Thomas Fink

Jahrgang 1954, Publizist.

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Wirtschaftlicher Zusammenbruch: Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

von Thomas Fink

Die Gerüchteküche hatte es mal wieder geahnt…

Es gab Gerüchte, aber es gab immer Gerüchte. Es gab ein seltsames Kommen und Gehen und eine Reihe von Rücktritten, über die niemand reden wollte. Solche Dinge geschehen. Instandhaltungsarbeiten wurden eingeschränkt. Lieferanten vermieden Anrufe. Das Verkaufspersonal verbrachte die Hälfte seiner Zeit mit Besuchen bei potenziellen Auftraggebern. Die Zeiten waren hart. Aber an einem Montag Morgen wurde allen alles klar.

WERK GESCHLOSSEN – MITARBEITER MELDEN SICH BITTE IM PROVISORISCHEN BÜRO DER ARBEITSAGENTUR IM PERSONALBÜRO.

Rückblickend war klar, dass alles so kommen musste. Die Gerüchteküche hat es mal wieder geahnt, es war alles so offensichtlich; wieso konnten wir es nicht kommen sehen?

Das Werk war schon lange vor der Schließung am Montag gescheitert. Die verschlossenen Tore und dunklen Gebäude sind das, was die Ökonomen „Realisierung“ nennen: Wenn der Verlust verbucht wird, wenn der Konkurs anerkannt und quantifiziert eingegeben wird. Zuerst kollabiert das System, dann bringen sich alle betroffenen und unterrichteten Stellen in die beste Position für den Augenblick der Realisierung.

So ist es mit unserer Wirtschaft. Zahlungsunfähigkeit zeichnet sich ab und das Manövrieren hat begonnen.

Unsere Wirtschaft ist gescheitert. Wir sind pleite und nähern uns dem Augenblick der Realisierung. Es ist anders als die Weltwirtschaftskrise in den 20er Jahren. Damals fand der Ansturm auf die Banken auf den Straßen statt, dieses Mal geschieht er in den oberen Etagen der Finanzinstitute. Derweil sehen unsere Gläubiger, wie wir unsere Schulden mit noch mehr Schulden zahlen und dabei schon fast nicht mehr in der Lage sind, die anfallenden Transaktionskosten und Zinsen zu decken. Und schlimmer noch werden wir spiralförmig in ein schwarzes Loch von Verpflichtungen gezogen (wie unter anderem die Renten der Baby Boomer), welche nicht durch eine Galaxie von Steuern zahlenden Planeten erfüllt werden können. Jeder einigermaßen Solvente entfernt sich auf Zehenspitzen, für den Rest bleiben lange Fackeln und Mistgabeln.

Es braucht keinen esoterischen Jargon und geheime Mathematik, um das Problem zu sehen. Arithmetik für die vierte Klasse reicht dazu. Auf Grundlage der Theorie, dass „Defizite keine Rolle spielen“ geben wir mehr aus, als wir einnehmen. Unsere Schuld ist jetzt größer als unser Vermögen. Wir leihen uns Geld, um unsere Schulden zu bezahlen. Unsere Verschuldung wächst. Unser Einkommen schrumpft. Unsere Gläubiger beantworten unsere Anrufe (nach Zahlungsaufschub und neuem Kredit) nicht mehr, und jene Bürger, welche noch „Telefon“ (versteuerbares Einkommen) haben, gehen auch nicht mehr ran, weil sie zu sehr mit ihrer Vernetzung in der Schattenwirtschaft beschäftigt sind.

Alle Schulden werden bezahlt werden müssen. Alle Schulden sind bereits bezahlt. So etwas wie unbezahlte Schulden gibt es nicht. Wenn ein Schuldner ein Darlehen nicht zurückzahlt, ist es der Gläubiger, der es bezahlt. Die  Komplexität der stattfindenden finanziellen Klempnerarbeiten sollte niemanden täuschen. Unsere Schulden werden von jemandem bezahlt werden. Das ist es, worum es bei dem derzeitigen Manövrieren geht. Der Zusammenbruch, den angsterfüllte Untergangspropheten voraussagen, hat bereits stattgefunden, das finanzielle Armageddon liegt hinter uns. Nur die Details der Realisierung bleiben; das heißt: Wer bekommt die Kugel und wer kommt einigermaßen unversehrt dabei weg? Immer eine chaotische und schmutzige Angelegenheit. Dieses Mal hat es ziemlich viel Druck. Der Werkschutz ist schon auf dem Weg zum Tor, das Vorhängeschloss in der Hand. Auf die eine oder andere Weise, dafür bereit oder nicht, senkt sich der Vorhang. Dann geht er wieder auf, für Manöver einer anderen Art.

15. März 2010

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