20. März 2010

Ein Gruß vom anderen Ufer Das evangelische Pädagogen-Netzwerk

Was die Medienkampagne gegen den Missbrauch in der Katholischen Kirche verschweigt

Die von Häme triefenden „Enthüllungen“ linker Medien über sexuelle Verfehlungen von katholischen Priestern, die oft Jahrzehnte zurückliegen, erinnern an „Moral“-Feldzüge der Nazis gegen ihre schwarzen Intimfeinde. Die Nazi-Sozis planten nach dem Endsieg, dem Christentum den Garaus zu machen, ebenso wie dies die Kommunisten „dem Regiment von Jesus“ zugedacht hatten. Der Vorwurf der Lüsternheit von Priestern ist als Begründung von „aufgeklärter“ Kirchenkritik seit dem Mittelalter eine beliebt-pikante Waffe gewesen.

Die unabdingliche Verurteilung von erzwungenem Sex darf nicht verdecken, dass die freiwillige Sexualität Ausdruck der Lebensfreude, ja für Christen ein Geschenk Gottes ist. Während der Einzelne sie zu seinem Wohlbefinden ausübt, pflegen politische Bewegungen die Sexualität zur Eigenwerbung in Dienst zu nehmen. So setzte auch die FDJ als Staatsjugend des SED-Staates den leichten Zugang zum Sex als Köder dafür ein, die Jugend für sich zu gewinnen..

Auch im „roten Jahrzehnt“ der deutschen Kulturrevolution, für die der Sexualkommunist Wilhelm Reich mit seiner als Raubdruck unzählige Male verschlungenen Programmschrift „Die sexuelle Revolution“ der Guru war, versäumte man nicht, die elementare Triebkraft der Sexualität ungenutzt zu lassen. Ein Vorkämpfer der sexualliberalen Sexualpolitik war der an Evangelischen Akademien tätig gewesene Pädagoge und Psychologe Helmut Kentler, der für sein Engagement mit einer Professur in Hannover belohnt wurde. Er hat 1970 bei Rowohlt seine „Sexualerziehung“ veröffentlicht, in der er sich auf Autoritäten wie Karl Marx und dem „Propheten des Orgasmus“ Wilhelm Reich stützte. Dieser suchte nach dem Urteil eines alt-marxistischen Puritaners „aus Turnhallen Bordelle“ zu machen. Für Reich war der Mensch „tierischer als ein Tier“ und zu seinem Lebensglück einer nicht durch „moralische Normen behinderten sexuellen Triebbefriedigung“ bedürftig.

Als kirchlicher Pädagoge setzte sich Kentler für antiautoritäre Jugendlager mit Sexualberatung und freier sexueller Betätigung ab 16 ein, für welche er vulgär so warb: „Einmal deine V… lecken ist viel schöner als Zucker schlecken“ Für diesen Star evangelischer Jugendarbeit geht „Intoleranz in sexuellen Fragen“ einher mit „Häufigkeit des Gottesdienstbesuchs“ So durfte sich denn auf dem „Forum Sexualität“ des „Deutschen Evangelischen .Kirchentags Ruhrgebiet“ die Feministin Herrad Schenk 1991 über die „Befreiung des weiblichen Ich“ auslassen. Sie zitierte dabei die Apo-Parole „F… wann man will und wie man will ist subversiv und hebelt die bürgerliche Gesellschaft aus den Angeln“. Auch proklamierte sie das Recht, seine „GeschlechtspartnerInnen frei wählen zu dürfen, anders- und gleichgeschlechtliche, das Recht auf Lust und Befriedigung.“

Mit dem Stichwort „gleichgeschlechtlich“ erteilte sie einen wichtigen Hinweis. Denn der 2008 verstorbene Wortführer der sexuellen Emanzipation Helmut Kentler ist als Mitglied der Ökumenischen Gesellschaft Homosexualität und Kirche nicht nur selbst ein Schwuler, sondern, wie in vielen Internetforen diskutiert, darüber hinaus ein Liebhaber von Knaben gewesen.

Kentler hat gemeinsam mit der „Ikone“ der bundesdeutschen Pädagogik Hartmut von Hentig sowie der Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger dem Beirat der linken Humanistischen Union angehört. Ein Schelm, wer sich etwas dabei denkt, dass diese Ministerin den sexuellen Missbrauch nun völlig einseitig bei der katholischen Kirche ortet. Hartmut von Hentig, dem der für die SPD engagiert gewesene Bischof Wolfgang Huber zu seinem 80. Geburtstag bescheinigt hat, dass ihm die evangelische Kirche „viel verdanke“, indem er sich etwa in den Kirchentag eingebracht habe, ist der langjährige „Lebensgefährte“ seines ehemaligen Assistenten, des studierten Theologen Gerold Becker. Diesem 1985 wegen seiner pädosexuellen Aktivitäten entpflichteten Leiter der Odenwaldschule haben seine Schüler nachgesagt: „Der Gerold steht auf kleine Jungs.“

Bemerkenswert ist, dass es Alice Schwarzers Feministenblatt „Emma“ war, welches es durch seinen Protest verhindert hat, dass der Knabenliebhaber Gerold Becker 1997 einen nach Magnus Hirschfeld, dem „Einstein des Sex“ und homosexuellen Gründer des „Institut für Sexualwissenschaft“ benannten Preis verliehen bekam: Ihm warf „Emma“ vor: „Er beurteilt sexuelle Kontakte, die von Männern ausgehen, für die betroffenen Jungs als sehr positiv. Er verwischt selbst häufig die Grenzen zwischen Päderastie und Pädophilie.“ Wie richtig das Blatt Alice Schwarzers mit vorwiegend lesbischer Leser- und Autorenschaft dabei lag, belegt auch dies: Der Musiklehrer von Beckers Odenwaldschule hat mit der Begründung, sie wolle doch wohl kein „spießiges schwäbisches Mädchen“ sein, eine 14-jährige Schülerin dazu moralisch genötigt , sich vor ihm bei einem „Strip-Poker“ zu entkleiden.

Obgleich Gerold Becker wegen seiner Übergriffe als Schulleiter entlassen wurde, waren der ihm gewogene Zeitgeist sowie seine Förderer so mächtig, dass das gegen ihn eingeleitete Ermittlungsverfahren 1999 eingestellt wurde. Als prominenter Pädagoge durfte er Mitarbeiter am Institut für Bildungsplanung und Schulentwicklung beim Hessischen Kultusminister bleiben und als Theologe die EKD bei schulischen Fachgesprächen mit dem Land Hessen vertreten. Ja, er wurde 1998 sogar in die Kammer für Bildung und Erziehung der EKD berufen. Nicht zuletzt ist er dadurch geadelt worden, dass er gemeinsam mit Hellmut Becker, dem Gründungsdirektor des Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, und seinem Mann Hartmut von Hentig, also mit zwei Top-Leuten des deutschen Erziehungswesens, das Redaktionstriumvirat der renommierten Pädagogen-Zeitschrift „Neue Sammlung“ bilden durfte.

Der mit Gerold Becker nicht verwandte „Bildungsbecker“ ist als junger Mann mit NSDAP-Parteibuch Assistent des NS-belasteten prominenten Juristen Ernst Rudolf Huber gewesen, des Vaters des Käßmann-Vorgängers Bischof Wolfgang Huber. Er ist in Nürnberg Verteidiger des als Kriegsverbrecher angeklagten Ernst von Weizsäcker gewesen, wobei ihm dessen Sohn Richard assistiert hat, der dann zum Präsidenten des Kirchentags und Bundespräsidenten aufgestiegen ist. Heike Schmolls Hintergrund-Artikel über den sexuellen Missbrauch, „Die Herren vom Zauberberg“, gibt diese kryptische Bemerkung eines ihrer „FAZ“-Kollegen über Hellmut Becker wieder: Er, der mehrere Kinder hatte und ein Topmann des  deutschen Kulturbetriebs gewesen ist, habe „kurative Beziehungen zu zahlreichen jungen Männern“ unterhalten.

Somit befand sich die Leitung der „Neuen Sammlung“ sämtlich in den Händen von Männern, die auch in der EKD engagiert waren und die ihr Eros zum „anderen Ufer“ getrieben hat. Im Zuge der von Herbert Marcuse geforderten „radikalen Umwertung der Werte“ ist die „Kriminalisierung“ des in hochgestellten Kreisen geübten Pädo-Sex als Repression und Gefahr begriffen worden. Daher haben die Grünen, von denen Daniel Cohn-Bendit über die Fummeleien eines kleinen Mädchens an seinem Hosenstall freimütig berichtet hat, sich etwa 1985 dafür eingesetzt, dass der Schutz minderjähriger Jungen und Mädchen vor sexuellen Handlungen von Erwachsenen abgeschafft wird.

Die Humanistische Union hat gegen die „kreuzzugartige Kampagne gegen Pädophilie“ Front gemacht. Noch im Juni 2000 brandmarkte sie den „derzeitigen gesellschaftlichen und staatlichen Umgang mit der Gruppe der Pädophilen“ als „Lehrstück aus dem ebenso alten wie offenbar aufklärungsresistenten Kapitel der Erzeugung von gesellschaftlichen Sündenböcken“. Im Herbst 2000 hat allerdings der Verbandstag der HU mit einer knappen Mehrheit von 56 Prozent beschlossen, dass sie pädosexuelle Kontakte „weder billigt noch unterstützt“.

Zu der in der Pädosexfrage gespaltenen progressiven Szene gehören die in der evangelischen Kirche dominierenden Linksalternativen, welche die meisten Schaltstellen der Kirche nach und nach besetzt haben. Während die Strategie, nach der das „schwule U-Boot in den Ehehafen einlaufen“ soll (Gregor Gysi) mittlerweile zu einem durchschlagenden Erfolg in Kirche und Staat geworden ist, sind die Anhänger des Pädosex in die Defensive geraten. Nachhaltig bleibt jedoch der Triumph darüber, dass die meinungsbildenden  „Evangelischen Kommentare“ 1997 in dem Artikel „Hochzeit in grün“ ungeniert die Sozialdemokraten dazu auffordern konnten,  die „ausgestreckte grüne Hand zu ergreifen“. Zu dem Herausgeberkreis dieser „Kommentare“ gestoßen war die in einer kommunistischen K-Gruppe politisierte, bis zur Bundestagsvizepräsidentin aufgestiegene und von Richard von Weizsäcker geschätzte grüne Bielefelder Pastorin Antje Vollmer, welche ihren Sohn demonstrativ und damals noch „revolutionär“ außerhalb der Ehe zur Welt gebracht hat. Nach dem jähen Fall der  Bischöfin und EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann beeilten sich die Grünen, ihrer Verwandten im Geiste in ihrer Partei eine neue Zukunft anzubieten

Die das biblische und bürgerliche Weltbild aushebelnde Kultur- und  Sexualrevolution vermochte einen frühen Durchbruch im Jahre 1993 zu erzielen, als Professor Helmut Kentler zwei pädagogische Mitarbeiterinnen der Evangelischen Akademien Bad Boll und Loccum promovierte. Monika Bartz und Herta Leistner legten gemeinsam eine Doktorarbeit vor, deren Untertitel lautet: „Der Beitrag der Tagungsarbeit zum Identitätsbildungsprozess lesbischer Frauen in der Kirche“. Mit dieser Schrift qualifizierte sich die „bekennende Lesbe“ Leistner für den Posten der Leiterin des Frauenbildungszentrums der EKD in Gelnhausen.

Ihre Dissertation enthält bemerkenswerte Informationen über kirchliche Akademien als „Orte lesbischer Kirchensubkultur“. Aufschlussreich genug unterlag der jährliche Bad Boller Rundbrief „Termine und Nachrichten für lesbische Frauen im Umfeld der Kirche“ einem „Schutzbeschluss: Nach ihm durfte der Bericht nur vertraulich verbreitet werden. Nicht jedermann sollte erfahren, dass die österlichen „Treffpunkte zum Entspannen, Tanzen, zur Partnerinnensuche“ da waren und dass bei ihnen eine „erotische Atmosphäre“ herrschte.

Gut möglich, dass dort auch „Sex im Rudel“ praktiziert wurde. So ist tatsächlich nicht lediglich für die Segnung von Zweierbeziehungen geworben worden, auch in einer Gruppe Sex Betreibenden sollte nach dem Willen der Alternativen der Segen nicht verwehrt werden. In der „Rosa Zone. Die Große Zeitung für Lesben und Schwule“ wurde dies im Dezember 1997 so publik gemacht: „Safer Sex Tips für Lesben. Gruppensex: Denkt Frau in trauter Zweisamkeit noch safe, so vergisst sie die Regeln im Rudel oft.“

Als Fazit lässt sich festhalten, dass die 1975 von Ernst Bornemann, einem Schüler von Willhelm Reich, in seinem „Patriarchat“ ausgerufene  „Sexual- und Eherevolution“ das „Dogma von der Vorrangigkeit der Heterosexualität“ besonders in der Evangelischen Kirche und damit auch der CDU nachhaltig erschüttert hat. Dies bezeugt das von der Weltfrauenkonferenz erdachte, von der EU übernommene und in den EU-Einzelstaaten putschartig ohne jede Diskussion eingeführte Programm des „Gender Mainstreaming“. Dieses beinhaltet außer sektiererischen Thesen über Geschlechtsumwandlungen und die alte Forderung der „Gleichstellung der Frau“ hinaus Züge eines Feminats, einer Frauenvorherrschaft. Der 1975 in der Reformuniversität Bielefeld, der Wirkungsstätte von Hartmut von Hentig, ausgerufene neomarxistische „Geschlechterklassenkampf“ hat also durchaus weit reichende Folgen gezeitigt, ja ist zu einer Pandorabüchse geworden.

Mit welchem Elan dieser im Marxismus wurzelnde Kampf geführt wird, offenbart die Tagung „Weibliche und männliche Homosexualität“ der Lippischen Landeskirche von 1994. Unweit des Hermannsdenkmals pries dort eine Feministin aus der Universität Bielefeld die „lesbische Existenz“ als  „Widerstandsform gegen das Patriarchat“, die Männern den „patriarchalischen Zugriff auf Frauen“ unterbinde. Da solch „Befreiungstheologie“ von jeglichen Geboten und Normen „frei“ mache, seien auch „unmoralische Beziehungen“ erlaubt. Denn es komme ausschließlich auf die „sexuellen Zufriedenheiten“ an. Dies ist offensichtlich auch die Auffassung des päderastischen Leiters der Odenwaldschule gewesen.

Eine derartige Rechtfertigung für sexuelle Übergriffe, wie sie alternative Kreise der evangelischen Kirche und der Humanistischen Union geliefert haben, ist aus der katholischen Kirche dagegen bislang nicht bekannt.

Nachtrag vom 29.03.10

Die Zeitschrift „Emma“ weist uns freundlich darauf hin, dass laut letzter „LeserInnen-Analyse" die „Emma" weit überwiegend von, wie sie schreibt, „normalen" Frauen gelesen wird, „nur 17 Prozent haben Frauenbeziehungen". Gerne sei dies hiermit den Frauen zuliebe korrigiert. Mann ist schließlich Gentleman! Ja, gerne verweisen wir auch weiter: Über den Versuch, das Pädophielen-Gesetz abzuschaffen, informiert nämlich auch die „Emma" sehr gut: www.emma.de und www.aliceschwarzer.de.


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Johannes Rogalla von Bieberstein

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