Edgar L. Gärtner

Jahrgang 1949, Hydrobiologe, Wissenschaftsautor.

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Kopenhagen-Gipfel: Klima-Kreuzzug stößt auf Widerstand

von Edgar L. Gärtner

China wird zum wichtigsten Bündnispartner im Kampf gegen eine selbstmörderische Politik

04. Dezember 2009

Etwa zwei Wochen nach seiner Aufdeckung ist „Klima-Gate“ nicht nur bei Wikipedia, sondern auch auf der Titelseite der „Frankfurter Allgemeine“ vom 4. Dezember angekommen. Wichtiger als die nachträgliche Bekanntmachung eines in der Blogosphäre und in der angelsächsischen Presse längst ausgemachten Wissenschaftsskandals durch ein etabliertes deutsches Printmedium ist aber ein Artikel, den das Blatt im Feuilleton der gleichen Ausgabe unter dem Titel „Der neue Weltmoralapostel“ bringt. Der Autor Mark Siemons berichtet dort vom Peking-Gipfel der Entwicklungsländer Ende November und zitiert einen wenige Tage zuvor im Konkurrenzblatt „Die Welt“ erschienen Beitrag von Fiona Kobusingye, Vorsitzende der ugandischen Gruppe für Menschenrechte und wirtschaftliche Entwicklung CORE. Darin geißelt die Autorin den Versuch, den schwarzen Kontinent mithilfe des internationalen CO2-Emissionshandels für den Verzicht auf Entwicklung zu belohnen, mit scharfen Worten. Die Energie-Diät, auf die Klimapolitiker wie Al Gore oder Yvo de Boer, der Chef des UN-Klimasekretariats, die Menschheit setzen wollen, sei in Afrika längst verwirklicht. Sie bedeute in der Praxis Hunger, Krankheit und Tod. Kobusingye schreibt: „Den Menschen in Afrika zu erzählen, sie können keinen Strom und keine wirtschaftliche Entwicklung haben - außer dem bisschen, was einige kleine Windturbinen oder Solarzellen produzieren - das ist unmoralisch. Es ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Inzwischen bauen China und Indien jede Woche neue Kohle-Kraftwerke, und bringen damit ihre Leute aus der Armut heraus. Daher: selbst wenn Afrika verarmt bleibt - und wenn die USA und Europa die Atomkraft durch Windmühlen ersetzen - die globalen Kohlendioxid-Werte würden jahrzehntelang weiter steigen. (…) Wir brauchen den Handel, Produktion, Strom und Treibstoffe, um moderne Industriegesellschaften aufzubauen. Wir müssen tun, was China und Indien tun – uns entwickeln – und mehr Handel mit ihnen treiben.“
Wie FAZ-Redakteur Mark Siemons richtig bemerkt, kommt dem Bezug auf China strategische Bedeutung zu. Die Volksrepublik China dient trotz ihres nicht gerade sanften Vorgehens bei der Erschließung und Ausbeutung von Rohstofflagerstätten in Afrika gerade auch bei den ärmsten afrikanischen Ländern mehr und mehr als Vorbild für eine nachholende wirtschaftliche Entwicklung, die sich nicht am dekadenten und letztlich selbstmörderischen Leitbild der „Nachhaltigkeit“ orientiert, sondern die Befriedigung der Grundbedürfnisse der Armen in den Mittelpunkt stellt. Die „Klimapolitik“ erscheint immer mehr Afrikanern als Kreuzzug im Namen des Todes, während die chinesische Politik trotz aller Grobheiten die Hoffnung auf ein besseres Leben verkörpert. Die aktuelle Politik der chinesischen Führung unter Ministerpräsident Wen Jiabao erscheint ihnen umso attraktiver, als diese angesichts der noch längst nicht ausgestandenen internationalen Währungskrise diskret, aber nachdrücklich an der Entwicklung einer vom US-Dollar entkoppelten neuen Leitwährung auf der Basis eines Rohstoff-Index arbeitet. (Wir haben hier schon darüber berichtet.)

Kein Wunder, dass neben China auch Indien, Brasilien und Südafrika angekündigt haben, dem Ziel einer Halbierung der Treibhausgas-Emissionen bis 2050 im Vergleich zu 1990 nicht zuzustimmen.

Internet

Klima-Gate

Der neue Weltmoralapostel

Fiona Kombusingye: Africa’s real Climate Crisis

Dieselbe: Was soll die Klimadebatte – Afrika verhungert

Das nahende Ende einer Parenthese der Geschichte?

Schwellenländer lehnen Klimaschutzziele ab

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