20. November 2016

Zukunft der Rohstoffe Warum wir auch weiterhin große Löcher im Boden benötigen

... und wieso sich Investitionen in Minengesellschaften nach wie vor sehr lohnen können

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Bildquelle: shutterstock Werden auch in Zukunft gebraucht: Minen

Unsere Urahnen waren erwiesenermaßen erfolgreiche Jäger und Sammler, die sich weitgehend ihre natürliche Umgebung zunutze machten und sich von schmackhaften Dingen ernährten, die entweder von Bäumen hingen oder über die weiten Felder rannten. Einer der monumentalsten Quantensprünge in der gesamten Entwicklung unserer Spezies – neben der Bändigung von Feuer – geschah jedoch, als der Steinzeitmensch den Wert von Bodenschätzen entdeckte. Diese waren nicht nur von großem Nutzen, um hochwertigere Werkzeuge sowie Waren herzustellen und zu handeln, sondern trugen auch zu einem unvergleichbaren Anstieg der Lebens-Qualität und ‑Länge unserer Vorfahren bei.

Die ersten „Lagerstätten“ waren auf sekundäre Oberflächenansammlungen von bearbeitbaren Metallen wie Silber, Gold, Eisen und Kupfer beschränkt. Aufgrund einer rapide ansteigenden Nachfrage und der unaufhaltsam wachsenden, immer mehr verknüpften Gesellschaft wurden daraus rasch kleine Gruben und Stollen, die dank dem menschlichen Einfallsreichtum im Lauf der Geschichte zunehmend größer und immer effizienter wurden. Und so hat es sich zugetragen, dass unsere Gesellschaft im 21. Jahrhundert auf Gedeih und Verderb von dem weltweiten Abbau von Rohstoffen abhängig ist.

Das berühmte Zitat „If it cannot be grown, it has to be mined“ („wenn es nicht gezüchtet werden kann, muss es abgebaut werden“) hat deshalb mehr Bedeutung als je zuvor. Rohstoffe und ihre vielfältigen Produkte sind elementare Bausteine unseres Lebens. Sie finden sich in unserem Essen (und ich beziehe mich dabei nicht auf Schadstoffe!), wir sind von ihnen umgeben in unseren Wohnungen, Autos und auf der Straße, benutzen sie in unserer täglichen Arbeit und Freizeit, sowie beim Einkaufen, Kochen und Verzehren unserer Mahlzeiten (egal ob Gourmet oder von McDonald’s), sie schützen uns vor Sonnenbrand und Regen, erlauben es uns, in vier Stunden von Frankfurt nach Teneriffa zu reisen und von dort aus mit unseren Nahestehenden zu Hause 24/7 in Verbindung zu bleiben, ohne dass dabei die Batterie des Laptops zur Neige geht, sind unverzichtbar beim Bau und Betrieb von Solarzellen und Windturbinen, und sie tragen einen Großteil dazu bei, dass wir unseren gewohnten Lebensstil bis in das hohe Alter genießen und bewahren können. Ich denke, Sie verstehen, was ich meine. Aber wussten Sie, dass sich zum Beispiel in einem einzigen Mobilfunkgerät („Handy“) über 60 verschiedene Metalle finden lassen? Viele dieser Metalle sind „unersetzlich“ (das heißt, es gibt zur Zeit keinerlei brauchbaren Ersatz dafür), jedes einzelne davon ist weitgereist und stammt aus einer Lagerstätte in zum Beispiel China, Chile, Australien oder den USA. Deutschland alleine hat im Jahr 2013 stolze 42,6 Millionen Tonnen Eisenerz verarbeitet – eine ordentliche Menge, die allerdings verblasst im Vergleich zu Chinas Verbrauch von 779 Millionen Tonnen im gleichen Zeitraum. Selbst der Bedarf an „obskureren“ Metallen wie Niob und Kobalt liegt bei Hunderttausenden von Tonnen pro Jahr, Tendenz steigend.

