28. Juli 2016

„Lehrer-Online“ Das Grauen hat eine Website

Ein ausgekochter Fond für Meinungen in Schülerköpfen

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Bildquelle: shutterstock Dank dem Lehrer: Oldschool

Was könnte einen älteren Mann ohne Migrationshintergrund nach elf Jahren Merkelei noch schrecken, ihm Nachtmahre bereiten? Zum Beispiel dies: Der Mann träumt die Horrorvision, er wäre – hier und heute – etwa 30 Jahre jünger. Hätte zwei oder drei Kinder im schulpflichtigen Alter, unglücklicherweise aber keine finanziellen Mittel, die Kids auf Privatschulen zu schicken. Sie wären daher der Willkür staatlicher Indoktrinationskolonnen, auch Lehrerschaft genannt, wehrlos ausgeliefert.

An jedem zweiten Schultag würden seine Rangen mit Katastrophenszenarien über die menschengemachte globale Erwärmung und die sich scheunentorweit öffnende Schere zwischen Arm und Reich beackert. Zugleich würde den Kindern unablässig die Leier von den Segnungen der erneuerbaren Energien geschlagen. Ihnen würde außerdem eingetrichtert, Deutschland sei vor dem demographischen Kollaps nur durch eine Anti-Aging-Kur zu bewahren, die in Gestalt zweibeiniger Geschenke von südwärts über die Landesgrenzen rollt.

Schweißgebadet aufgewacht, würde dem älteren Mitbürger wohl dämmern, wo die Quelle seines Alps lag. Er war am Abend zuvor auf das Internetportal „Lehrer-Online“ gestoßen. Und das ist sehr real! Aus einem „gemeinnützigen Verein mit gesellschaftlichem Bildungsauftrag“ (und anfangs staatlicher Förderung) entstanden, unterstützt es „Lehrer, Referendare und Lehramtsstudierende mit einem in allen Teilen kostenfrei nutzbaren Internet-Service rund um den schulischen Einsatz neuer Medien“ („Wikipedia“).

Damit die Richtung schon mal klar ist, liebe Jungs und Deerns

Wie die wackeren Bildungsoptimierer ihre Mission verstehen, lässt sich unschwer einordnen: Ihr „Unterrichtsmaterial Flüchtlinge“ für die Sekundarstufe I wird flankiert von einem Foto, auf dem ein junger Mensch, der vor einer schwarz-rot-goldenen Flagge steht, freudig die rechte Hand ausstreckt. In der linken hält er ein Pappschild mit der Aufschrift „Refugees Welcome“. Damit die Richtung schon mal klar ist, liebe Jungs und Deerns!

Das angebotene Arbeitsmaterial unter dem Titel „Flüchtlinge – und wie Deutschland mit ihnen umgeht“ spielt eine Melodie, die in erheblichen Teilen der privaten Medien – und fast durchweg im öffentlich-rechtlichen Sendebetrieb – gedudelt wird. Pauschal werden alle, die nach Deutschland einströmen, zu „Flüchtlingen“ ernannt, die der deutsche Staat aufzunehmen und zu versorgen habe. Dass es sich bei der Mehrzahl der Zugereisten gar nicht um Flüchtlinge handelt, jedenfalls nicht um Kriegsflüchtlinge, wird gnädig unterschlagen.

Es wird auch keine Diskussion darüber zugelassen, ob und inwieweit Menschen, die es aus wirtschaftlichen Gründen nach Germoney zieht, hier unter gewissen Umständen benötigt oder gar willkommen sein könnten oder eben nicht. Heißt, Schüler werden von vorneherein auf ein Gleis gesetzt, das schnurstracks zu dem von ihren Lehrern anvisierten Kopfbahnhof führt. Sämtliche Bekundungen des Lehrer-Portals, Schüler sollten lernen, sich „kritisch mit dem Thema Flüchtlinge auseinanderzusetzen“ und „Gesehenes kritisch zu hinterfragen“, sind ein Witz.

Was sich auch in der Liste der „Zusatzinformationen“ spiegelt, die „Lehrer-Online“ als Lehrstoff zum Migrationsthema anbietet. Das sind: erstens ein TV-Beitrag mit dem Titel „Flüchtlinge – wie Deutschland mit ihnen umgeht“ vom Herbst 2015 zur „Flüchtlingsfrage“, gedreht vom ARD-Tendenzmagazin „Panorama“, anmoderiert von Anja Reschke. Der 45-Minuten-Film verbreitet schon zu Beginn die „Panorama“-gerechte Holzhammerbotschaft: „Das hässliche Gesicht des Rassismus und rechter Gewalt kommt wieder zum Vorschein.“ Der Schienbeintritt, wer sich gegen massenhafte, unkontrollierte Einwanderung stelle, trage ein geistiges Hitlerbärtchen, gehört zu den Evergreens linker Demagogie. Zweitens die Website des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Das BAMF ist für seine oft viel zu niedrigen Prognosen über Migrantenströme berüchtigt. Manche halten die Fehleinschätzungen für vorsätzliche, politisch verordnete Kleinrednerei, um der Bevölkerung beunruhigende Fakten nur häppchenweise zuzuführen. Kann auch behördliche Unfähigkeit sein. Schülern aber ausgerechnet dieses Amt als belastbare Quelle zu empfehlen, scheint, sagen wir mal, verwegen. Drittens Amnesty international. Folgt man den politischen Ländereinschätzungen von AA, so hätten neun Zehntel der Weltbevölkerung das Recht, beim verbliebenen Zehntel eine neue Heimstätte zu beantragen. Viertens Pro Asyl. Eine Macht-hoch-die-Tür-Organisation ohne Wenn und Aber, eng mit der Asyl-Industrie verbandelt.

