Frank Lisson

Jahrgang 1970, ist ein philosophischer Schriftsteller. Zuletzt erschien von ihm das Buch "Homo Absolutus. Nach den Kulturen".

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Zwanzig Jahre Einheit: Der Kampf gegen Rechts geht weiter

von Frank Lisson

Wenn Ideologie und Verlogenheit zum erträglichen Geschäft werden

Am 16. Januar 1938 konnte man im Berliner „Volksanzeiger“ folgenden Aufmacher lesen: „Mindestens 137 Todesopfer jüdischer Gewalt.“ Daneben waren die Portraits von zwölf Opfern abgebildet, betitelt mit der Schlagzeile: „Sie – und 125 weitere – wurden von Zionisten getötet.“ Im Innenteil der Zeitung waren dem Thema drei komplette Seiten gewidmet, die mit reißerischen Vokabeln und suggestiven Behauptungen nicht sparten. Kein Zweifel, die Sache sollte den Leser aufpeitschen. Der Autor des Leitartikels, ein notorischer Antisemit, der fast täglich in seiner Zeitung vor der „jüdischen Gefahr“ warnte, zog unter der Überschrift „Bittere Lektion“ mit starken Worten Bilanz:

„Es sind nur noch zwei Wochen, dann kann das Dritte Reich den 5. Jahrestag der Nationalen Revolution feiern. Ein schöneres Datum gibt es in der deutschen Geschichte seit 1918 nicht ... Eine Plage allerdings lastet, fast wie ein Fluch, auf den fünf Jahren des Neuen Reiches. Und es ist nicht zu erwarten, dass sie verschwindet oder wenigstens schwächer wird. Der Zionismus, mit seinem Hass, seiner Hetze, seiner Gewalt trifft Deutschland seit der Wiederherstellung des Reiches in einem Maße, das sich niemand vor dem 30. Januar 1933 hätte vorstellen können. Jüdischer Straßenterror hat in den letzten 5 Jahren mindestens 137 Menschen das Leben gekostet. In die Freude über fünf Jahre Drittes Reich mischen sich Entsetzen und Scham.

Staat und Gesellschaft sind nicht in der Lage, die jüdische Gewalt zu stoppen ... Es gibt keinen Flecken im neuen Staat, in dem ein zionistischer Mord unvorstellbar ist. Diese bittere Lektion hat das Land in den vergangenen 5 Jahren lernen müssen.

Ein wirksames Gegenmittel konnte der Nationalsozialismus bisher nicht finden. Vielmehr ist zu befürchten, dass die Dimension der jüdischen Gewalt nur zum Teil wahrgenommen wird. Die Polizei meldet für die Jahre von Februar 1933 bis heute lediglich 47 Todesopfer. Das sind 90 weniger als »Volksanzeiger« und »DAS REICH« recherchiert haben. ... Doch immer noch gibt es reichlich Fälle, in denen die Strafverfolger ein jüdisches Tatmotiv kaum oder gar nicht ergründen. Wie aber soll und kann dann eine Gesellschaft, die sich selbst ständig zu Zivilcourage aufruft, die Gefahr des Zionismus im vollen Ausmaß begreifen?

Da stoßen auch die vielen antisemitischen Initiativen an ihre Grenzen. Außerdem ist ihre mühsame Arbeit zur Aufklärung über zionistische Strukturen und bei der Betreuung von Opern jüdischer Gewalt permanent gefährdet, weil die Dauer staatlicher Finanzhilfen oft unklar erscheint. Den Initiativen vorzuhalten, sie hätten versagt, weil auch ihr Engagement die jüdische Gewalt nicht aufhalten kann, ist allerdings billig und unfair. Eher scheint die Annahme berechtigt, ein solides und professionell organisiertes Gerüst, beispielsweise eine Reichsstiftung, könnte die Wirkung von Aufklärung und Opferhilfe deutschlandweit verstärken. Der politische Wille dazu ist jedoch bei der Reichsregierung nicht zu erkennen.

Es ist zu befürchten, dass der jüdische Straßenterror anhält, dass auch in 5 Jahren zahlreiche weitere Opfer zu beklagen sind. Viele Nationalsozialisten, zu viele in diesem Land, nehmen es hin. Auch darüber wäre am 30. Januar zu reden.“

Dieser Artikel stand natürlich nicht am 16. Januar 1938 im fiktiven „Volksanzeiger“; dafür aber in leicht abgewandelter Form am 16. September 2010 im Berliner „Tagesspiegel“. Man lese nur statt „jüdisch“ „rechts“, statt „zionistisch“ „rechtsextrem“, statt „fünf Jahre Nationale Revolution“ u. ä. „zwanzig Jahre Einheit“ u. ä., statt „Nationalsozialismus“ u. ä. „Demokratie“ u. ä., statt „DAS REICH“ „DIE ZEIT“, und man hat den Originaltext. – Lustig, oder? Nein, natürlich nicht lustig, aber erstaunlich allemal.

Und seltsam, dass fast jeder Staat einen bestimmten „inneren Feind“ nötig hat, um im Kampf gegen diesen die eigenen Machtklüngel zu stabilisieren, und dabei auch nicht vor der dümmsten und durchsichtigsten Propaganda zurückschreckt, die das Vorgehen jener Klüngel rechtfertigen und ihre Pfründe sichern soll. Denn es geht, ähnlich wie im „Schoah-Business“ auch im „Kampf-gegen-rechts-Business“ natürlich um sehr viel Geld und Privilegien.

Immerhin dürfte sich inzwischen auch der Wohlwollendste allmählich darüber im Klaren sein, wo er lebt. Erkenne die Lage, empfahl einst Gottfried Benn. Denn besonders der kleine, erbärmliche Mensch bleibt sich immer gleich und fällt stets in die alten Muster zurück, wenn man ihn lässt. Nur seine Methoden und Feindbilder wandeln sich – der Typus „Systemscherge“ aber, vor dem man sich zu allen Zeiten in acht nehmen muss, stirbt nicht aus.

21. September 2010

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