27. Oktober 2010

Feminismus "Amt für Frauenkampf der Stadt Zürich" ruft zu Gewalt auf

Männerrechtler tricksen Linksextreme aus – diese treiben Eskalation voran

Zunächst sah es so aus, als müssten die Veranstalter des ersten internationalen Antifeminismustreffens gegenüber der linksradikalen Gewalt klein beigeben. "Anti-Feministen Treffen steht vor Absage" – so oder ähnlich titelten übereinstimmend mehrere Schweizer Zeitungen. Nach den Ausschreitungen von Terrorgruppen in dem Ort Uitikon/Zürich, wo das Treffen geplant war, sahen sich die Veranstalter zunächst in der Defensive. "Wer das Giardino Verde kennt", berichtete das Schweizer Newsblog "Die Söhne von Perseus" über das Lokal, in dem die Feminismuskritiker zusammenkommen wollten, "der weiss, dass es sich dabei um ein zehntausend Quadratmeter großes Areal handelt, das aus mit leicht zerbrechlichen Glaswänden abgetrennten, tropischen Gewächshäusern besteht. Zusätzliche Probleme mit der Versicherung und die Tatsache, dass dieser Ort nur durch mehrere Kompanien von Polizisten vernünftig geschützt hätte werden können, machten ihn für diesen historischen Anlass in Anbetracht der rotfeministischen Terrorgefahr ungeeignet."

Nur unzureichende Unterstützung gab es auch von jenen, auf die die Veranstalter eigentlich glaubten, sich verlassen zu können. So verkündete Giusep Fry, Besitzer des Hotels Uto Kulm, der für das Catering des Treffens zuständig gewesen wäre, die Antifeministen nun lieber doch nicht zu bewirten. Und der Uitiker Gemeindepräsident Bruno Bauder erklärte, die Gemeinde habe sogar geprüft, ob es nicht rechtlich möglich sei, das Anti-Feminismus-Treffen schlicht zu verbieten. Angesichts der Terrordrohungen – oder gar schon angesichts der unerwünschten Meinungen? – wurden die demokratischen Ideale, auf die die Schweiz sonst zu Recht sehr stolz ist, eilfertig über Bord geworfen. "Anstatt jene zu schützen, die ihr verfassungsmässiges Recht auf Versammlungsfreiheit ausüben wollen", zitiert die größte Schweizer Gratiszeitung "20 Minuten" dazu den Rechtsanwalt David Gibor, "kuscht man vor jenen, die öffentlich zu Gewalt aufrufen und sich damit strafbar machen." Auch unpopuläre Randgruppen hätten das Recht auf freie Meinungsäußerung.

In diversen radikalfeministischen Internetblogs wurde das erwartete Einknicken der Männerrechtler vor der Gewalt bereits als Triumph gefeiert. "Gute Nachrichten aus der Schweiz!" hämte eine einschlägig bekannte "Anarchofeministin" reichlich voreilig. Und der Verfasser eines Blogs mit dem treffenden Namen "Gedankensalat" distanziert sich zwar verbal von den Gewaltdrohungen, äußert dafür aber zugleich großes Verständnis: "Was haben die erwartet?" heißt es dort. "Dass alle zurückzucken und eingeschüchtert und still abwarten, was diese Truppe zu sagen hat?" Sein Mitleid halte sich in engen Grenzen, denn: "Wer nicht hören will …" Das weckt dann doch ungute Erinnerungen an die "klammheimliche Freude" manches RAF-Sympathisanten in den siebziger Jahren. Sonstige, vielleicht sogar ernstzunehmende Distanzierungen von dem gegenwärtigen Terror in irgendeinem der feministischen Blogs? Keine Silbe. Hier herrscht allerorts nur vielsagendes Schweigen.

Und dann schließlich, am Dienstagabend, die Nachricht des "Vereins Antifeministen", auf die viele gewartet haben: Man denke gar nicht daran, vor den Gewaltdrohungen klein beizugeben.
"Die Interessengemeinschaft Antifeminismus hat beschlossen, das 1. Internationale Antifeminismus-Treffen vom kommenden Samstag durchzuführen" erfährt man in einer Rundmail an die Teilnehmer. "Es geht nicht an, dass durch einen öffentlichen Aufruf zu Gewalt und Schmierereien an Hausfasaden ein Treffen verhindert werden kann und somit die Versammlungs-, Rede- und Meinungsfreiheit eingeschränkt wird." Stattdessen hatten die Veranstalter offenbar seit längerem einen Plan B in der Tasche, falls es zu den durchaus erwartbaren Ausschreitungen kommen sollte. Jetzt fällt lediglich das ungastliche Uitikon als Ort der Veranstaltung aus. An seine Stelle tritt ein anderer Treffpunkt, der erst zu gegebenem Zeitpunkt mitgeteilt werden soll, damit die Sicherheit sämtlicher Teilnehmer gewährleistet ist. So weit ist es in der Schweiz also schon gekommen.