Dergestalt sieht also „qualitativ hochwertiges, pädagogisch geprüftes Unterrichtsmaterial“ aus. Ein ausgekochter Fond für Meinungen in Schülerköpfen, die sich die überwiegend rot-grün grundierte Lehrerschaft sehnlichst wünscht. Kaum verwunderlich, dass die Lütten nicht mit einer einzigen Stimme bekannt gemacht werden, die den aktuellen Masseneinstrom nach Europa kritisch kommentiert.

Pauken von Argumenten für affirmative Scheinfragen

Wie der ideologische Hase hoppelt, wird am Unterrichtsmaterial zum Thema „Regenerative Energiegewinnung und Nachhaltigkeit“ noch deutlicher. Darin erfahren Schüler der Sekundarstufe II so gut wie nichts über grundsätzliche Kritik an der erratischen Stromgewinnung aus Wind und Sonne. Das Veto von Energieexperten, die nicht (oder nicht mehr) auf der Payroll von Bundesbehörden stehen und auch noch nie einträgliche Gefälligkeitsgutachten für die Wind- und Solarlobby geliefert haben, wird überhaupt nicht abgebildet. Die zig Milliarden teure Zappelstromerzeugung scheint im Lehrmaterial folgerichtig als alternativlos auf, von jedermensch akzeptiert.

Nicht einmal der Lügenklassiker der EEG-Profiteure, von Medien seit Dezennien nachgeplappert („Dieser Wind/Solarpark kann eine Kleinstadt von 7.000 Einwohnern versorgen“) wird hinterfragt – Kunststück, er würde sonst alsbald zerbröseln.

Stattdessen dreht sich alles um das Pauken von Argumenten für die affirmative Scheinfrage: „Warum brauchen wir alternative Energiequellen?“ Ferner um „zukunftsweisende Technologien“ und die Möglichkeiten für Privatleute, enorme Geldsummen in Haus und Wohnung zu versenken. Zwecks Erreichung einer „Energieeffizienz“, die bekanntlich schnell mal flächendeckend Schimmel in die Hütte trägt oder bei einem Feuerchen als hocheffizienter Brandbeschleuniger wirkt („Wärmedämmung“).

Dass die Einsparungen an Energiekosten, die man mit minimal 30.000 Euro Investition für ein „smartes E-Haus“ erreicht, sich in 20 Jahren noch nicht amortisiert haben werden, pfeift mittlerweile jede smarte User-Community aus dem Internet.

Die gesamte Unterrichtseinheit wirkt, als sei sie im Bundesumweltministerium ersonnen worden. Oder direkt in den PR-Abteilungen des ökologisch-industriellen Komplexes. Dort also, wo man mit Windparks und Solarfeldern, mit dem Stromverteuerungshandel sowie mit der Produktion und Installation von störungsanfälligem Hi-Tech-Müll fürs Haus (Lichtsteuerungen, Präsenz- und Bewegungsmelder und so weiter) goldene Nasen en gros verdient. Die „vermittelten Kompetenzen“ („Lehrer-Online“) sehen wie folgt aus: „Die Schülerinnen und Schüler kennen Gründe und Möglichkeiten, Energie zu sparen. Wissen, was ein Energieausweis ist und was darin dokumentiert wird. Definieren die Begriffe E-Haus und intelligente Gebäudetechnik und können dabei eine Verbindung zum Thema Energieeffizienz herstellen. Kennen die wichtigsten erneuerbaren Energieträger. Können mit eigenen Worten grundlegend die Energiegewinnung aus Wind- und Sonnenkraftwerken beschreiben. Setzen sich anhand von Graphiken mit der Entwicklung der weltweiten Energieversorgung sowie dem zunehmenden Anteil erneuerbarer Energieträger an der Energieversorgung auseinander. Diskutieren die Auswirkungen der verstärkten Hinwendung zu erneuerbaren Energien für die Bereiche Wirtschaft, Infrastruktur, Landwirtschaft und Umwelt.“

Derart nachhaltig auf Vordermann gebracht, sind unsere jungen Energiepioniere sicherlich turnschuhfit für die Arbeitswelt. Vielleicht nicht gerade als Ingenieur oder Arzt. Für eine Planstelle im Hause Hendricks müsste es aber allemal reichen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.


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