31. August 2011

Athanasios die Glosse Satire, Titanic, Satanic

Der kleine Steuermann Leo Fischer

„London setzt Breivik ein: Jugendkrawalle gestoppt“, so titelt im September das endgültige Satiremagazin. Im Hintergrund zieht ein Kommando der englischen Polizei vor Flammen in den aussichtslosen Einsatz. Im Vordergrund schaut der norwegische Massenmörder Anders Breivik proper in Anzug und Krawatte den Leser an, als habe er soeben einen Orden verliehen bekommen. Wie dieser Orden prangt an seiner Brust ein roter Stern mit der Aufschrift: „Go, Anders, go!“

Mancher Leser fand diesen Titel makaber, ja geschmacklos — bis ihm einfiel, dass ein linkes Magazin keine Deutung zulasse außer einer politisch korrekten. Das Bild überspitze die Bemühungen des Staates, die Hilferufe der Geschundenen mit harten Urteilen zu ersticken oder ihre hilferufenden Zungen durch einen Transferstop auszutrocknen. Nach meinem Dafürhalten ist diese Deutung richtig; sonst müsste man mir entgegenhalten, die Titanicer nähmen ihre Witze ernster als ihre Leser. Laut Witz würde der Einsatz von Special Agent Breivik nämlich Tottenham in jene saubere Zeile von Backsteinhäusern mit roter Telefonzelle verwandeln, mit der das Titelblatt auf der Webseite unterlegt war: „Endlich Ruhe auf der Insel…“ Nur wer brennende Viertel ruhigen vorzieht, dürfte sich dann freuen, dass der Ordnungshüter, der autoritäre Charakter in Breivik sein wahres Gesicht gezeigt hat.

Leo Fischer, der kleine Steuermann der „Titanic“, gibt auf seinem Facebook-Profil Windom Earle als Person an, die ihn inspiriert habe. In meiner Lieblingsfernsehsendung ist Earle ein ehemaliger FBI-Agent, der die Seiten gewechselt hat und dem Bösen als Erfüllungsgehilfe zur Hand geht. Er findet teuflischen Spaß daran, seine Mordopfer zu Schachrätseln anzuordnen. Anders Fischer. Er ordnet den Mörder wie das Opfer zu sinistren Lösungen im Spiel mit seinen linken Lesern an. Lachen sie, hat er wieder einmal gewonnen. Seine anderen Vorbilder sind Robespierre, Stalin und Mao.


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