24. Juli 2016

Die Amadeu Antonio Stiftung und ihre Vernetzung Ein Spinnennetz legt sich über das Land

Der Kreis schließt sich

Artikelbild
Bildquelle: Wikimedia Commons Schillernd und gefährlich: Spinnennetz

Für die Amadeu Antonio Stiftung kommt es derzeit „ganz dicke“. Vor wenigen Tagen brachte das ZDF im Rahmen der Sendung „hallo deutschland“ einen etwas launigen, wenngleich harmlosen Beitrag über die Stiftung und ihre Kampagnen, und nur einen Tag nach dem Beitrag über Familie Kahane und die Stiftung auf der Achse des Guten veröffentlicht auch die „FAZ“ einen äußerst kritischen Beitrag über die Stiftung. Und auch die alternativen Medien sind voll der Kritik an Frau Kahane und der Stiftung. So viel Gegenwind mag die Stiftung gar nicht. Gegen den ZDF-Beitrag intervenierte sie daher mit einer Beschwerde an den ZDF-Fernsehrat mit dem Ziel, den Beitrag löschen zu lassen.

Unterstützung durch Medien, Abgeordnete und Regierung

Mediale Unterstützung erfährt die Stiftung bei ihrer Beschwerde von der Wochenzeitung „Die Zeit“, die dazu titelte: „ZDF macht Kampf gegen Hasskommentare lächerlich“ und schrieb – geradezu Mitleid erheischend –, dass sich die Stiftung „schwer getroffen fühle“. Stolz berichtet die „Zeit“, dass ihr diese Beschwerde des Stiftungsratsvorsitzenden an den Fernsehrat vorliege, vergisst dabei aber zu erwähnen, dass im Stiftungsrat die „Zeit“-Journalistin Andrea Böhm sitzt. Ebenfalls im Stiftungsrat sitzt Petra Lidschreiber, früher RBB-Chefredakteurin, jetzt RBB-Redaktionsleiterin Mittel- und Osteuropa. Gibt es Kritik an der Stiftung und an der Stasi-Vergangenheit von Frau Kahane, ergreift der RBB schon mal gerne Partei, so zum Beispiel im April dieses Jahres mit einem Beitrag unter der Überschrift „Amadeu-Antonio-Stiftung sieht sich Kampagne ausgesetzt“ – natürlich auch ohne Angabe der personellen Verflochtenheit.

Damit aber nicht genug der Unterstützung. Schirmherr der Stiftung ist Wolfgang Thierse (SPD), Unterstützer sind unter anderen Rita Süssmuth (CDU) und Cem Özdemir (Grüne). Für einzelne Projekte übernimmt auch schon mal Bundeskanzlerin Angela Merkel höchstpersönlich die Schirmherrschaft, die sich ebensowenig wie Thierse an der Stasi-Vergangenheit der Stiftungsvorsitzenden Kahane stört, so zum Beispiel bei dem Youtube-Schülerwettbewerb „361 Grad Toleranz“.

Unterstützung durch Wirtschaft und Vernetzung bis ins höchste Gericht

Auch aus dem Bereich Wirtschaft wird die Stiftung unterstützt, zum Beispiel von SAP und Generali Zukunftsfonds. Sogar die New Yorker Ford Foundation ist mit dabei. Daneben erfährt die Amadeu Antonio Stiftung erhebliche finanzielle Unterstützung auch von der Freudenberg Stiftung, einer Unternehmensstiftung, mit der überdies eine enge Zusammenarbeit besteht. Geschäftsführerin der Freudenberg Stiftung ist Pia Gerber, die – wen wundert‘s – stellvertretende Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung ist. Mit Christian Petry sitzt dazu noch ein Kuratoriumsmitglied der Freudenberg Stiftung im Stiftungsrat der Amadeu Antonio Stiftung.

Die Freudenberg Stiftung wiederum ist zusammen mit unter anderen der Volkswagen-, Bertelsmann- und Vodafone-Stiftung eine von sieben Unternehmensstiftungen, die den „Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration“ finanzieren. Vorsitzende der Findungskommission bei der Gründung des Sachverständigenrates war die Unterstützerin der Amadeu Antonio Stiftung Rita Süssmuth. Vorsitzende des Sachverständigenrats war bis vor wenigen Tagen Christine Langenfeld, sie wurde am 08. Juli 2016 als Richterin an das Bundesverfassungsgericht berufen.

Damit schließt sich dann der Kreis von der ersten (Abgeordnete), zweiten (Regierung) und vierten Gewalt (Medien) über die Wirtschaft zur dritten Gewalt (Gerichte). Alle vereint im Kampf gegen Andersdenkende – miteinander und untereinander vernetzt. Wie ein Spinnennetz, das sich über das ganze Land gelegt hat. Und mittenmang die Amadeu Antonio Stiftung.

