15. Juni 2017

Gewaltkriminalität Werden Frauen härter bestraft?

Unterschiede in der Berichterstattung

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Bildquelle: shutterstock Frauen als Täter: Härter bestraft?

Der „Spiegel“ schrieb am 8. Juni 2017: „Messerattacke auf dem Oktoberfest: Millionärsfreundin scheitert mit Revision“ – „Weil ein Wiesn-Gast sie rassistisch beleidigte, stach Melanie Meier mit einem Messer auf ihn ein. Ein Gericht verhängte für die Tat viereinhalb Jahre Haft. Nun hat der BGH das Urteil bestätigt.“

Warum werden Frauen, die im Affekt handeln – hier womöglich sogar unter Alkohol – immer wieder härter bestraft als Männer? Mordversuch hatte die Staatsanwaltschaft gefordert, was Heimtücke und einen Plan voraussetzt. Wie man an den nächsten Fällen sehen kann, kommen Männer, die im Streit Kollegen, Ex-Vorgesetzte, Ex-Verlobte, Konzertbesucher oder gar nur beim Nachbarschaftsstreit andere Menschen lebensgefährlich verletzten, mit Bewährungsstrafen wegen fahrlässiger Körperverletzung davon.

Zum Vorfall auf dem Oktoberfest noch einige Details: „Die Tat geschah 2015 im Käfer-Zelt auf der Wiesn. Meiers Lebensgefährte, der reiche Hamburger Immobilienkaufmann Detlef Fischer, hatte eingeladen. Unter den Gästen war auch der frühere Fußballprofi Patrick Owomoyela. Als dieser von zwei Männern rassistisch beleidigt wurde, kam es zu einem unübersichtlichen Gedränge. In der aufgeladenen Atmosphäre stach Meier einem der Pöbler mit einem Klappmesser in die Seite.“ – „Die Staatsanwaltschaft hatte ihr zunächst versuchten Mord vorgeworfen, dies aber in ihrem Plädoyer abgeschwächt und fünf Jahre Haft gefordert.“ („Der Spiegel“)

Meine Google-Suche nach „Messer, lebensgefährlich, Bewährung“ hat folgendes ergeben:

Bewährungsstrafe für angeklagten Lkw-Fahrer, der einen Kollegen auf dem Rasthof „Zweidorfer Holz Nord“ mit einem Küchenmesser lebensgefährlich verletzt hatte.

Bewährung für Messerattacke auf Vorgesetzten. Im Oktober 2016 hatte der Angeklagte seinem ehemaligen Vorgesetzten ein Messer in den Rücken gerammt und ihn lebensgefährlich verletzt.

Bewährungsstrafe für Messer-Attacke nach Konzert. Mann sticht Provokateur beim Stimmen-Konzert auf dem Marktplatz nieder. Viel Alkohol im Spiel. Streit unter mehreren Männern.

Eineinhalb Jahre auf Bewährung für lebensgefährlichen Messerstich. „Ich hatte keinen Bock auf Stress, aber dann ist es einfach passiert, ich habe zugestochen, leider“, sagte der Angeklagte.

Nach Messerattacke: Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Der 27-jährige Nordafrikaner hatte bei einem Streit in einer Freudenberger Asylunterkunft einen 22-jährigen Mitbewohner mit einem Messer lebensgefährlich verletzt.

Bewährungsstrafe für Messerattacke auf Verlobte. Der Verkäufer hatte im Mai dieses Jahres im Raum Pfaffenhofen seine Verlobte im Streit mit einem Messer attackiert und lebensgefährlich verletzt – vor den Augen der dreijährigen gemeinsamen Tochter.

Bestimmen Geschlecht, Tatwaffe und Bundesland die Schlagzeilen?

Mir ist dieser Unterschied schon 2011 bei Lörrach und Plochingen aufgefallen, und ich hatte dazu einen Artikel geschrieben, der damals bei „prolegal“ veröffentlicht wurde: „Bestimmt das Geschlecht, die Tatwaffe und das Bundesland die Schlagzeilen?“ Damals wurde mir von einigen Verbänden vorgeworfen, dass der Artikel negativ für Waffenbesitzer sei, da ich es mir erlaubt hatte, über Missbrauch zu schreiben. Ihr könnt unter dem Link unten selber lesen, ob der Vorwurf zutrifft.

„Prolegal“: „Bestimmt das Geschlecht, die Tatwaffe und das Bundesland die Schlagzeilen?“

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog der Autorin.


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