10. Oktober 2011

„Rettungsschirme“ Inflation oder Steuerlast werden Deutschlands Bürger erdrücken

Schuld sind Politik und Zentralbank, nicht Chinas Rohstoffhunger oder Spekulanten

Die durch den Verbraucherpreisindex gemessene amtliche Inflation liegt aktuell bei einem Drei-Jahres-Hoch von 2,6 Prozent. Dies liegt deutlich über der Zielinflationsrate von 2,0 Prozent. „Experten“, so heißt es vielfach in der Presse ohne konkret zu werden, führen diesen Anstieg des allgemeinen Preisniveaus vor allem auf den Anstieg der Energiepreise zurück. Zwar würde die Weltwirtschaft voraussichtlich jetzt wieder etwas „abkühlen“, was die Inflation wohl wieder senken würde, doch berge allgemein der „Rohstoffhunger“ der Schwellenländer, so ist man sich unter „Fachleuten“ einig, Inflationsgefahren.

Tatsächlich ist es aber unmöglich, dass Wirtschaftswachstum oder eine höhere Nachfrage nach Energie das Preisniveau nach oben treiben. Im Gegenteil werden die Preise gerade dann steigen, wenn das Wirtschaftswachstum abnimmt oder die Wirtschaft schrumpft, und umgekehrt senkt Wirtschaftswachstum das Preisniveau, wie wir noch sehen werden. Der wahre Grund für Inflation, also die Entwertung des Geldes, ist natürlich, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Geldmenge und somit das Geldangebot durch Drucken von Geld ständig erhöht. Allein in den vergangenen vier Krisenjahren seit Ende 2007 hat die EZB ihre Bilanz und damit die Basisgeldmenge fast verdoppelt. Das gedruckte Geld wurde gebraucht, um die Insolvenz von Banken und bei Banken verschuldeten Staaten zu verschleppen, um einen vermeintlichen „Systemkollaps“ zu verhindern und so die Milliardengewinne und Millionengehälter von auserlesenen Banken und ihren Managern auf Kosten des Prekariats, dem „Wahlvolk“ ohne Wahl, zu finanzieren.

Dieser Beitrag soll helfen, den Zorn der Wutbürger auf die Personen zu lenken, die gleichzeitig Krisenverursacher und Krisenprofiteure sind. Das sind die Zentralbanker und ihre Agenten in den „privaten“ wie „staatlichen“ Geschäftsbanken, die uns im Auftrag der Zentralbank als Prinzipal unser Geld erst durch Entwertung gewaltsam wegnehmen, um es dann für sich selbst zu verjubeln. Kein Wunder, dass diese Fürsten des Geldes und ihre „Volkswirte“ dem primitiven Volk einen anderen Schuldigen für die Geldentwertung präsentieren: Den energiehungrigen Chinesen!

Chinas „Rohstoffhunger“ senkt die Preise und erhöht sie nicht

Der „Energiehunger“ der Chinesen und das damit einhergehende globale Wirtschaftswachstum, das wir unter anderem der Liberalisierung des chinesischen Marktes verdanken, werden für die Inflation verantwortlich gemacht. Dies, obwohl die Energienachfrage der Chinesen und das Wirtschaftswachstum den Geldwert erhöhen und so der allgemeinen durch die Erhöhung der Geldmenge verursachten Geldentwertung entgegenwirken. Der Wohltäter wird zum Übeltäter gemacht. Wenn China beispielsweise Erdöl zur Energieerzeugung auf dem Weltmarkt kauft, muss es das Geld dazu zwangsläufig vorher durch Exporte verdienen. Dazu muss es dem Ausland Güter anbieten, die ihm mehr wert sind als das Erdöl. Denn nur dann entscheiden sich beispielsweise Käufer aus Deutschland dafür, chinesische Waren zu kaufen anstelle von Erdöl. Und nur dann kann China Geld aus dem Ausland erhalten, welches es dann dafür einsetzen kann, Erdöl auf dem Weltmarkt zu kaufen.

