22. Oktober 2008

Prognose zur US-Präsidentschaft Die amerikanischen Wahlen in Kurzfassung

Über die Entstehung einer linksfaschistischen Massenbewegung

Von den Kandidaten der Demokraten und der Republikaner für die Präsidentschaft beziehungsweisew. Vizepräsidentschaft kommt bei jeder Partei jeweils einer aus dem Apparat, während der andere ein Überraschungsei ist.

Bei den Republikanern ist John McCain der Mann aus der Maschine. Seit seiner Rückkehr aus Vietnam gehört er zum Klüngel in Washington und hat seiner Partei in den verschiedensten Gremien und Funktionen gedient. Im Spektrum der Republikaner ist er ein „Liberaler“ und viele „echte“ Republikaner werden ihn zähneknirschend als das kleinere Übel wählen. Er scheint nicht gut mit Kritik umgehen zu können, das wird ihm seinen Job als Präsident nicht gerade versüßen. Ansonsten ist das alles sehr berechenbar: So viel Staat wie möglich, solange man nicht echte Schwierigkeiten mit den eigenen Leuten bekommt, die nur so viel Staat wie nötig wollen.

Aber mit Sarah Palin hat McCain einen Joker aus dem Hut gezaubert, der ihm möglicherweise selbst noch im Hals stecken bleiben wird. Ich habe hier schon über Frau Palin geschrieben. Sie ist die Antwort der Kinder der 68er an ihre Eltern. Deshalb wird sie vom linksliberalen Establishment auch so leidenschaftlich und schrankenlos gehasst. Tausende laufen auf dem Campus der USA mit T-Shirts rum, auf denen steht: „Sarah Palin is a cunt“ (Sarah Palin ist eine Fotze). Jeder Angriff auf Obama, ob ad hominem oder nicht, wird von den vereinigten linkspopulistischen Medien (90 bis 95 Prozent der „öffentlichen“ Meinung) sofort als rassistisch gebrandmarkt und niedergeschrieen. Nicht so mit Sarah. Die scheint es verdient zu haben. Alleine das macht sie mir sympathisch. Dazu kommt der Gleichmut und der Humor, mit dem sie das alles wegsteckt. Man schaue sich ihren Auftritt bei „Saturday Night Live“ dazu an. Außerdem ist Sarah Palin eine Graswurzel-Libertäre. „Weniger Staat, weniger Steuern und mehr Autonomie für den Bürger und die Bundesstaaten“ sind bei ihr nicht nur Lippenbekenntnisse. Aber natürlich wird Frau Palin auch von der Maschine geschluckt und verformt werden. Trotzdem, die Horrorversion der Linksliberalen, dass Präsident McCain während seiner Amtszeit den Weg alles Irdischen geht und Sarah Palin Präsidentin wird, ist meiner Ansicht nach das bestmögliche Ergebnis dieser Wahlen.

Kommen wir nun zu dem anderen Pärchen: Hier ist der Kandidat für die Vizepräsidentschaft Joe Biden der Mann aus der Maschine, ein Washington-Insider wie McCain und fast genauso lange dabei. Anders als bei Sarah Palin lässt man ihm jeden Unsinn, den er bisher während des Wahlkampfes von sich gegeben hat (und das war nicht wenig), durchgehen. Weil …, er hat ja Erfahrung. Anders als Barack Hussein Obama. Wer kannte Obama, außerhalb von Chicago, bevor er gegen Hillary Clinton in den Ring stieg? Da haben wir einen ehemaligen Sozialarbeiter, der ohne Gegenkandidaten in den Senat gewählt wurde (weil er alle Gegenkandidaten per Gericht wegen Formfehlern ausschalten ließ) und der im Senat eine relativ kurze, relativ unspektakuläre Rolle gespielt hat. Was bringt Leute dazu, einen ziemlich jungen Kerl, der aus dem Nichts auf der nationalen Bühne auftaucht, als „geborenen Führer“, als „Geschenk der Welt an Amerika“ zu feiern? Ist es sein Programm? Alles allen zu versprechen haben vor ihm schon andere gemacht. Aber die Liebe, die Verehrung und der Enthusiasmus, den seine Anhänger ihm entgegen bringen, sind beispiellos. Selbst die populärsten Präsidenten der jüngeren Vergangenheit, Reagan und Clinton, konnten von so etwas nur träumen. Gestandene TV-Moderatoren brechen in Tränen aus, Journalisten gebärden sich wie Groupies bei einem Rock Star, Frauen fallen bei seinen Auftritten in Ohnmacht vor lauter Hysterie und Excitement, junge Mädchen singen Lieder darüber, wie sehr sie Obama lieben, weil er „Change“ in ihr Leben bringt, eine „Obama-Jugend“ drillt und marschiert für den Führer ... Was gibt Obama diesen Nimbus der Unbesiegbarkeit, was macht ihn zur „Festung Obama“, gegen die auch ein McCain in Bestform scheinbar nur erfolglos anstürmen kann? Das Toben eines schwarzen Hasspredigers, dessen Zeuge er 12 Jahre lang war, die Rolle, die ein ehemaliger Terrorist in seinem Leben spielt – einem anderen Kandidaten würde das schon längst das Genick gebrochen haben. Nicht Obama. Warum?

Haben wir das nicht alles schon einmal gesehen? Gab es im 20. Jahrhundert nicht so einige „geborene Führer“, die die Massen verzaubern konnten? Ich bin kein ausgebildeter Psychologe und möchte hier keine Diagnose stellen. Aber aufgrund einiger Hinweise, auf die ich im Folgenden noch kurz eingehen werde, bin ich dabei, mir den Herrn Obama genauer anzuschauen. Vor allem seine Körpersprache. Und ich habe bisher keine Einwände gegen das, was Dr. Ali Sina sagt und schreibt. Ali Sina ist ein Ex-Muslim aus dem Iran, der den Aufstieg Khomeinis noch miterlebt hat und der jetzt in Kanada lebt. Er betreibt seit vielen Jahren die Website faithfreedom.org. Nicht nur Ali Sina ist davon überzeugt, das die Ungeheuer des 20. Jahrhunderts, namentlich Hitler, Mussolini, Stalin, Mao, Pol Pot, Kim Il-sung, alle von einem tiefgreifenden Verhaltensmuster geprägt waren, in dem ein Gefühl der eigenen Großartigkeit einhergeht mit einem starken Bedürfnis nach Bewunderung, und das dabei mit einem Mangel an Empathie verbunden ist. Mit anderen Worten: Sie waren narzisstisch verhaltensgestört. Jeder Mensch hat narzisstische Anteile. Und wer so einen schrecklichen Beruf wie den des Politikers ausübt, braucht ziemlich hohe narzisstische Anteile. Wahrscheinlich ist der Übergang in die narzisstische Verhaltensstörung fließend. Die narzisstische Verhaltensstörung ist jedoch dann, im Unterschied zu mehr oder weniger hohen narzisstischen Anteilen, eine zerstörerische Krankheit. Narzisstisch Verhaltensgestörte zerstören Beziehungen und Familien. Als Sektenführer kann ihre Zerstörungskapazität schon große Menschengruppen umfassen. Als Führer von Massenbewegungen und von Nationen gehen ihre Opfer in die Millionen. Alle narzisstisch Verhaltensgestörten verfügen über eine manipulative Magie, die als Empathie missdeutet werden kann. Ihre Anhänger fühlen sich von ihrer Erhabenheit erhoben und verzaubert. Bis der Tag des Erwachens kommt. Ich teile die Besorgnis von Dr. Ali Sina und Sam Vaknin, Ph.D,  darüber, dass wir in den USA gerade die Entstehung einer linksfaschistischen Massenbewegung um einen narzisstisch verhaltensgestörten Führer beobachten können. Ob es sich bei Obama tatsächlich um einen narzisstisch Verhaltensgestörten handelt, werden wir im Falle seiner Niederlage ziemlich schnell herausfinden – weil bei einer Niederlage narzisstisch Verhaltensgestörte die Maske üblicherweise fallen lassen.

Das ist meine Prognose: Obama wird verlieren. Und zwar trotz aller gegenteiligen Umfragen. Wie in Österreich, wie in Kanada liegen die Umfragen falsch. Die politisch korrekte öffentliche (veröffentlichte) Meinung ist so einschüchternd dominierend, dass bei den Umfragen viele Menschen lügen oder die Antwort verweigern. Aber in den Wahlkabinen fragt sie hoffentlich niemand.

Und jetzt noch etwas über den Cowboy, der bald einsam in den Sonnenuntergang reiten wird: Farewell, Mr. Bush! Er kam leider auch aus der Maschine, aber er hat seinen Job besser gemacht, als es von jedem seiner beiden möglichen Nachfolger zu erwarten ist. Er besitzt menschliche Größe, die den meisten seiner Gegner abgeht. Heute wird ihm für alles die Schuld gegeben. Beschwert er sich deswegen? Jammert er und zeigt mit dem Finger auf seine unzähligen Feinde? Nein, vom ersten Tag seiner Präsidentschaft an hat er die öffentliche Schmähung akzeptiert und ist stoisch seinen Weg gegangen. Ich bin sicher: In vier Jahren wird sich die öffentliche Beurteilung seiner Präsidentschaft um 180 Grad gedreht haben. Und diese vier Jahre wird er in seiner nach höchsten ökologischen Standards eingerichteten Ranch gut abwarten können, während sich Weltenretter Al Gore vielleicht bald Gedanken darüber machen muss, wie er den Strombedarf einer Kleinstadt auf seinem Anwesen weiter decken kann.

Internet

Anti-Sarah-Palin-Site

Dr. Ali Sina über Obama

Sam Vaknin, Ph.D, über Obama


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