13. April 2017

Querelen in der AfD Stellungnahme vor dem Parteitag

Frauke Petry sollte nicht Spitzenkandidatin werden

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Bildquelle: Metropolico (CC BY-SA 2.0)/flickr Werkzeug ihres Ehemanns: Frauke Petry

Unmittelbar vor dem AfD-Parteitag in Köln möchte ich ein Wort an die Delegierten richten, überhaupt an alle Mitglieder und darüber hinaus an alle Menschen, denen die Existenz einer echten Oppositionspartei in Deutschland Herzenssache ist.

Meine Absicht ist ausschließlich, den Schaden, den die AfD derzeit unübersehbar nimmt, zu begrenzen. Was ich vorzutragen habe, ist von Sympathie diktiert.

Am 1. Juni 2016 trat ich in die Dienste von Frauke Petry und Marcus Pretzell. Ich verließ einen komfortablen und gutdotierten Job in der Presse mit dem Willen, einer „umstrittenen“ Partei zu helfen. Petry schien mir die talentierteste und deshalb unterstützenswerteste Politikerin innerhalb dieser Partei zu sein.

Heute muss ich konstatieren: Ich habe mich geirrt. Ich habe mich über Monate selbst irregeführt, um das nicht zugeben zu müssen. Petry mag vielleicht die talentierteste Politikerin der AfD sein, aber wem das Schicksal der Partei am Herzen liegt, der darf diese Frau nicht unterstützen. Frauke Petry sollte weder die Spitzenkandidatin der AfD für die Bundestagswahl werden, noch einem Kandidatengremium angehören, denn auch das würde sie im Nu spalten und zerstören.

Der Grund ist nicht Frauke Petry selbst. Der Grund ist Marcus Pretzell, ihr Ehemann. Pretzell ist eine Hochstaplerfigur, ein unseriöser Mensch mit krankhaftem Drang zur Intrige und zum Schüren von Konflikten, ein Hasardeur, der Verträge für unverbindlich und Versprechen für elastische Floskeln hält.

Dieser Mann träumt davon, mit Petry als Werkzeug und einer Art weiblichem Golem die Partei zu erobern, alle Konkurrenten zu marginalisieren oder hinauszudrängen und dann politisch das große Rad zu drehen. Die Parteivorsitzende ist ihm auf tragische Weise ergeben und wird von ihm gesteuert. Das ist faszinierendes Schmierenkino – aber politisch ist es ein Desaster. Petry & Pretzell sind die Hauptverantwortlichen dafür, dass sich die AfD im ständigen Modus der Selbstzerfleischung befindet.

Nach meiner Erfahrung setzt Petry politisch kaum einen Fuß vor den anderen, ohne sich mit Pretzell abzustimmen beziehungsweise sich von ihm die Richtung weisen zu lassen. Nach meiner Einschätzung ist die AfD aus der Warte von P&P primär keine politische Partei, sondern ein Verein, der sich aus Gefolgsleuten sowie noch nicht kaltgestellten Feinden zusammensetzt.

Die politischen Aktivitäten unseres Duos orientieren sich an den internen Konfliktlinien. Vom ersten Tag meiner Tätigkeit an wurden mir Parteimitglieder nur mit dem Etikett „Freund“ oder „Feind“ versehen vorgestellt. Mit letzteren waren Kompromisse ausgeschlossen.

Als ich die Webseite „Der Blaue Kanal“ aufbaute, die ich als ein Forum des freien Meinungsaustauschs etablieren wollte, verklickerten mir P&P, dass keineswegs jedes (intelligente) Parteimitglied dort publizieren dürfe, sondern nur Getreue. Ich hatte nämlich Marc Jongen als Beiträger empfohlen und erfuhr sogleich, dass der ein „Meuthen-Mann“ und also ein Feind sei und ohnehin nur auf irgendeinen Listenplatz spekuliere. Heute ist der „Blaue Kanal“ die Verlautbarungsplattform des P&P-Clans. Sämtliche Texte, die ich dort veröffentlicht hatte – auch die pseudonymen –, sind inzwischen wie von Geisterhand gelöscht worden. Dasselbe gilt übrigens für die Texte von Matthias Moosdorf. Das duale Politbüro hat die Erinnerung an unliebsame einstige Mitarbeiter getilgt.

Anfang August 2016 organisierte ich in der Berliner Wohnung einer ehemaligen Bundestagsabgeordneten ein Treffen von P&P mit konservativen Intellektuellen, die mit der AfD sympathisierten. Ich sage: sympathisierten – nach zwei Stunden hatte unser fideles Duo die Sympathien in Befremden und auch Fassungslosigkeit verwandelt. Die beiden redeten nur über parteiinterne Konflikte und Konkurrenten, die aus dem Weg geräumt werden müssten. Die andere Seite wollte über politische Inhalte und Strategien sprechen. Nun erfuhren diese Naivlinge, dass sich Profis wie P&P mit sekundären Themen erst nach der Beseitigung der innerparteilichen Gegner beschäftigen könnten.

