16. Februar 2017

Ahmadiyya in Deutschland Thüringer Politiker wollen Sekten-Moschee

Auch die Qualitätspresse versagt

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Bildquelle: shutterstock In den 1920ern errichtet: Ahmadiyya-Moschee in Berlin-Wilmersdorf

Man hört wenig von der rot-rot-grünen Koalition in Thüringen, außer dass sie unrealistische Klimaziele anstrebt oder durch polizeifeindliche, mit der Thälmann-Faust garnierte Posts auffällt. Eher selten gibt es auch mal eine gute Nachricht, wie die, dass hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter wie der Berliner Ex-Staatssekretär Andrej Holm im schönen Freistaat nicht Regierungsmitglied werden können.

Leider ist die Koalition religiösen Sekten gegenüber weniger zurückhaltend. Der dubiosen Ahmadiyya-Gemeinde soll unbedingt zu einer Moschee verholfen werden, auch unter Missachtung des Naturschutzes. Die Ahmadiyya hat vor Jahren von sich reden gemacht, als sie in Berlin-Pankow eine Moschee gegen den Widerstand der Bevölkerung, aber mit Unterstützung der örtlichen evangelischen Gemeinde und von Lokalpolitikern bauen konnte, als Beginn eines 100-Moscheen-Programms zur „Verschönerung Deutschlands“. Beschlossen wurde dieses Programm ausgerechnet im Jahr der friedlichen Revolution 1989, und es sollte bis 1999 beendet sein. Dazu ist es nicht gekommen. Aber immerhin sind inzwischen 39 Moscheen entstanden. Nun baut die Gemeinde auch in Leipzig und demnächst in Erfurt-Marbach.

Wer sind die Ahmadiyys?

Gegründet wurde die Sekte in Pakistan in den 1880er Jahren von Mirza Ghulam Ahmad als islamische Erneuerungsbewegung. Seit 1889 leisten seine Anhänger ihm den Treueid. Ahmad sah sich selbst als den erwarteten Messias Mahdi der Muslime, den Messias der Juden, den wiedergekommenen Jesus und den wiedergeborenen Buddha.Diese größenwahnsinnig anmutende Vorstellung sei als Einladung an alle existierenden Religionen des indischen Subkontinents zu verstehen, sagen die Sektenmitglieder. Es ist eher der Versuch der Unterwerfung aller anderen Religionen. Die Sekte spaltete sich bald, beide Teile sind außerordentlich aktiv in der Missionierung. In Deutschland errichtete die Gemeinde in den 1920er Jahren die erste Moschee überhaupt in Berlin-Wilmersdorf, die bis heute die erfolgreichste Moschee in Deutschland ist. Weniger Erfolg hatte die Ahmadiyya in ihrer Heimat Pakistan, wo sie 1975 per Parlamentsbeschluss als nichtmuslimisch qualifiziert wurde. Es folgte der Ausschluss aus der Weltmuslimliga.

In Deutschland hat die Ahmadiyya eine Anhängerschaft von 35.000 Mitgliedern und viel Sympathisanten unter den Politikern, die sich um die dubiosen Praktiken des Gemeindelebens nicht scheren. In Hessen wurde die Ahmadiyya sogar als Körperschaft öffentlichen Rechts anerkannt und zur Beraterin für den Islamunterricht in Schulen ernannt. Wieso eine von der Weltmuslimliga abgelehnte Sekte dafür geeignet sein soll, bleibt ein Geheimnis der hessischen Politik.

Die Politik lässt sich offensichtlich von der Fassade der Ahmadiyya blenden, die eine erfolgreiche Camouflage ist. „Liebe für alle und Hass für keinen“ ist der Slogan, der Politikerherzen offenbar im Sturm erobert hat. Zudem leistet die Sekte immer wieder demonstrativ gemeinnützige Arbeiten wie Reinigungsaktionen, Baumpflanzungen und Blutspenden. Alle großen Parteien werden regelmäßig eingeladen oder Parteiveranstaltungen öffentlichkeitswirksam besucht. Es fällt offenbar nicht auf, dass es nur Männer sind, die dabei auftreten. Dafür sieht man attraktive Ahmadiyya-Frauen ab und zu in Talkshows, wo sie eloquent versichern, dass die in der Gemeinde herrschende Geschlechtertrennung keine Diskriminierung sei, auch nicht die Gehorsamspflicht der Frau gegenüber dem Manne, sei es der Vater oder der Ehemann. Im Gegenteil, die Ahmadiyya habe bereits 1924 eine Frauengruppe gegründet, habe damit für die erste Frauenbewegung gesorgt. Vielleicht ist das in Pakistan tatsächlich so gewesen, im Westen entstand die Frauenbewegung lange vor den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Dass man wenige Informationen über diese Frauengruppe bekommt, scheint unsere Feministinnen nicht zu stören. Politikerinnen, die überall Diskriminierung durch weiße Männer wittern und anprangern, wenn ein solcher angeblich zu tief in ihr offenherziges Dekolleté guckt, stört es anscheinend nicht, dass die Ahmadiyys auch heute noch die Ehen arrangieren. Es sind nur Heiraten innerhalb der Gemeinschaft erlaubt. Es ist in Deutschland schon vorgekommen, dass ein Vater seine Tochter umgebracht hat, weil sie sich in einen jungen Mann verliebte, ohne ihn gefragt zu haben. Zwar wäre der junge Mann durchaus passend gewesen, aber Regelverstöße werden nicht geduldet. „Unter Umständen“ sei es erlaubt, die Frau zu schlagen, auch da hört man keinen Aufschrei unserer Emanzen.