All diese Rohstoffe müssen permanent ersetzt werden, sofern wir nicht wieder den Lebensstil unserer höhlenbewohnenden Vorfahren adaptieren wollen. In der Tat, mancherlei Rohstoffe wie zum Beispiel Kupfer werden gegenwärtig schneller „konsumiert“, als neue wirtschaftliche Vorkommen davon entdeckt, entwickelt und in die Produktion genommen werden können. Recycling von zum Beispiel Blei und manchen anderen Metallen kann kosteneffizient sein und ist von daher sehr nützlich, kann aber niemals den immer weiter wachsenden Bedarf an Metallen, Baustoffen und Industriematerialien decken. Zumal dieser insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern enorm stark ist und rapide anwächst. In Indien alleine werden bis Ende 2017 geschätzte 314 Millionen Einwohner ein Handy besitzen (gegenüber circa 159 Millionen 2014; Mobile Association of India Report). Apple Inc. alleine verkaufte weltweit im ersten Quartal 2016 96,2 Millionen iPhones, iPads und Computern vollgestopft mit seltenen Erden, Edelmetallen und anderen Rohstoffen wie zum Beispiel Aluminium, Kupfer, Lithium und Nickel.

Aus diesen und zahllosen weiteren Gründen wird unsere Gesellschaft in absehbarer Zeit nicht damit aufhören können, Löcher zu graben, um Bodenschätze zu gewinnen. Was keineswegs heißen soll, dass Gruben- und Untertageminen-Betreiber eine „Card blanche“-Lizenz auf Kosten des Umweltschutzes und der Bewahrung der Natur haben sollen beziehungsweise dürfen. Aber sofern nachhaltige Schutzmaßnahmen beachtet und eingehalten werden, ist der Abbau von Rohstoffen zumindest für die nächsten Jahrzehnte schlicht unersetzbar und die absolute Notwendigkeit dafür einfach unwiderlegbar.

In der Zukunft ist es gut vorstellbar, dass der Abbau auf Asteroiden Realität werden könnte. Damit können dann das staubige Geschäft von Erd-Umschichtungen und ‑Abgrabungen sowie die nötigen Umwelteingriffe dafür vielleicht völlig und permanent in den Weltraum (und damit außerhalb der Sicht und Gedanken von Naturliebhabern) verlegt werden. Und tatsächlich, diese Idee bekommt zunehmend Unterstützung – Luxemburg hat kürzlich die stolze Summe von 25 Millionen Euro in die amerikanische Asteroid-Minengesellschaft Planetary Resources investiert. 2015 unterzeichnete US-Präsident Obama ein Gesetz, das es US-Bürgern erlaubt, nach Rohstoffen im Weltall zu forschen sowie geeignete Himmelskörper zu erwerben und für die Erzgewinnung zu verwenden. Aber bis Bruce Willis und seine Kollegen das erste Bohrgestänge auf einem Asteroiden in Bewegung setzen, werden noch einige Jahre vergehen müssen. Inwiefern die gefragten Rohstoffe (in konzentrierter Form?) dann zurück zu unserer irdischen Heimat gelangen, steht auch noch auf einem anderen (abbaubaren?) Stern.

Erstaunlicherweise fehlt jedoch vielen Menschen, vor allem in Ländern wie Deutschland, wo traditionelles Mining (abgesehen von Kohleabbau) vor Jahrzehnten – und in manchen Fällen sogar Jahrhunderten – zum Erliegen kam, der notwendige Zusammenhang zwischen Rohstoffabbau und dessen kritischer Notwendigkeit für unser tägliches Leben. Und vielleicht gerade aus diesem Grund leidet der Rohstoffsektor unter einem Defizit an Ansehen, was Investitionsmöglichkeiten und Kapital-Wachstumspotential angeht. Hochwertige und gut gemanagte Minengesellschaften können jedoch durchaus sehr profitabel für den anspruchsvollen Investor sein und viele solche (zum Beispiel BHP Billiton, Newmont Mining, AngloAmerican) zahlen zusätzlich ansehbare Dividenden, selbst in wirtschaftlich weniger guten Zeiten. Insbesondere in Hinblick auf die anhaltend starke Volatilität, die den globalen Finanzmarkt seit einiger Zeit beherrscht, und besorgniserregende Thematiken wie „Quantitative Easing“ und „Helikoptergeld“ bleiben Minenwerte – vor allem im Edelmetallsektor – durchaus als eine „solide“ Alternative bestehen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog von Dr. Markus Elsässer.


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Dossier: Rohstoffe

Autor

Frank Bierlein

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