Wenn Entscheidungen der Parteichefin am Küchentisch oder im Ehebett vorbereitet werden, mag das pikant sein, wäre aber an sich noch kein Grund, ihr die Gefolgschaft zu kündigen. Das Problem ist, dass Frauke Petry den Filou, dessen Kind sie unter ihrem Herzen trägt, für ein politisches Genie hält, das sich allenfalls mit der Bismarckschen Elle messen lässt. Ihr eine Idee Pretzells auszureden ist ungefähr so sinnvoll, als hätte man Erich Honecker von den Vorzügen der Marktwirtschaft überzeugen wollen. Eros ist unbeherrschbar und schlägt die Menschen mit der süßesten aller Blindheiten. Ich vermag die persönliche Tragik dieser Konstellation nachzuempfinden. Doch so sehr ich als Literat für solch liebevolle Verblendung empfänglich bin, so rigoros muss ich sie als politischer Berater ablehnen.

Gerade auf dem Kölner Parteitag werden die Delegierten vor Augen geführt bekommen, dass sich die AfD im Belagerungszustand befindet, dass die verhetztesten Teile der sogenannten Zivilgesellschaft mit dem größten Vorrat an verschwendbarer Energie gegen die einzige Oppositionspartei des Landes mobil machen und den Delegierten ihr gutes Recht auf Versammlungsfreiheit nehmen wollen. Eine Partei in dieser Lage muss sich zusammenraufen. Eine Partei, die in einer solchen Situation eine vom Konfliktautomaten Marcus Pretzell gesteuerte Frauke Petry als Spitzenkandidatin ausruft, wäre verraten und verkauft.

Eine Parteivorsitzende muss vor allem als integrative Kraft wirken. Sie hat, salopp gesprochen, den Laden zusammenzuhalten, statt immer neue Kriegsschauplätze zu eröffnen. Hinter ihr müssen sich die Truppen im Zweifelsfalle sammeln. Wer sich hinter Petry vereint, sammelt sich aber unvermeidlich zugleich hinter Pretzell. Wollen Sie das wirklich?

Es dürfte ohnehin an der Zeit sein, dass neue Gesichter nach vorn kommen, die für Inhalte stehen statt für Fraktionen und Streit. Petry sollte sich in die zweite Reihe zurückziehen, allein schon aus Gründen des Selbstschutzes. Dort mag sie zur Ruhe kommen. Es wäre ein Segen, wenn sie sich künftig ausschließlich Sachthemen widmete.

Ein Blender und Spaltpilz wie Pretzell wiederum stünde jeder Partei schlecht zu Gesicht. Um kurz über meinen Fall zu sprechen: Dieser Mann hat einen – privaten – Arbeitsvertrag mit mir geschlossen, mich aber nicht bezahlt. Als Hochstapler, der er ist, wollte er sich mit intellektuellen Federn schmücken, hat aber nachträglich behauptet, der Vogel, von dem sie stammen, existiere gar nicht. Er hat sich von mir Reden schreiben, eine Webseite aufbauen, Termine vorbereiten, Kontakte anbahnen lassen, aber dreist erklärt, ich hätte nie für ihn gearbeitet. Er schuldet mir – gerechnet von Juli bis Dezember 2016 – 24.000 Euro. Ich habe beim Arbeitsgericht München Klage gegen ihn eingereicht.

Die AfD ist angetreten, um dem Parteienkartell dieser Republik eine bürgerlich-konservativ-liberale Alternative entgegenzusetzen. Die Lage ist zu ernst, als dass man die politische Opposition Personen überlassen kann, die allenfalls Fincas auf Mallorca vermieten sollten. Pretzell ist so wenig bürgerlich wie Björn Höcke. Er ist eine Belastung.

Derzeit versucht Petry, bürgerliche politische Inhalte als identisch mit ihrer Person zu verkaufen. Sie will der Öffentlichkeit suggerieren, wenn die AfD sich gegen sie entscheide, handle es sich um Signale eines „Rechtsrucks“ und des Weges in die Unwählbarkeit. Ein durchsichtiges Manöver, veranstaltet nach einem Pretzell-Drehbuch. Alle wichtigen Themen, alle guten Konzepte der AfD existieren vollkommen unabhängig von P&P. Sie existieren sogar ganz ohne sie.

Wenn sich die bürgerlichen Kräfte in Köln durchsetzen, fängt die Karriere der AfD erst richtig an.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Facebook-Seite des Autors.


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