10. März 2017

Wolfgang Harich heute Der Islam als Vollendung des Öko-Stalinismus?

Diese Religion heiligt die Arbeit nicht

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Bildquelle: Bundesarchiv, Bild 183-40377-0007 / Wittig / CC-BY-SA 3.0/Wikimedia Commons Der erste Öko-Stalinist: Wolfgang Harich (1923-1995)

Was ist ein Öko-Stalinist? Ungefähr dasselbe wie ein Chlorophyll-Faschist? Meines Wissens wurde der Begriff erstmals gegen den 1995 verstorbenen marxistischen Philosophen Wolfgang Harich in Stellung gebracht. Der Bewunderer von Georg Lukács, der ab 1953 gemeinsam mit Ernst Bloch in Ostberlin die „Deutsche Zeitschrift für Philosophie“ herausgab, war ein intellektueller Causeur und Sottisier, keine These konnte ihm steil genug, keine Kritik vernichtend genug, keine Ansicht radikal genug sein. Ich habe ihn noch persönlich kennengelernt, wobei unsere Meinungen, speziell über Nietzsche, den er kokett für „schlimmer als Hitler“ hielt, leicht auseinandergingen. Er war enorm belesen, was zum Teil daher rührte, dass er acht Jahre im Zuchthaus gesessen hatte, die meiste Zeit in Einzelhaft, denn er wollte 1956 Ulbricht stürzen und Deutschland wiedervereinigen, was ihm der Spitzbart übel vermerkte. „Das Gefängnis war schrecklich, aber deshalb sperrt man Menschen ja auch ein“, erklärte er, und er offenbarte mir einmal, dass er sich in seiner Einzelzelle eines gewissen Drucks bevorzugt dann zu entledigen pflegte, wenn die Insassen via Flurfunk mit der Schlagersängerin Bärbel Wachholz beschallt wurden ... – ich schweife ab.

Ende 1964 wurde Harich aus der Haft entlassen, er betätigte sich als Feuerbach-Herausgeber und schrieb zwei Bücher über Jean Paul. In den 70er Jahren beschäftigte er sich, elektrisiert vom ersten Club-of-Rome-Bericht, mit ökologischen Problemen und forderte in seinem Buch „Kommunismus ohne Wachstum“ eine ökologische Weltdiktatur – darunter machte er es nicht –, die jedes weitere Wachstum unterbinden, einen ewigen homöostatischen Kreislauf herstellen und den Planeten vor dem energetischen Druck sowie dem Ressourcenraubbau der Menschengattung retten sollte. Damals nannte man ihn also einen Öko-Stalinisten. Die Sache verlief sich ...

Was aber, wenn bald der Islam diese von Harich avisierte Aufgabe übernimmt? Im Islam gilt bekanntlich Zinsverbot, das heißt, der Entfesselung der Wirtschaft (und der Gier) sind Grenzen gesetzt, und der Schutz der Schöpfung ist eine dem frommen Muslim auferlegte Pflicht. Für die Entwicklung der Technosphäre, die sich wie ein gewaltiger Parasit auf den Planeten gelegt hat, kann man die Muslime eher wenig verantwortlich machen. Ihre Religion heiligt die Arbeit nicht. Der fromme Muslim verspürt nicht den Drang, sich unbedingt in Werken verewigen zu müssen; stattdessen zeichnen ihn Gottergebenheit und Lässigkeit im Umgang mit der Zeit aus. Es muss doch irgendeinen tiefen gottgefälligen Sinn haben, wenn dieser Glaube derzeit am stärksten wächst. Warum nicht der Rückbau der Industriegesellschaft? Damit wüchse dem Islam heilsgeschichtlich eine völlig neue, welterlösende Bedeutung zu, und für die deutschen Grünen und deren Wähler würde er auf einmal noch „anschlussfähiger“ als ohnehin schon, wobei sie ihre eigenen ökologischen Fußabdrücke schon deutlich reduzieren müssten. Und was die Vermehrung angeht, könnten die Muslime wiederum von den Grünen lernen. Denn ohne ständiges Wirtschaftswachstum sowie immer neue Technologien der Nahrungs- und Energieerzeugung sollte die Erdbevölkerung im Sinne des finalen ewigen Friedens besser schrumpfen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Acta diurna“.


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