25. Oktober 2010

Interview "Nun setzt sich die rote SA in Marsch"

Platzt Antifeminismustreffen wegen linksextremer Gewalt?

Urs Bleiker ist der Präsident des "Vereins Antifeministen", der am 30. Oktober 2010 ein internationales Antifeministentreffen in Ütikon/Zürich stattfinden lassen will. Erwartet werden etwa 140 Teilnehmer unter anderem aus Deutschland, Österreich, USA, Schweden und Spanien. Nachdem schon in den vergangenen Wochen die Presse weltweit über dieses Treffen berichtet hatte, haben sich auch Journalisten vom WDR, der "Zeit" und der New York Times dafür angekündigt. Gleichzeitig gibt es aber von Linksextremen Gewaltdrohungen, die dieses Treffen scheitern lassen sollen (ef berichtete). Wir haben Urs Bleiker zu diesen Entwicklungen befragt.

ef: Herr Bleiker, diesen Samstag findet das von Ihnen und René Kuhn geplante internationale Antifeminismustreffen in Ütikon/Zürich statt. Wie ist so kurz davor der Stand der Dinge?

Urs Bleiker: Der Stand ist der, dass sich nun auch die nichtstaatlichen Gegenkräfte lautstark und agressiv zu Wort melden und Drohungen gegen uns aussprechen. Es kursieren Aufrufe, unsere Veranstaltung zu stürmen und uns "aufs Maul" zu geben. Das Gemeindehaus von Uitikon-Waldegg wurde mit Farben verschmiert, ebenso das Giardino Verde. Wir erinnern uns: Der Pächter des der Stadt Zürich gehörenden Restaurants "Die Waid" und die dem Kanton Zürich gehördende Zürcher Kantonalbank hatten die ersten Versuche unternommen, uns zu verhindern. Nachdem dies jedoch nicht zum Ziel geführt hat, setzt sich nun die "rote SA" in Marsch.

ef: Wie ernst nehmen Sie und Herr Kuhn diese Drohungen und wie werden Sie als Veranstalter damit umgehen?

Urs Bleiker: Wir nehmen das auf jeden Fall ernst. Wie wir damit umgehen werden, wird wohl heute oder spätestens morgen entschieden.

ef: Können Sie denn schon sagen, ob Ihr Treffen trotz dieser Drohungen und der ersten Übergriffe stattfinden wird?

Urs Bleiker: Leider kann ich das derzeit nicht.

ef: Tatsächlich? Normalerweise sollten die Schweizer Behörden doch dafür sorgen, dass eine solche Veranstaltung durchgeführt werden kann, ohne dass Blut fließt?

Urs Bleiker: Die Polizei sollte heute noch eine Einschätzung der Lage abgeben. Dazu kommt noch ein weiteres Problem. Die Polizei könnte allenfalls die Veranstaltung schützen. Aber wir sollten nicht vergessen: Das Giardino Verde kann nicht die nächsten Tage, Wochen oder Monate rund um die Uhr geschützt werden.

ef: Wie zufrieden sind Sie denn damit, wie der Schweizer Staat - und die Schweizer Medien - mit dieser Situation umgehen?

Urs Bleiker: Mit dem Staat, der den Feminismus zur Staatsideologie gemacht hat, bin ich im Generellen natürlich sehr unzufrieden. Wir wollen jetzt aber mal sehen, was die Polizei sagt und macht. Die Reaktionen der Medien sind sehr durchmischt. Sie reichen von pauschaler Verunglimpfung bis hin zu vorsichtig wohlwollender Berichterstattung. Ich hatte mit mehr Ablehnung durch die Medien gerechnet.

ef: Immerhin könnte man ja auch argumentieren: Die Medien habe durch Bezeichnungen der Kongressteilnehmer als "Frauenfeinde" und "Machos" erst zu den linksradikalen Beschimpfungen ("Vollidioten" etc.) aufgestachelt. Und in etlichen Artikeln über die Veranstaltung wurde erwähnt, dass René Kuhn linke Frauen ästhetisch wenig reizvoll findet. Das wäre so, als wenn man bei jedem Bericht über die FDP-Politikerin Cornelia Pieper erwähnen würde, dass sie den Mann als "halbes Wesen" bezeichnet, das "von der Evolution überholt" wurde. Sie sehen die Medienresonanz auf Ihr Treffen dennoch differenziert?

