14. September 2011

Athanasios die Glosse Schwarzer Kanal im amerikanischen Sektor

Verschwörungstheorien bis in die Massenmedien

Banken aus Amerika haben mittelmeerische Staaten zur Verschuldung verleitet, deren Schulden verschleiert und geben heute die Wettscheine aus, auf denen man gegen diese Staaten wetten kann. Solche und andere Verschwörungstheorien ersäuft Jan Fleischhauer im „Schwarzen Kanal“. Mit seiner Kolumne hat er den gleichnamigen Feindfunk neu aufgelegt, in dem die DDR das Westfernsehen zeigte, als wäre es deutschnational. Nur klebt er seinem Bundesadler kein Reichsbanner auf, sondern ein Sternenbanner.

Paranoiden Zwangsvorstellungen wie dem „Griechenland-Komplott“ würde ein „Presseorgan, das etwas auf sich hält“, niemals „größeren Platz“ einräumen, funkt Fleischhauer. Und vergisst, dass es sein „Spiegel“ war, der letztes Jahr eine schäbige, antisemitische Verschwörungstheorie zum besten gab. Oder zumindest vom „lunatic fringe“ der „New York Times“ abschrieb: Demnach habe die Wohltätigkeitsorganisation Goldman Sachs dem griechischen Staat schon anno 2000 Währungsswaps angedreht, in der Flasche von Haushaltsreinigern abgefüllte Kredite. Dafür soll Athen den Wohltätern von der Wall Street die Lottoeinnahmen, Flughafen- und Autobahngebühren der Zukunft überschrieben haben. In der NYT war auch zu lesen, Gary Cohn, die Nummer 2 von Goldman Sachs, habe der griechischen Regierung 2009 — im Wechsel auf die Gesundheit der griechischen Bürger — vergeblich einen neuen Swap angeboten.

Der Schwarze Kanal im amerikanischen Sektor vermeldet: Sollten diese Gerüchte einen wahren Kern haben, dann hat sich Goldman Sachs nur aus Mitleid mit den Armen und Schwachen den Griechen zugewendet. Sie sollten in der Euro-Zone genesen. Wenn die Heilsarmee der Finanzwelt in einem Bericht dieses Jahres empfiehlt, gegen den Euro zu spekulieren, weil der durch die Rettungspakete weiter geschwächt werde, sorgt sie sich nun eben um das Wohl ihrer Kunden. Man kann es allen recht machen. Nur nicht allen zugleich.


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