Mitglied der Ahmadiyya wird man durch Geburt oder durch Gelöbnis, genannt „Bai’a“. Dabei schwört man mündlich und schriftlich lebenslangen Gehorsam des Jüngers gegenüber seinem geistlichen Lehrer. Es ist ein Akt der Selbstverpfändung. Ab sofort hat man die Pflicht, ein Sechzehntel seines Nettoeinkommens zu spenden und andere Pflichtspenden zu leisten. Ein Austritt aus der Sekte ist nicht vorgesehen. „Wer Gott verlässt, ist ein Insekt und kein Mensch.“

Zur Selbstinszenierung als Reformislam gehört die Behauptung, die Lehre der Ahmadiyya orientiere sich am Stand der Wissenschaft und Rationalität. Das hat sie mit der Sekte Scientology gemeinsam. Das bleibt unseren Politikern anscheinend ebenso verborgen wie die Behauptung, Schweinefleisch mache schwul, die nicht dazu passt, aber 2007 vom Gemeinde-Oberhaupt Mirza Tahir Ahmad verteidigt wurde. Wegen solcher Äußerungen hat die Giordano-Bruno-Stiftung, in deren Vorstand Hamed Abdel-Samad wirkt, vor der Ahmadiyya als demokratiefeindlich gewarnt. Trotzdem wurde in Thüringen den Ahmadiyys bereitwillig der Landtag für ihre Propagandaausstellung geöffnet. Ministerpräsident Ramelow wurde mit seinem Eröffnungsstatement inzwischen in ein Propagandavideo der Ahmadiyya integriert, das landauf, landab gezeigt werden soll. Es gibt kein Anzeichen, dass die Publizistin Sabatina James eine ähnliche Möglichkeit bekäme, über die Opfer der Ahmadiyya, die ihr Verein betreut, im Landtag zu berichten.

Bei einer öffentlichen Anhörung des Petitionsausschusses, die von den Einwohnern Marbachs erkämpft wurde, sahen die Zuschauer auf der voll besetzten Tribüne, dass sich die Abgeordneten lieber mit ihren iPads und iPhones beschäftigten als mit den Argumenten der Petenten. Außerdem klang die Befragung der Petenten eher nach einem Tribunal als nach einer parlamentarischen Stunde.

Für die Ahmadiyya scheint die Koalition in Thüringen bereit, den Naturschutz und das Thüringer Baugesetzbuch außer Kraft zu setzen. Auf dem von der Gemeinde gekauften Areal befinden sich Baue des auf der Roten Liste stehenden Feldhamsters, was bislang von den Grünen und ihren Koalitionspartnern ausgeblendet wird. Eine Baugenehmigung dürfte hier gar nicht erteilt werden, oder nur unter der Auflage, eine Hamsterzucht andernorts zu installieren, was sehr kostenaufwendig ist. Sollte die Genehmigung unter Ignorierung des Feldhamstervorkommens erteilt worden sein, dürfte nach dem Thüringer Baugesetzbuch dennoch nicht gebaut werden, wenn auf dem Bauplatz Feldhamsterbaue nachgewiesen werden. Das weiß jeder private Bauherr, dem schon einmal ein Vorhaben genehmigt wurde. In Thüringen muss sogar auf Hornissennester Rücksicht genommen werden – und die stehen nicht auf der Roten Liste.

Bleibt zum Schluss noch anzumerken, dass auch unsere Qualitätspresse wieder einmal versagt. Zum Bauvorhaben der Sekte in Erfurt gab es fast nur Artikel, die alle kritischen Aspekte ausblendeten. Stattdessen wurde die Ahmadiyya, die das erklärte Ziel verfolgt, Europa für den Islam zu erobern, als demokratiefreundlich und integrationswillig porträtiert.

Wenn für die Ahmadiyya die Gesetze außer Kraft gesetzt werden, ist sie ihrem Ziel einen erheblichen Schritt nähergekommen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog der Autorin.


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