„Hat nichts mit dem Islam zu tun“ – nicht völlig richtig und nicht völlig falsch!? Neue deutsche Logik

Der sogenannte „Sachverständigenrat für Integration und Migration“ gibt regelmäßig Jahresgutachten zum Stand der Integration in Deutschland heraus, zuletzt 2016. Die Pressemitteilung dazu ist überschrieben mit: „Alle Rechte für alle. Die deutsche Politik der Religionsförderung hat sich bewährt“ . Zeigt schon der Titel der Pressemitteilung, wohin die Richtung geht, enthält das Gutachten überraschenderweise aber auch kritische Anmerkungen. Auf Seite 16 heißt es unter der Überschrift „Religion und Terror: kein monokausaler Zusammenhang“ wörtlich: „Die politisch korrekte Empörung, dass der heutige Terror ‚nichts mit dem Islam‘ zu tun habe, ist also nicht völlig falsch, aber auch nicht vollkommen richtig.“

Immerhin wird also eingestanden, dass Terror „etwas“ mit Islam zu tun hat; dass es einen monokausalen Zusammenhang gibt, behauptet wohl auch niemand ernsthaft. Dennoch ist es mit der Logik im Gutachten nicht sonderlich weit her. Denn wenn laut Gutachten der Terror etwas mit dem Islam zu tun hat, dann ist die Aussage „hat nichts mit dem Islam zu tun“, nicht nur teilweise falsch, sondern völlig falsch. Denn „nichts“ bedeutet nun einmal nichts und nicht etwas. Doch Schwierigkeiten mit logischem Denken scheinen karrierefördernd zu sein, wenn man an die Vorsitzende des Sachverständigenrats und Neu-Verfassungsrichterin Langenfeld denkt.

Mit Nonsens auf Kosten redlicher Bürger gutes Geld verdienen und Karriere machen

Promoviert hatte die auf Vorschlag der CDU (!) berufene Langenfeld übrigens zum Thema Geschlechtergerechtigkeit, das auch ein Schwerpunkt ihrer bisherigen Tätigkeit war. Das passt ganz gut, trifft sie doch am Bundesverfassungsgericht auf die Verfassungsrichterin Susanne Baer, die zugleich an der Berliner Humboldt-Universität Professorin für Geschlechterstudien (Gender Studies) ist. Damit sind es dann schon – mindestens – zwei Richter am höchsten deutschen Gericht, die es geschafft haben, mit Nonsens sehr viel Geld zu verdienen und in höchste Ämter zu gelangen, ohne sich in der freien Wirtschaft oder wenigstens im öffentlichen Dienst mit einer sinnvollen Tätigkeit bewährt zu haben.

Nur zum Vergleich: Langenfelds Vorgänger im Richteramt hatte vor der Juristerei Bäcker gelernt. Demnächst wird wohl noch ein weiterer Richter von der Art Langenfeld oder Baer hinzukommen, denn die Grünen beanspruchen das Vorschlagsrecht für sich. Aber vielleicht ist es ja auch eine „Leistung“, viele ehrlich arbeitende Menschen dazu zu bringen, sich die eigenen Sperenzien bezahlen zu lassen, und das weit über Hartz-IV-Niveau.

Und beim Thema Gender ist man dann auch wieder bei der Amadeu Antonio Stiftung. Die hat selbst eine sogenannte „Fachstelle Gender und Rechtsextremismus“ geschaffen, gefördert natürlich mit Zuschüssen des Bundesfamilienministeriums und der Freudenberg Stiftung. Klingt fast so wie die „Fachgesellschaft für Gender“, ein als gemeinnützig anerkannter Verein, der über seine Finanzen schweigt und deren Vorstandsmitglied die Verfassungsrichterin Baer bis 2014 war. Ansässig sind der Verein und die Amadeu Antonio Stiftung wie die Regierung in Berlin – dem Zentrum des Spinnennetzes.

Nachtrag

Die Vernetzung aller mit allen zeigt sich exemplarisch an den beiden Verfassungsrichterinnen Baer und Langenfeld. Am 16. Juli 2014 haben beide eine gemeinsame Veranstaltung an der Universität Göttingen im Auftrag des Gleichstellungsteams der juristischen Fakultät zum Thema „Jenseits der gläsernen Decke. Der Weg von Frauen in Spitzenpostionen“ abgehalten. 

Frau Langenfeld war überdies Teilnehmerin am Integrationsgipfel der Bundesregierung 2015. Mit dabei war unter anderem auch die Geschäftsführerin des Vereins Neue Deutsche Medienmacher Vassiliuou-Enz. Dieser Verein ist eine Interessenvertretung für Journalisten mit Migrationshintergrund. Er wurde vom Bundesfamilienministerium beauftragt, die Europarat-Kampagne „No hate speech“ in Deutschland zu koordinieren und voranzutreiben. In Erfüllung dieser Aufgabe hat der Verein quasi als „Neue Deutsche Sprachpolizei“ eine Broschüre mit dem Titel „Formulierungshilfen für die Berichterstattung im Einwanderungsland“ herausgegeben, in der erklärt wird, was man sagen darf und was nicht. Inhaltlich beigetragen zu dieser Broschüre hat unter anderem Anetta Kahane, Partner des Vereins sind neben dem Bundesfamilienministerium und anderen Bundesorganisationen auch die Freudenberg-Stiftung und – wie sollte es auch anders sein – die Amadeu Antonio Stiftung, die die Broschüre auch mitfinanziert hat. 

Dieser Artikel erschien (noch ohne Nachtrag) zuerst auf der Achse des Guten.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Staatswirtschaft

Mehr von Ansgar Neuhof

Autor

Ansgar Neuhof

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige