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![]() Jg. 1969, Medienwissenschaftler und Journalist. Regelmäßiger Kolumnist der Zeitschrift eigentümlich frei. ef-Sucheef-EinkaufspartnerWenn Sie ef-online unterstützen möchten, starten Sie bitte Ihre Amazon-Einkäufe mit Klick auf diesen Button: ef auf FacebookBesuchen Sie uns auch auf Facebook: |
Interview: "Womöglich brauchen wir wirklich keine Gleichstellungsbeauftragte mehr"von Arne Hoffmann Die Kontroverse um Monika Ebeling spitzt sich zu Darf Gleichstellungspolitik in Deutschland auch männer- und jungenfreundlich sein? Diese Kontroverse (eigentümlich frei berichtete) ging in den letzten Tagen in voller Schärfe weiter. Gegen eine nicht-sexistische Geschlechterpolitik agitiert etwa die Linkspartei der Stadt Goslar: Unter der in diesem Zusammenhang skurrilen Überschrift "Erst miteinder reden – dann entscheiden" (sic!) stammelte deren Vorsitzender Rüdiger Wohltmann einen Text in den Goslarer Generalanzeiger, in dem er "der Goslarer Gleichstellungsbeauftragten, Frau Monika Dittmar" (sic!) eine "Verlinkung der städtischen Homepage mit rechtsnationalen Gedankengut" (sic!) unterstellte. Gemeint sind offenbar Monika Ebeling (geborene Dittmer) und die Website des "Väternotrufs", auf der sich allerdings keinerlei "rechtsnationalen Gedankengut" findet – wovon sich durch den untenstehenden Link jeder selbst überzeugen kann. Tatsächlich prangert der "Väternotruf" mit scharfen Worten an, dass die "reaktionäre" bundesdeutsche Rechtsprechung dem "braunen Rattenfänger" (Adolf Hitler) ideologisch folge, wenn sie weiterhin das Recht der Mutter vor das Wohl des Kindes stelle. Mit ihrem Anzeigentext bewegt sich die Goslarer Linke somit wohl nicht nur strafrechtlich mindestens an der Grenze zu übler Nachrede beziehungsweise Verleumdung. Vor allem schließt diese Partei mit solchen Schnitzern einmal mehr an eine SED-Rhetorik an, in der auch die Berliner Mauer mitsamt ihrem Todesstreifen als "antifaschistischer Schutzwall" rechtfertigt wurde. Alles erscheint legitim, wenn es nur einem – mitunter wild herbeiphantasierten – Kampf "gegen rechts" untergeordnet werden kann. Der neue Staatsfeind dieser Ideologie, der, wenn er schon nicht mehr komplett ausgemerzt werden kann, dann wenigstens beruflich und politisch aus dem Verkehr gezogen werden soll, sind sämtliche Kritiker des radikalen Feminismus – bis hin zur Gleichstellungsbeauftragten, die sich erdreistet, sich auch für Jungen und Männer einzusetzen. Vergangene Woche hatte ef-online Monika Dittmer schon einmal zu diesen Vorgängen im Interview befragt. Heute schildert sie ausführlicher, wie sich der Konflikt um sie entwickelt hat und was dahinter steckt. ef: Frau Ebeling, gleich zu Anfang möchte ich eine Frage nachreichen, die eigentlich noch in unser erstes Interview gehört hätte: Einige Leser unseres Magazins werden sich vermutlich sehr wundern, dass wir uns ausgerechnet für eine Gleichstellungsbeauftragte einsetzen. Ich weiß, das ist Ihr Job, aber die meisten von uns mögen keine Gleichstellungsbeauftragte – auch wenn sie männerfreundlich ist – sie wollen überhaupt keine Ämter und Funktionen dieser Art. Entsprechende Statements gibt es inzwischen auch im Web. Was möchten Sie darauf erwidern? Monika Ebeling: Als mich der Rat der Stadt Goslar beauftragte "Gleichstellungsbeauftragte" zu werden, hatte ich die Hoffnung, mich tatsächlich für Frauen u n d Männer einsetzen zu können. Ich weiß natürlich, dass ich damit die Erwartungen einiger Menschen, insbesondere einiger Frauen, enttäuschen muss. Nämlich jener Frauen, die unserer Gesellschaft eine Geschlechterhierarchie zu Ungunsten der Frauen bescheinigen. ef: Welche Reaktionen gab es sonst nach unserem ersten Interview und diversen Wortmeldungen Ihrer Unterstützer? Bewegt sich etwas in Goslar? Monika Ebeling: Es gab eine Welle der Empörung, die in Goslarer Büros und bei Politkern landete! Ich glaube, damit hat niemand in Goslar gerechnet. Man wähnte, es würde sich bei der Thematik um ein regionales Problem handeln und hat es womöglich auch noch auf einen "Zickenkrieg" unter Frauen reduziert. Daran können Sie sehen, wie wenig man sich, nicht nur in Goslar, mit der jahrzehntelangen Gleichstellungsarbeit und ihren Konsequenzen für unsere Gesellschaft politisch und öffentlich auseinandersetzt. Ein Manko, welches deutlich auch zu Lasten unserer Kinder geht. ef: Seit dem Hochkochen des Konfliktes um Sie behauptet die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Goslar plötzlich auf ihrer Website, sie wolle auch Männer unterstützen, die sich benachteiligt fühlten. Für wie glaubwürdig halten Sie diese Erklärung? Hat diese Dame je mit Ihnen Kontakt aufgenommen? Monika Ebeling: Es gibt wenige lockere Kontakte, aber keine konsensuale Zusammenarbeit. Ist doch aber eine schöne Entwicklung, die hoffen