14. Juni 2017

Arm und Reich Die süße Melodie der Umverteiler

Befragen Sie den „Neidrechner“

Artikelbild
Bildquelle: shutterstock Neid: Es gibt immer welche, die mehr haben

Die Umverteiler geben keine Ruhe. Ihr Verlangen nach Gleichheit und Gerechtigkeit sind die Flötentöne eines Rattenfängers. Immer weiteres wollen die Umverteiler gleicher und gerechter machen – durch Umverteilen von „oben nach unten“. Brave, aber kenntnisarme und daher leichtgläubige Gemüter sollen in der süßen Melodie schwelgen und ihr hoffnungsvoll folgen. Gefolgschaft wird es immer geben. Nahezu alle etablierten deutschen Parteien haben sich dazu hinreißen lassen, auf jener Flöte zu spielen – die eine mehr, die andere weniger. Jetzt vor der Bundestagswahl hört man sogar etwas von Steuersenkungen. Flötentöne auch das.

Die Linke hat im Programm auch zwei Stufen einer Reichensteuer

Die gehäutete SED-PDS-Nachfolgepartei Die Linke zum Beispiel schreibt in ihrem Wahlprogramm unter der Überschrift „Ungleichheit ist unsozial. Wir steuern um“: „Die Besteuerung von Einkommen wollen wir gerechter machen. Niedrige und mittlere Einkommen wollen wir entlasten. Hohe Einkommen müssen stärker besteuert werden. Wir sehen zwei Stufen einer gesonderten Reichensteuer vor: 60 Prozent ab der aktuellen Reichensteuergrenze von 260.533 Euro und 75 Prozent für Einkommen oberhalb von einer Million Euro zu versteuerndem Einkommen.“ Was brächte die zusätzliche Umverteilung?

Wieviele Menschen ein Nettoeinkommen von monatlich 9.000 Euro haben

Hilfreich dafür ist, festzustellen, wieviele Erwerbstätige und Ruheständler ein bestimmtes monatliches Nettoeinkommen und damit den gleichen Platz in der Rangliste haben. Die Möglichkeit dazu bietet das Magazin „Focus Online“. Wer beispielsweise monatlich (nach Abzug aller Abgaben, Steuern und Pflichtversicherungsbeiträgen) netto 9.000 Euro für den privaten Verbrauch und zum Sparen zur freien Verfügung hat, also 108.000 im Jahr, gehört gewiss nicht zu den Armen unserer Gesellschaft, aber noch lange nicht zu den Einkommensmillionären. Von denen, die mit 9.000 Euro in dieser komfortablen Lage sind, gibt es – so wirft es der „Focus“-Rechner aus – gerade einmal 120.000, darunter auch jene, die über mehr als monatlich 9.000 Euro verfügen. In Anbetracht von rund 44 Millionen Erwerbstätigen und rund 17 Millionen Ruheständlern, zusammen 61 Millionen, sind das nicht eben viele, nämlich nur 0,2 Prozent von diesen 61 Millionen – gesetzt den Fall, dass die „Focus“-Zahl 120.000 stimmt.

Warum diese Reichensteuer eine Neidsteuer wäre

Angenommen, die Umverteiler nähmen diesen 120.000 Menschen von den 9.000 Euro über höhere Besteuerung netto 1.000 Euro weg, dann würde der Fiskus um 120 Millionen Euro bereichert. Gegenüber seinen Einnahmen aus allen einkommenbezogenen Steuern von zusammen 281 Milliarden sind das nur sehr dürre 0,4 Prozent, also ein Tropfen auf den heißen Stein. Die 120 Millionen Mehreinnahmen würden unter den gesamten Staatsausgaben geradezu verdampfen, und die Menschen mit geringem Einkommen hätten nichts davon. Sie und viele andere würden weit mehr davon haben, wenn sie der Staat steuerlich entlasten würde. Das Geld dafür ist vorhanden. Es sind die jährlichen Milliarden, die der deutsche Staat nun schon seit Jahren ohnehin an Steuern mehr einnimmt, ohne dass er den Menschen mit hohem Einkommen höhere Steuersätze auflasten müsste. Daher kann man, wenn die Partei Die Linke (und nicht nur sie allein) solche Steuersätze fordert, in der Tat von einer Neidsteuer sprechen, weil sie den Neid auf diejenigen befriedigt, die weit mehr verdienen als andere, selbst wenn das Mehr zum Teil auch unverhältnismäßig mehr zu sein scheint.

Den Neidrechner befragen – und schon sehen Sie, wieviele Menschen mehr verdienen als Sie

Nicht von ungefähr auch spricht „Focus Online“ von einem „Neidrechner“. Die Redaktion schreibt: „Wer ist arm, wer ist reich? Kaum ein Thema bewegt so sehr die Gemüter wie die Höhe des Einkommens. Grundsätzlich verdienen alle immer zu wenig, und es gibt immer welche, die mehr verdienen. Aber wieviele eigentlich? Der ‚Focus-Online‘-Neidrechner zeigt Ihnen, wieviele Menschen in Deutschland monatlich netto mehr Geld nach Hause tragen als Sie. Geben Sie einfach Ihr monatliches Netto-Gehalt in den Suchschlitz ein und klicken auf ‚Berechnen‘. Schon sehen Sie, wieviele Arbeitnehmer mehr verdienen als Sie, wieviele Ruheständler es besser haben – und welchen Gesamtplatz Sie im deutschlandweiten Einkommensvergleich einnehmen.“ Weil Deutsche als Neidgesellschaft gelten, kommt das sicher gut an.

Die Kluft zwischen Arm und Reich und die gesellschaftliche Kluft

Die Kluft zwischen Arm und Reich zu schließen, wird nicht gelingen. Man müsste, um diese Kluft zu überwinden, viel mehr Menschen noch viel mehr wegnehmen als schon bisher. Anschließend sind dann alle gleich arm. Und die Arbeitslust, sich aus der Armut zu befreien, ist dahin. Arm und Reich hat es immer gegeben, wird es immer geben. Die Menschen sind zu unterschiedlich und werden es bleiben. Aber die Tiefe der Kluft lässt sich verringern. In vielen Ländern ist das gelungen. Entscheidend ist, die große gesellschaftliche Kluft zu überwinden, die Kluft zwischen gebildet und ungebildet, zwischen kundig und unkundig, zwischen strebsam und träge. Aber nicht die zwischen gleich und ungleich. Die Ungleichheit der Menschen wird gebraucht. Sie ermöglicht Arbeitsteilung, stellt sie sicher, ist Ansporn zu Kreativität und zu Vorankommen. Dazu gehört auch die Regel: Auf Chancengleichheit und Gleichberechtigung achten ist besser, als Tüchtigen Geld wegnehmen und weniger Tüchtige mit dieser Tat ruhigstellen.

„Neidrechner“ von „Focus Online“

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Sozialstaat

Mehr von Klaus Peter Krause

Über Klaus Peter Krause

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige