26. Oktober 2017

Margarete Stokowski Die Unsterbliche

Den eigenen Hirntod überwunden

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Bildquelle: Kürschner/Wikimedia Commons Will Antifaschismus zum Alltag machen: Margarete Stokowski

Die oft diskutierte Frage, ob das irreversible Ende aller Hirnfunktionen tatsächlich geeignet ist, den menschlichen Todeszeitpunkt zu definieren, ist nun endgültig geklärt. Denn obwohl die „Spiegel Online“-Kolumnistin Margarete Stokowski bereits vor einigen Jahren einen Hirntod erlitt, schreibt sie munter weiter.

In ihrer Kolumne vom 10. Januar 2017 fragte sie sich, ob Antifa-Anhängerinnen nicht die Pflicht hätten, Rechtspopulisten mit Vergewaltigungsvorwürfen „unschädlich“ zu machen, und ob man Björn Höcke oder Alexander Gauland durch eine solch inszenierte Vergewaltigung verurteilen lassen könne. Vor den Kolumnen dieser geistigen Kleingärtnerin steht man regelmäßig wie vor einem Verkehrsunfall. Und wie bei eben jenem fragt man sich – angesichts dieses augenscheinlichen Elends – wie das passieren konnte. Während Gutachter anhand von zahlreichen Spuren Autounfälle relativ zuverlässig rekonstruieren können, ist die Spurensuche in bezug auf die Antifa-Vorhut häufig mit der Beschäftigung der jeweiligen Biographie verbunden. Doch auch wenn das Anschauungsmaterial hinsichtlich einer gescheiterten psychosozialen Entwicklung immens zu sein scheint; wer kann es sich schon leisten, sein Gehirn mit Kolumnen und Beiträgen Stokowskischer Art zu belasten?

Während bei gesinnungsethischen Extremisten wie Til „Ich war wieder betrunken“ Schweiger oder Ronja „LSD-Überdosis“ von Rönne die Erklärungen in intellektueller Hinsicht auf der Hand liegen, kann man bezüglich Margarete Stokowski nur Vermutungen anstellen. Einen Hinweis bietet ihre Kolumne vom 22. August 2017. Dort gibt sie an, einige Texte während depressiver Episoden verfasst zu haben, andere besoffen und einen Text bekifft geschrieben zu haben. Aber sollte man ihr das wirklich als Dauerrechtfertigung durchgehen lassen? Drogen und Depressionen? Unter einem Youtube-Video, in dem sich die durchgehend weinerliche Margarete Stokowski über den Rechtsruck beklagt, ist ein Kommentar zu finden: „Selbst Dresden 45 war erträglicher als dieser Scheiß hier.“ Obschon man bezweifeln darf, dass sich der Kommentarschreiber Mitte Februar 1945 in Dresden aufhielt, versteht man nach nur kurzer Ansicht des besagten Bildmaterials den beschriebenen Gemütszustand.

Auch wenn Linksextreme wie Deniz Yücel mittlerweile in jede gut-links-sortierte Zeitungsredaktion des Merkel-Imperiums gehören und Jakob Augstein – beispielsweise bei „Augstein und Blome“ – Sympathien für Steinewerfer bekundet, hält sich der größte Teil der in die Tasten kloppenden Schreibtisch-Guerilla zurück, wenn es um die eigenen Gewaltphantasien geht. Man sollte meinen, ein Aufruf zur Gewalt wäre auch ganz abseits strafrechtlicher Erwägungen mit einem tiefen Kratzer im Ansehen verbunden. So wie man heute bei jedem neueren Toaster zumindest eine Krümelschublade erwarten darf, durfte man bisher auch von Umverteilungspolitikern und hysterisch linksdrehenden Schreiberlingen erwarten, dass diese Grenze eingehalten wird.

Doch damit soll nun Schluss sein, findet offensichtlich der personifizierte Autobrand der „Spiegel Online“-Redaktion zwei Tage nach dem AfD-Erfolg bei der Bundestagswahl. In der Kolumne „AfD im Bundestag: Antifaschismus muss Alltag werden“ erhält der Leser einen weiteren Eindruck vom bedenklichen Geisteszustand Stokowskis: „Man sagt ‚Antifa bleibt Handarbeit‘, und das heißt, dass wir in den kommenden vier Jahren die Hände voll zu tun haben werden, denen nachhaltig auf die Nerven zu gehen, die versuchen, sich als Konservative zu verkleiden, aber in Wirklichkeit für Rassismus, Nationalismus und völkisches Denken stehen.“ Nachhaltig auf die Nerven gehen? Glaubt Stokowski ernsthaft, sie habe damit einen geheimen Code entdeckt, so dass der Linksextreme versteht, Otto-Normal-Otto hingegen nicht versteht, was gemeint ist? Im linksextremistischen Milieu ist mit dem Slogan „Antifa bleibt Handarbeit“ die Anwendung von Gewalt gegen politisch Andersdenkende gemeint. Aufkleber mit diesem Slogan zeigen eine Hand mit Schlagring oder Stein. Die nettere Variante zeigt einen Kartoffelstampfer, wobei mit der zu zerstampfenden „Kartoffel“ der Deutsche gemeint ist. Der meist von Arabisch- und Türkischstämmigen abwertend als „Kartoffel“ bezeichnete Deutsche ist es, der zerstampft werden soll. Einem Pressebericht aus dem linken Spektrum zufolge erklärte ein Linksextremer – der sich 2014 in Göppingen vor Gericht dem Vorwurf ausgesetzt sah, den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung erfüllt zu haben –, es sei ihm egal, wie die deutsche Rechtsordnung sein Verhalten bewerte, schließlich müssten Nazis und ihre Strukturen bekämpft werden, „auf allen Ebenen und mit allen Mitteln“. „Antifa ist Handarbeit“, so der Linksextremist in seinem Schlussatz. Nahkampf-Kurse werden seitens Antifa-Gruppen beispielsweise mit „How to punch a Nazi – Antifa bleibt Handarbeit“ betitelt, und die von Linksextremen als „Hausbesuche“ bezeichneten Wohnungseinbrüche werden von der Antifa regelmäßig unter dem Hashtag „#AntifaBleibtHandarbeit“ gefeiert.

„Statt ‚Kein Fußbreit den Faschisten‘ gibt es jetzt 94 Stühle für Rechte im Bundestag, 94 Hintern breit, 94 zu viel“, meint Margarete. Wer an dieser Stelle erklären möchte, dass die Gruppierung der Fasci italiani di combattimento eine Bewegung des Gewerkschaftssozialismus war und der Faschismus damit politisch eher links zu verorten wäre, dem sei noch einmal erklärt: Margaretes Hirntod liegt bereits Jahre zurück.

Nachdem sie in ihrer Kolumne einen „Betreuungsschlüssel“ für die vermeintlichen Nazis fordert, stellt sie fest: „Manchmal muss man erst geduldig dechiffrieren, warum genau ihre Positionen menschenverachtend sind.“ Dem eigentlichen Problem nähert man sich an der Stelle verblüffend einfach an, indem man „dechiffrieren“ durch „herbeihalluzinieren“ ersetzt.

Während Angela Merkel in dem Wahlergebnis einen erneuten Regierungsauftrag des Wählers erkennen möchte, interpretiert Stokowski den Auftrag ihrer Antifa ein wenig anders: „Ich stimme vielleicht zum ersten Mal im Leben FDP-Chef Christian Lindner zu, wenn er sagt, das Wahlergebnis sei ein ‚Kampfauftrag‘.“ Brennende Autos, gebrochene Kiefer und zerstörte Scheiben wird Lindner dabei allerdings nicht im Sinn gehabt haben. Indem Stokowski ihn zitiert, glaubt sie ernsthaft, sie würde sich noch am Rande der Doppeldeutigkeit bewegen. Naja, Herakles war stark, Helena besonders schön und die depressive Margarete schreibt ihre Texte besoffen und bekifft. Was sich zunächst abwertend anhören mag, entpuppt sich als ganz eigene Wertigkeit. Mit einem gebrochenen Bein oder einer Erkältung mag so mancher eine Kolumne schreiben können. Aber den eigenen Hirntod überwinden, um wöchentlich Kolumne für Kolumne zu erbrechen? Wer wäre je der Unsterblichkeit näher gekommen?

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Facebook-Seite des Autors.


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