lässt. ef: Die Kampagne gegen Sie ist – vermutlich rein zufällig – gerade zu dem Zeitpunkt hochgekocht, als Sie in den Urlaub abgereist sind. In Ihrem Blog berichten Sie davon, wie Sie in den Tagen zuvor eine feministisch geprägte Aktion haben auffliegen lassen, für die auf von Bäckereien ausgegebene Brötchentüten der Slogan "Gewalt gegen Frauen und Kinder kommt nicht in die Tüte" gedruckt wurde. Was empfanden Sie hier als Anlass zu Kritik? Monika Ebeling: Ach, diese leidige Brötchentütengeschichte. Ich hatte davon bereits im Internet gelesen und weiß auch, welchen Ärger diese Aktion jedes Mal zu Recht in Väter- und Männerkreisen, aber auch bei Frauen, auslöst. Es ist ein Teil der bundesweiten Kampagnen gegen häusliche Gewalt. Keine Ahnung, wer diese Idee zum ersten Mal hatte. Die Tüte und auch diese Kampagnen, kommen scheinbar unschuldig daher, verkaufen aber knallhart eine Ideologie. ef: Ist es vorstellbar, dass Ihr Verhalten in dieser Sache der Auslöser dafür war, die Kampagne gegen Sie zu intensivieren? Monika Ebeling: Ich denke das läuft so in Wellen ab, weil ich ja nicht nachlasse in meinem Engagement für beide Geschlechter. Für einige Frauen, aber auch Männer, ist es schwer auszuhalten, was ich da tue. Dafür habe ich Verständnis. Aber auch diese Menschen müssen anerkennen, dass Leben ein Prozess ist und auch Gleichstellungspolitik im Wandel ist. ef: Ein anderer Beitrag in Ihrem Blog dreht sich um die Forderung, Frauenhäuser abzuschaffen. Als unlängst die Schweizer Interessensgemeinschaft Antifeminismus (IGAF) dasselbe forderte, ging ein medial geschürter Aufschrei durchs Land. Auch der Soziologe Professor Amendt, ehemaliger Leiter des Instituts für Geschlechter- und Generationenforschung an der Universität Bremen, wurde nach dieser Forderung vor allem auf polemischer Ebene angegangen. Sie, Frau Ebeling, sind anerkannte Familientherapeutin und seit Jahrzehnten in der Frauenarbeit aktiv. Was finden Sie an den bisherigen Frauenhäusern problematisch? Monika Ebeling: Nun, man löst keine Familienprobleme damit, dass man eine Familie auseinanderreißt. Im Gegenteil sollten alle Akteure an einen Tisch geholt werden und ihre Version darlegen dürfen. Dabei können geschulte Fachleute für entsprechende "Spielregeln, einen Verhaltenskodex und Schutz" sorgen. Die Frauenhausarbeit basiert auf der Idee einer Geschlechterhierarchie zu Ungunsten der Frau und instrumentalisiert Kinder in diesem Sinne gleich mit. ef: Gibt es überhaupt eine Chance, die bisherige Frauenhausarbeit sachlich auf den Prüfstand zu stellen? In der Vergangenheit wurde jeder, der das auch nur versuchte, mit dem demagogischen Vorwurf an den Pranger gestellt, er wolle geprügelten Frauen ihre letzte Zuflucht rauben; solche Forderungen seien insofern geradezu gemeingefährlich... Monika Ebeling: Das ist ein Totschlagargument! Ich glaube es gibt einen großen gesellschaftlichen Konsens für Gewaltlosigkeit und Opferschutz. Es ist deshalb unnötig und verwerflich, einem in der Frauenhausfrage kritischen Menschen zu unterstellen, er hätte keine Empathie für weibliche Opfer. ef: Wie sieht die Situation, was Frauenhausarbeit angeht, in Goslar aus? Monika Ebeling: Vielleicht sollten Sie sich einmal an die dortige Frauenhausleitung wenden. Wenn es nach mir ginge, dann würde ich gern in Goslar nach neuen Wegen gegen häusliche Gewalt suchen. Ich hatte schon einmal daran gedacht, eine Gewaltschutzwohnung für Männer zu initiieren. Aber eigentlich finde ich diesen Gedanken auch nicht mehr gut, denn es bleibt ja dann das Schema. ef: Sie betreuen selbst einen Notruf für männliche Opfer häuslicher Gewalt und haben sich kürzlich ein in privater Initiative gegründetes Gewaltschutzhaus angesehen, das keine staatlichen Zuschüsse erhält, beiden Geschlechtern offensteht und dessen Adresse auch nicht geheimgehalten wird. Was war Ihr Eindruck von diesem neuen Ansatz in der Gewaltbekämpfung? Monika Ebeling: Vor Jahren habe ich einmal einen Bericht auf „Arte“ gesehen. Da war die Rede von einem Frauenhaus in den USA, welches sich öffentlich präsentiert. Mich hat das fasziniert. Ich denke tatsächlich, wenn eine Frau (oder ein Mann) Opfer von Gewalt werden, dann brauchen sie sich nicht zu verstecken. Offenlegung: Monika Ebeling ist Mitglied der geschlechterpolitischen Initiative AGENS ("Mann – Frau – MITeinander"), in deren Vorstand sich der Interviewer Arne Hoffmann befindet. Links: Interview mit Monika Ebeling vom 26.04.2011 Die (der Goslarer Linken zufolge "rechtsnationale") Website "Väternotruf" Arne Hoffmans Blog, in dem er ebenfalls über aktuelle Entwicklungen berichtet 03. Mai 2011 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Frank Schäffler schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht. Diesen Artikel teilenAnzeigen |
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