In der Schweizer Presse findet man plötzlich den ersten Lichtblick. So erklärt Michèle Binswanger es im "Tagesanzeiger" für einen Fehler, dass Linksextremisten die Antifeminismus-Tagung verhindern wollen. Zwar widmet auch sie den Kritiker des Feminismus die offenbar obligatorischen Herabsetzungen ("reaktionär", "kämpferisch-verhärmt" und "lächerlich" seien sie) und stellt ihre wilde Phantasie, dass diese "die Zeit zurückdrehen und sich im Patriarchat wieder gemütlich einrichten wollen" als Tatsache hin. Aber zugleich erkennt sie ohne Umschweife an: "Es ist tatsächlich an der Zeit, dass man sich darüber Gedanken macht, inwiefern Frauen noch benachteiligt werden, oder ob es nicht auch Bereiche gibt, in denen eine Gegenemanzipation der Männer angezeigt wäre. Stichwort tiefere Lebenserwartung und höhere Selbstmordrate bei Männern, die härtere Beurteilung von Männern vor Gericht, ihre Benachteiligung in Familien- und Sorgerechtsfragen, Frauengewalt und Männerdiskriminierung." Ob man solche klaren Worte auch gelesen hätte, wenn die Schweizer Männerrechtler weniger forsch aufgetreten wären? Wenn man sich anschaut, wie wenig in den Medien bislang über das Thema "Männerdiskriminierung" zu lesen war, darf man das mit Recht bezweifeln.

Vielleicht, mutmaßt inzwischen der Blogger "Maskunaut", liegt es an der subjektiven Bedeutung der Wörter "Feminismus" und "Antifeminismus", dass trotz ihrer offensichtlichen Nähe zur Gewalt so viele spontan Partei für die feministische Ideologie und gegen ihre Kritiker ergreifen: "Viele Menschen haben eine recht eindimensionale, ja fast schon kindlich naive Vorstellung davon, was Feminismus ist. Feminismus ist für Frauen und ihre Rechte, und wer gegen Feminismus ist, muss selbstredend auch gegen Frauen sein. Das ist zumindest die Schlussfolgerung, die sich aus dieser einfachen, plumpen Definition ergibt." Tatsächlich aber habe das feministische Ideal der Gleichberechtigung "nichts mit dem heutigen von Dogmen und Denkverboten durchzogenen, männerverachtenden und männerausgrenzenden Glasperlenspieler-Feminismus gemein". Wenn sich heute linksextremistische Gruppierungen auf dieses Ideal bezögen, " um ihren antidemokratischen und zutiefst sexistischen Gewaltgelüsten freien Lauf zu lassen", sei das nichts weiter als Maskerade.

Heute stelle sich der Feminismus "Männern aktiv in den Weg, sobald sie einmal legitime Forderungen für das eigene Geschlecht formulieren. Mit seinem Geflecht von Gleichstellungsstellen und Beauftragten verteilt er Gelder stets so, dass sie nur dem weiblichen Teil der Bevölkerung dienen, und überall dort fehlen, wo Jungen und Männer mit existentiellen Problemen zu kämpfen haben und dringender Unterstützung bedürfen. Dieser sogenannte Feminismus will das Opfermonopol sicher in den Händen der Frauen wissen und schließt Männer vom Mitgefühl der Gesellschaft aus. (...) Nährboden dieser Hegemonie ist ein bis zur Perversion zelebrierter Opfernarzissmus, der per Definition Frauen zu ewigen Opfern und Männer zu ewigen Tätern erklärt. (...) Man betrachte hierzu einerseits, wie Frauen heute stetig aufs Podest gehoben, als empowerte Alphamädchen gefeiert werden, hingegen Männer als fleischgewordene Nutzlosigkeit, Gewalt und Triebhaftigkeit diffamiert werden. Man betrachtete andererseits, mit welchem Elan wieder und wieder mantrisch die Opferrolle der Frau zementiert wird." Antifeministen verlangten das Ende dieser Einseitigkeit – und nicht etwa, wie so gerne behauptet, das Zurückdrängen der Frau an den Herd und das Ende der Emanzipation. "Antifeministen fordern, dass Männern dieselbe Menschlichkeit, dasselbe Mitgefühl und dieselbe Unterstützung entgegengebracht wird wie Frauen." Was bitte, fragt der "Maskunaut" nicht nur rhetorisch, sei an dieser Forderung skandalös?

Aber ob derlei bedächtige Argumente in der immer schriller werdenden Agitation der radikalen Linken überhaupt noch gehört werden? Längst schon ist nämlich die nächste Eskalationsstufe erreicht: Am Mittwochmorgen hängten die Extremisten in öffentlichen Verkehrsmitteln Plakate auf, deren Farbe, Schrift und Typografie exakt so aussieht, als handele es sich um Informationen der Stadt Zürich. Als Herausgeber zeichnet indes ein "Amt für Frauenkampf der Stadt Zürich" verantwortlich – das natürlich nicht existiert. Auf diesen Plakaten werden drei Etappen angekündigt, darunter "den Antifeministen den Raum nehmen", "den Sexisten aufs Maul geben" sowie "Kapitalismus und Patriarchat zerschlagen". Diese Sprache kommt so manchem Leser merkwürdig bekannt vor.

Quellen:

20 Minuten: "Anti-Feministen vor Rückzug"

Tagesanzeiger: "Männer in der Opferfalle"

Der Maskunaut: "Von weiblicher Hegemonie und Antifeministen"

Tagesanzeiger: "Amt für Frauenkampf der Stadt Zürich" ruft zu Gewalt auf


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