird der durchschnittliche Muslim auf der Suche nach Orientierung im Tagesgeschehen weit eher auf seinesgleichen hören wollen als auf den Juden mit Schläfenlocken.

Es liegt nichts Falsches darin, ihn aufzufordern, auch mal eine andere Stimme anzuhören, aber ihn deshalb als Rassisten zu bezeichnen, ist zumindest niveaulos. Zutreffend wird der Vorwurf des Rassismus dann und nur dann, wenn die Beachtung für die Zugehörigkeit eines Menschen zu einer Rasse oder Ethnie oder Volksgruppe oder Sprachgemeinschaft oder einer Religion oder einer Partei oder was weiß ich was für einer Gruppe die Wahrnehmung seiner individuellen Eigenschaften hindert oder gar verbietet; dies wäre ein dummer Rassismus, und mit Dummheit schadet man sich selbst bekanntlich am meisten. Wenn etwa das Nobelpreiskomitee vorsätzlich bestimmte Volksgruppen von naturwissenschaftlichen Preisen ausschlösse, würde es nur die Fraglosigkeit der eigenen Reputation riskieren, sonst aber keinem schaden. Kriminell wird Rassismus aber genau und erst dann, wenn man aufgrund eines Merkmals der Gruppenzugehörigkeit Gewalt ausübt oder unmittelbar androht.

Das ist die einzige Form von Rassismus, die unsere Verachtung verdient: die vorgebliche Legitimation von Gewalt aufgrund einer Gruppenzugehörigkeit des potentiellen Opfers. Liegt hier vielleicht der Grund, warum die Rassismus-Keule so sehr an Bedeutung gewonnen hat? Will man von der allgegenwärtigen Gewalt von Politik und Staat gegenüber allen Rassen und Gruppen gleichermaßen ablenken? Staatsgewalt gegen alle Leistungsträger in Form von Steuern und Auflagen und Handelsbeschränkungen und Marktzugangssperren und Antragsfluten und Geldentwertungen und Verweigerung eines ausreichend schnellen und bezahlbaren und neutralen Rechtsweges, Staatsgewalt gegen alle in Form von Entwaffnung der potentiellen und tatsächlichen Opfer, versuchte Indoktrinierung über Staatsmedien und Staats-Justiz, Kidnapping von Kindern für das schulische Indoktrinierungswesen, Beschränkung des Marktzugangs für Anbieter nachgefragter Leistungen und, und, und: Gewalt ist das erste Problem, die Selektion der Opfer erst das zweite. Beharrliche Vorurteile ohne Gewalt gehen keinen etwas an, und flüchtige Vorurteile gehören zur alltäglichen Lebensbewältigung.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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