18. September 2008

Palin und die Machtfrage Alle hassen Sarah!

Von der heimlichen Lust an der Niederlage

Jetzt, wo die große Depression über uns kommt, müssten wir nur darüber nachdenken, wie wir die nächsten Monate überleben, bevor Obama vereidigt wird und alles in 6 Tagen repariert, um dann am siebenten Tag zu ruhen und auf sein Werk zu schauen: Und siehe, es war gut. Doch nun macht die blöde Sarah Palin, als Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner, alles kaputt und stiehlt dem schwarzen Gott die Show. Solch Anmaßung einer „unerfahrenen und unbesonnenen“ Frau verdient natürlich den kollektiven Hass aller politisch Korrekten. Und politisch korrekt sind so gut wie alle Medien, deren Kommentatoren und die akademische Elite des Abendlandes. Diese „Meinungsführer“, die religiöse Menschen mitleidig als Hinterwäldler belächeln, haben das religiöse Tier in sich so pervertiert, dass sie nun beim Anblick eines vermeintlichen schwarzen John F. Kennedy in Tränen ausbrechen (kein Witz) und sich in seiner Gegenwart wie Groupies und Fans gebärden. Diese Leute verhalten sich wie religiös Verrückte beim Bejubeln ihres Messias als auch bei der Verdammung seiner Widersacherin.

Nachdem nun Gloria Steinem, die Großemufti des Feminismus in den USA, eine Fatwa veröffentlichte, in der Sarah  Palin gebannt und verflucht wurde, schrieb Wendy Doninger, eine feministische Akademikerin an der Universität von Chicago, in „Newsweek“ über Palin: „Ihre größte Heuchelei ist, das sie vorgibt eine Frau zu sein.“ Es gibt tatsächlich Kommentatoren in der Presse und den Fernsehanstalten, die Sachen sagen wie: „Ich hasse Sarah Palin. Sarah Palin macht mich krank“.

Dieser offen zur Schau gestellte Hass ist so verrückt, so kontraproduktiv und so selbstmörderisch für die Obama-Kampagne, dass man sich wirklich wundern muss.

Es gibt Historiker, die annehmen, dass Hitler die Welt vor seinem eigenen Wahnsinn geschützt hat, indem er seinen Eroberungskrieg fast eigenhändig verloren hat, nachdem er schon am Rande eines vollständigen Sieges stand. Irgendwie, so geht das Argument, wusste er um seine eigene Bösartigkeit und darum, dass sie besiegt werden musste. Deshalb, natürlich unterbewusst, überging er die professionellen Ratschläge seiner Generäle und stellte durch eine Serie von fantastischen Fehlern sicher, dass seine Feinde ihn zerstören würden.

Ist es das, was die amerikanischen Demokraten gerade machen? Wissen sie, natürlich unterbewusst, dass sie  im Grunde keine Ahnung und keine Idee haben, wie sie mit der gegenwärtigen Krise fertig werden sollen? Dass Obama, trotz seines Appeals als Neuerer, im Grunde ein Sozialist alten Schlages ist, der einfach mehr von Reich nach Arm umverteilen will. Und wissen sie, natürlich unterbewusst, das das in die Katastrophe führen wird, bei einer Wirtschaft, in der seit Jahren Kisten aus China ausgepackt wurden, um den Inhalt bei Wal Mart Leuten anzudrehen, deren Geldquelle Häuser waren, die sie sich gegenseitig immer teurer verkauft haben?

Die Demokraten waren sich dieses Jahr sicher, dass sie die Wahl nicht verlieren können. Und jetzt schaufeln sie sich ihr eigenes Grab. Es gibt bestimmt auch andere Erklärungen dafür, aber spinnen wir diese mal weiter. Wenn Obama verliert, kann die Linke den allgegenwärtigen Rassismus dafür verantwortlich machen. Tatsächlich wird damit jetzt schon angefangen. In ihren Machtzentren, den Medien und den Universitäten, ist das eine wunderbare Steilvorlage, um ihre Diktatur der politischen Korrektheit zu festigen und auszuweiten. Die Ideologie der politischen Korrektheit – amerikanische Fassung – in Kurzform: Der weiße Mann ist an allem schuld, ein rassistischer, gewalttätiger, patriarchalischer Sklaventreiber – und alle Sarah Palins sind auch weiße Männer –; er gehört umerzogen durch Genderfeminisierung und Selbstgeißelung. Alle Nicht-Weißen und alle Frauen –mit Ausnahme von Sarah Palin, die keine Frau ist – können per Definition keine Rassisten sein und ihre Gewalt ist immer gerecht.

Auf der Grundlage kultureller Hegemonie könnte die Linke weiterhin die überlegene Minderheit sein, ohne Verantwortung für irgendwelche Resultate politischen Handelns. Kann man nicht fast ihre sexuelle Erregung spüren, bei der Vorstellung, immer und in Zukunft alle Schuld rassistischen Republikanern und schießgeilen, Bibel zitierenden Dummköpfen in die Schuhe schieben zu können?

Diesen Gedanken könnte man bis nach Deutschland weiterspinnen. Will die Linke wirklich an die Macht? Oder weiß ein Demagoge wie Lafontaine nicht genau, dass sein letztes Stündchen geschlagen hat, wenn er den kapitalistischen Hilfsmotor unserer staatsozialistischen Republik endgültig vor die Wand fährt? Ist es nicht viel amüsanter, SPD und CDU mit Forderungen und Anfragen vor sich her zu treiben, damit die dann geteert und gefedert werden? Nur so ein Gedanke.


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