05. März 2009

Japan, Dubai, Deutschland und der ganze Rest Kapitalismus – kein Ende in Sicht

Mal sehen, wie weit sie diesmal kommen…

Wer erinnert sich noch an die fast hysterische Debatte in den achtziger Jahren über Japans Rolle als gigantische und demnächst führende Wirtschafts- und Weltmacht? Ganze Literaturgenres (Cyberpunk) zelebrierten die Überlegenheit japanischen Managements und japanischer Lebensführung. Heute redet niemand mehr über Japan. Es ist immer noch die zweitgrößte Industrienation der Welt. Aber seine Wirtschaft ist gelähmt.  Von 1989 bis 2003 hat der japanische Aktienmarkt einen Wertverlust von 80 Prozent erlitten. Die japanische Regierung hat jedes keynesianische, staatsinterventionistische Rezept ausprobiert. Dabei wurde Japan noch beträchtlich weiter zubetoniert. Ansonsten hat es nichts gebracht. Japan ist nie wirklich aus der Depression herausgekommen und wird nun von der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise übel erwischt. Letzte Woche hat Kazuo Momma, Chef der Abteilung Forschung und Statistik bei der Bank von Japan, davor gewarnt, dass die japanische Wirtschaft vor einer „unvorstellbaren“ Schrumpfung steht. Im Land der aufgehenden Sonne geht es nun wirklich den Bach runter. Die Exporte sind schon mal um 45 Prozent eingebrochen.

Und wie sieht es in Dubai aus? Da scheint die Sonne auf den höchsten Wolkenkratzer und das einzige Sieben-Sterne-Hotel der Welt. Doch vor dem Flughafen scheint sie auch auf einen Parkplatz, auf dem mehr als 3.000 verlassene Autos stehen. Ihre Besitzer, verschuldete Ausländer, sind geflohen, weil man in Dubai noch ins Gefängnis kommt, wenn man seine Schulden nicht mehr bezahlen kann. An einigen Windschutzscheiben kleben wertlose Kreditkarten und Entschuldigungsschreiben. In Dubai sind die gigantischen Öl-Einnahmen der letzten Jahre in eine Disneyland-Wüstenfantasie-Immobilien-Spekulation geflossen; in den Bau von künstlichen Inseln, Seen, klimatisierten Einkaufszentren, dem größten Skigebiet in der Wüste, einem Jurassic Park mit mechanischen Dinosauriern und Millionen von Wohnungen. Als die Musik im vergangenen Herbst stoppte und der Preis von Öl um mehr als zwei Drittel sank, hat es niemanden härter getroffen als die Dubai-Traum-Maschine. Manche Teile von Dubai – noch vor kurzem als die wirtschaftliche Supermacht des Nahen und Mittleren Osten bejubelt – schauen jetzt aus wie Geisterstädte. Auch über die künftige glorreiche Rolle Dubais als Modernisierer der muslimischen Welt sind schon Romane geschrieben worden. Es sieht wohl eher so aus, dass mit den fallenden Ölpreisen die muslimische Welt in Elend versinken wird.

Das sind nur zwei Beispiele. Wir könnten uns hier noch weitere Länder und Wirtschaftszweige anschauen: Eines nach dem anderen, Unternehmen für Unternehmen, Land für Land ... rutscht die ganze Welt in eine Depression. Natürlich sieht es für Länder anders aus, die noch eine industrielle, produktive Basis haben, als für solche, deren „Reichtum“ gänzlich seinen Ursprung in einer Öl-, Finanz- und Immobilienblase hatte. In Japan wird man immer noch gut leben können, wahrscheinlich auf einem Wohlstandniveau wie im Kerneuropa der 60er Jahre. Das gilt auch für Deutschland. Woanders wird man davon 2010/11, wenn die Depression auf Grund gelaufen ist, nur noch träumen können.

Natürlich wird diese Depression nicht das Ende des Kapitalismus sein. Systeme gehen unter. Nationen verschwinden. Völker sterben aus. Kapitalismus ist aber kein System, kein Plan, kein Programm. Er wurde nicht von irgendeinem Tyrannen erfunden, noch von einer weisen Versammlung beschlossen. Kapitalismus kennt keine Verfassung und hat keine Grenzen. Es ist nur die Anerkennung  grundlegender Prinzipien. „Du sollst nicht stehlen“, heißt es in der Bibel. Kapitalismus anerkennt das Eigentum von anderen. Der Bäcker hat das Recht auf seinen Backofen. Der Bauer hat ein Recht auf sein Land. Der Kapitalist hat ein Recht auf sein Geld. Was sie mit diesen Dingen machen, ist ihre Angelegenheit.

Werden sie dabei Fehler machen? Natürlich werden sie. Aber wie Adam Smith schon beschrieb, werden sie dabei auch den Wohlstand der Nationen zusammenbasteln.

Natürlich wird es auch immer Menschen geben, die das wollen, was die Kapitalisten haben. Überall und immer werden Diebe Gründe finden, um es ihnen abzunehmen. Wir werden die Umwelt besser respektieren, sagen sie. Wir werden in „sozial verantwortliche“ Projekte investieren, behaupten sie. Sie heilen die Lahmen und machen die Blinden sehen. Wenn sie nur an das Geld kommen!

Mal sehen, wie weit sie diesmal kommen, unsere Diebe der sozialen Gerechtigkeit.


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