Urs Bleiker: Dass gewisse Medien zu dem Klima beigetragen haben, ist richtig. Zu erwähnen wäre hier zuallererst der "Tagesanzeiger", der uns als "Frauenhasser" bezeichnet hat. René Kuhn hat Feministinnen als "linke, zerlumpte Weiber" und als "Vogelscheuchen" bezeichnet. Das ist wahr. Wahr ist aber auch: Ohne diese pointierten Aussagen hätte sich niemand für uns interessiert. Offensichtlich muss der Mann erst richtig auf die Tisch hauen, damit er überhaupt wahrgenommen wird.

ef: Trotz Kuhns damaliger Herabsetzungen überrascht doch die Heftigkeit der Proteste gegen Ihre aktuelle Veranstaltung. Wie erklären Sie sich eine derartige Inbrunst, einen dermaßen starken Hass?

Urs Bleiker: Erstens waren das schon immer die Methoden der Feministen. Wir sehen hier also nichts Neues. Zweitens muss öffentlicher Widerspruch wie ein Schock wirken. Widerstand sind sich Feministen schlicht nicht gewohnt. Drittens darf man nicht vergessen, wie extrem erfolgreich diese Strategie seit Jahrzehnten ist. Zudem bleibt, wo Argumente gänzlich fehlen, ausser Hass und Herabsetzung des Gegenübers ja auch nicht viel übrig.

ef: Mal ganz davon abgesehen, dass die Meinungsfreiheit natürlich auch für Konservative gilt: Wie zutreffend ist denn überhaupt die Befürchtung der kommunistischen Gruppen, es handele sich bei Ihrem Treffen um eine "rechte Veranstaltung"? Stellt Ihr Verein tatsächlich eine rein konservative Plattform dar?

Urs Bleiker: Da müssen wir unterscheiden: Das Treffen ist eine politisch völlig neutrale Plattform für verschieden Organisationen, welche sich vorstellen. Wir sind bloss das Organisationskomitee. Zum anderen gibt des den Verein. Viele Mitglieder sind da tatsächlich liberal-konservativ. So lehnen die meisten jegliche staatliche Geschlechterpolitik ab. Und auch René Kuhns politische Haltung ist bekannt. Man kann sie wohl am ehesten als rechts-libertär bezeichnen. Diese Bezeichnung würde ich aber auf jeden Fall für mich gelten lassen.

ef: Die linken Extremisten beziehen sich bei ihrer Agitation explizit auf ein aufstachelndes Pamphlet des Publizisten Thomas Gesterkamp für die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung, das allerdings (unter anderem vom dem Männerforscher Professor Walter Hollstein in der "Welt") als pseudowissenschaftlicher Unfug zerpflückt wurde. Welchen Einfluss haben Ihrer Einschätzung nach Ideologen wie Gesterkamp auf die gewaltbereite linksextreme Szene?

Urs Bleiker: Einem Einzelnen wie Gesterkamp würde ich nicht zu grosse Bedeutung beimessen. In der Gesamtsumme aber ist die Wirkung der Desinformation von Medien, der Politik und feministischen "Wissenschaftlern" nicht zu unterschätzen.

ef: Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang auch, dass sich eine Dachorganisation Schweizer Männergruppen öffentlich von Ihrer Veranstaltung distanzierte, weil sie auf wichtige Fragen "falsche Antworten" gebe. Wie kam es denn dazu? Waren diese Leute überhaupt zu Ihrer Veranstaltung eingeladen? Und woher wussten sie schon Wochen vorher, dass man dort falsche Antworten finden würde?

Urs Bleiker: Diese "Männergruppen" wurden gar nicht eingeladen, weil sie feministisch geprägt sind. Die wussten daher schon vorher, dass die Antworten aus ihrer Sicht "falsch" sein werden, weil wir Antifeministen sind. Im Übrigen werden sich bloss einzelne Gruppen vorstellen, Antworten in dem Sinne werden nicht gegeben. Es ist keine Schlusserklärung im Namen der Teilnehmer vorgesehen. Erst später wird der Verein "Antifeministen" überhaupt mit seinen Antworten auf die feministische Ideologie an die Öffentlichkeit treten. Die müssen sich aber mit den Antworten der einzelnen Organisationen, welche sich am Treffen vorstellen werden, keinesfalls decken

ef: Warum unterstützen sogar Männergruppen eine offen männerfeindliche Ideologie? Mich erinnert sowas ehrlich gesagt immer ein wenig an so bizarre Gruppen wie "Juden für Hitler" ...

Urs Bleiker: Nun, im Fall des Feminismus ist es nichts Ungewöhnliches. Früher habe ich gedacht, der Feminismus sei ein Frauenproblem. So ungefähr in dem Stil, Frauen seien moralisch wohl ein wenig defizitär, und daher gäbe auch diese entsetzliche feministische Ideologie. Heute steht für mich fest: Der Feminismus ist nicht ein Frauenproblem, sondern ein Problem, wie Frauen und Männer auf das Thema "Frau" reagieren. Da haben Frauen wohl ihre Defizite, Männer stehen ihnen aber ganz offensichtlich in überhaupt nichts nach. Ich lerne über mein Engagement immer mehr Frauen kennen, die den Feminismus ebenfalls als zutiefst ungerecht empfinden. Das ist sehr erfreulich und stimmt versöhnlich. Gleichzeitig betrachte ich heute Männer kritischer. Der Umgang vieler Männer mit Frauen ist von Feigheit und Unterwürfigkeit geprägt

ef: Welche Chancen sehen Sie nach den aktuellen Vorfällen für eine fruchtbare, konstruktive Auseinandersetzung mit Feministinnen?

Urs Bleiker: Keine!

ef: Das führt uns zuletzt zu der Frage, wie es zu dieser bedauerlichen Entwicklung gekommen ist. Wie konnte selbst in der freiheitlichen Schweiz eine Situation entstehen, in der Banken, Presse und Extremisten an einem Strang ziehen, um Meinungsfreiheit zu unterbinden?

Urs Bleiker: Die Schweiz ist ein westliches Land und befindet sich wirtschaftlich wie gesellschaftlich genauso wie alle andern westlichen Länder auf dem absteigenden Ast, auch wenn dieser Ast Deutschen derzeit vielleicht noch etwas höher zu hängen scheint als der eigene. Das Wichtigste aber ist: Wir wagen hier zum ersten Mal in der Geschichte die offene Konfrontation mit einer bisher unantastbaren totalitären Ideologie, die den Staat in vielen Belangen im Griff hat. Totalitarismus und Versammlungsfreiheit lassen sich nun einmal nur schwer miteinander vereinbaren. Das eine oder das andere hat zu weichen. Das ist wahrscheinlich ein kleiner Vorgeschmack auf das, was in Ländern mit einer weniger freiheitlichen Tradition geschehen wird, wenn es zum offenen Kampf gegen den Feminismus kommt. Es muss mit allem gerechnet werden.


Links:

Verein Antifeministen

Linksradikaler Aufruf "Den Antifeministen aufs Maul geben"

Die Söhne von Perseus (Schweizer Newsblog der Feminismuskritik)

Presse:

Feministen wollen Machos einheizen

Linksaktivisten verschmieren Gemeindehaus Uitikon

Giusep Fry bewirtet Antifeministen nicht

Antifeminismustreffen mit Security


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