Wenn sich wie im dargestellten Fall deutsche oder andere Käufer dafür entscheiden, chinesische Waren anstatt von Erdöl aufzukaufen, dann geschieht dies nur, weil sie die Waren dem Erdöl vorziehen. Dementsprechend stellt das chinesische Warenangebot für sie eine Verbesserung gegenüber dem bloßen Kauf von Erdöl dar. Die deutschen Käufer erhalten folglich mehr Gegenwert für ihr Geld. Dadurch fällt das Preisniveau. Dass Preise durch die chinesische Energienachfrage steigen würden, ist eine reine propagandistisch europasozialistische Behauptung, die auch noch fremdenfeindliche Ressentiments gegen China bedient. Das Gegenteil ist wahr. Chinesische Energienachfrage ist nur durch internationalen Handel möglich, und genau dieser durch China umfangreicher gewordene Handel und größere Weltmarkt senkt durch die Realisierung komparativer Kostenvorteile die Preise. Dies erkannte David Ricardo, einer der größten Ökonomen der Weltgeschichte, bereits vor zweihundert Jahren. Seine mathematisch darstellbare Theorie der komparativen Kostenvorteile ist bis heute unbestritten.

Wirtschaftswachstum senkt die Preise und erhöht sie nicht

Noch dümmer ist die Behauptung, dass Wirtschaftswachstum die Preise nach oben treibe und dass eine „Abkühlung“ der Wirtschaft das Preisniveau senke. Wieder ist das Gegenteil der Fall. Wirtschaftswachstum heißt, dass mehr Güter angeboten werden, mehr produziert wird. Das ist bei immer gleich bleibender Menge an realen Ressourcen (den Planeten Erde mit allem, was dazu gehört gibt es nur einmal) nur möglich, indem die Produktivität steigt, das heißt, dass bei gleichem oder gar geringerem Mitteleinsatz durch Innovation, Arbeitsteilung, Handel und Investition mehr nachgefragte Ware produziert werden kann als vorher. Wenn auf diese Weise das Güterangebot steigt, müssen logischer Weise die Preise fallen. „Kühlt“ sich die Wirtschaft ab, weil etwa zu hohe Steuern, zu viel Bürokratie oder ein Papiergeldsystem perverse Anreize setzen oder reales Wirtschaften schlicht blockieren, wie derzeit der Fall, dann nimmt auch die Produktivität und damit die Produktion nachgefragter Güter ab. Die „Abkühlung“ treibt auf diese Weise die Preise nach oben, das sinkende Güterangebot verteuert und erschwert die Versorgung der Bevölkerung mit Gütern. Dennoch wird die politische Klasse aus Berufspolitikern, Zentralbankern, staatlich finanzierten „Volkswirten“ und Bankmanagern nicht müde, uns das Geld aus den Taschen zu lügen, um knallhart ihre Interessen durchzusetzen: Macht und Reichtum auf Kosten anderer!

Erdölpreis sinkt ständig und ist kein Inflationstreiber

Gemessen in wertstabilem Geld, wie etwa Gold, dessen verfügbare Menge sogar leicht zunimmt, sind die Erdölpreise ständig gefallen und haben sich in der letzten Zeit geradezu halbiert. Wenn sich aber die Geldmenge in Euro verdoppelt hat, so ist doch ganz klar, dass auch der Benzinpreis steigt. Es grenzt an Wahnsinn, fertig verarbeitetes und logistisch bereitgestelltes Erdöl, das an der Tankstelle derzeit für etwa 1,50 EUR pro Liter Super billiger als Mineralwasser angeboten wird, als besonders „knappe Ressource“ zu propagieren. Das volle Maß der Tollheit dieser Behauptung wird aber erst dann klar, wenn man bedenkt, dass 60 Prozent des Benzinpreises Steuern beim Umsatz von Benzin darstellen, während der Umsatz von Mineralwasser „nur“ mit 19 Prozent besteuert wird.

Bei einer Nettobetrachtung ist dann der der Liter Super mit 60 Cent billiger als ein Kilo tiefgefrorener Rahmspinat, den man unter der Handelsmarke „ja!“ abzüglich der Umsatzsteuer für 80 Cent bekommt. Ein Liter Super ist sogar 40 Prozent billiger als Orangendirektsaft bei zum Beispiel Aldi, der ohne Umsatzsteuer etwa einen Euro kostet. Und das obwohl der jährliche Erdölverbrauch in Deutschland mit knapp 12 Barrel pro Kopf 51-mal höher ist als der gesamte Fruchtsaftverbrauch in der Bundesrepublik. Ein Liter Rohöl kostet mit etwa 37 Cent weniger als eine Packung Kaugummi oder eine Büchse Mais. Erdöl kann, betrachtet man diese Preissignale, kein wirklich knappes Gut, kein Engpass in der Produktion sein. Dass Erdöl knapp sei oder die Erdölindustrie besonders gierig nach hohen Preisen sei, ist reine Propaganda, die verschleiern soll, dass der Staat die Erdölpreise durch Steuern und Inflation nach oben treibt, um von dem Geld die Millionengehälter seiner Bankmanager zu bezahlen, Kontrolle durch Energiepreisterror zu gewinnen oder anderweitige Misswirtschaft zu betreiben. Das neue Argument, der Chinese sei am steigenden Erdölpreis Schuld, bringt das Lügenfass zum überlaufen.

Inflationslügen der Politiker und Zentralbanker

Fallen Sie nicht auf die Trugschlüsse und den vulgärökonomischen Blödsinn der Politiker und Zentralbanker herein, wenn jetzt die Preise weiter rasant steigen. Weder die sich im Wettbewerb befindliche Industrie, noch das Wirtschaftswachstum, noch der Chinese sind schuld daran. Sie alle senken die Preise und mehren den Wohlstand. Die aufblühende Wirtschaftsmacht China stellt keinerlei Bedrohung für den europäischen Markt dar, sondern ist ein Segen. Auch Spekulanten senken die Preise und stabilisieren diese sogar. Das habe ich ausführlich in meinem Artikel vom 27.01.2011 zum Thema „Handel mit Agrarrohstoffen“ für das Liberale Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung gezeigt. Die Spekulanten für die Krise verantwortlich zu machen, geht von der „inneren Logik“ argumentativ strukturell noch mehr in die Sowjet-, DDR- oder NS-Zeit hinein, als die Schelte braver Chinesen in Fernost, und auch das ist ein Skandal.

Wer uns schröpft und ausbeutet, das sind in Wirklichkeit unsere eigenen Politiker, die wir noch immer dulden, wählen und deren Lügen wir glauben. Sie versenken Billionen von Euro im Milliardengrab staatseigener und staatsabhängiger Banken, die auf direkte Weisung und gesetzliche Anreize hin etwa unseriöse amerikanische Hypothekenanleihen oder Schrottanleihen fremder Staaten kaufen. Die Politiker zahlen ihren Bankmanagern Millionengehälter und verdienen selbst in den Aufsichtsräten dieser Banken. Sie verdoppeln die Geldmenge mit ihrer eigenen Bank, der Europäischen Zentralbank und hebeln ihren Schrott durch noch mehr Kredite. Sie bereichern sich schamlos an der Inflation, die zugleich das Leid der breiten Bevölkerung ist, Hunger und Elend in der Welt verbreitet. Der Europäische „Rettungsschirm“ soll so nicht Hunderte Milliarden, sondern Billionen schwer werden, gibt Guy Verhofstadt, Chef der „liberalen Fraktion“ im Europaparlament, noch am selben Tag der Bundestagsabstimmung über den EFSF-„Rettungsschirm“ zu. Wenn dann zwangsläufig bei Ihnen die Rechnung in Form von Geldentwertung und höheren Steuern ankommt, die Steuerlast steigt und die Leistungen des Staates sinken, dann deuten die herrschenden Feudalherren auf andere. Sie deuten auf „den Chinesen“, oder „den Spekulanten“ und die meisten glauben es. Sie lügen um die Wette, um sich ihre Privilegien zu erhalten und den Zorn der Bevölkerung auf unschuldige Opfer zu lenken. Ein schandvolleres Verhalten ist kaum denkbar.

Quellen

„FAZ“: Weniger Wirtschaftswachstum wird Preisanstieg stoppen

„WELT“: Chinas Rohstoffhunger treibt Preise nach oben

Definition: Basisgeldmenge = Zentralbankbilanzsumme

Gabler Wirtschaftslexikon: Ricardianisches Modell komperativer Vorteile

Liberales Institut: Spekulanten senken und stabilisieren Preise

„WELT“: Hebeltrick soll Bürger über „Rettungsschirm“ weiter schröpfen

„WELT“: Euro-„Rettungsschirm“ wird Billionen schwer

Quellen zu den verwendeten Preisdaten:

Bundesfinanzministerium: Steueranteil am Benzinpreis

„Rewe“: Preis für ein Kilo tiefgefrorenen Rahmspinat

„ALDI“: Preis für ein Liter Orangendirektsaft

"Welt-in-Zahlen“: Erdölverbrauch pro Kopf in Deutschland

Verband der dt. Fruchtsaftindustrie: Fruchtsaftverbrauch pro Kopf

„finanzen.net“: Ölpreis in Euro


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Ralph Bärligea

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