26. Oktober 2011

Athanasios die Glosse Die Softdrink-Hardies

Amerikaner entdecken Geheimnis der Jugendgewalt

Softdrinks heißen zwar soft. Aber die zucker- und kohlesäurehaltigen Limonaden, abgepackt in umweltfeindliche Dosen, sind wahre Härtemittel. Sie verleiten ihre jugendlichen Konsumenten zu Gewalt. Das haben nun amerikanische Wissenschaftler in einer Studie zweifelsfrei bewiesen. David Hemenway, Professor für Gesundheitspolitik in Harvard, findet „erschreckend“, „wie klar die Verbindung“ zwischen Softdrinks und Gewaltbereitschaft ist. Solche Berserker-Wirkung kannte man bislang nur vom Tabak.

Nun gilt es, so der Professor, genauer zu untersuchen, ob wirklich das Softtrinken die bis zu 15 Prozent höhere Gewaltrate verursacht. Aber warum denn nicht? Warum hätte man sonst diese Studie in Auftrag gegeben? „Softdrinks machen Teenies gewalttätig“, die Bild-Zeitung begreift die amerikanische Logik anscheinend besser als die Forscher. Welchen anderen Grund sollten die befragten Latinos und Afroamerikaner an staatlichen Schulen in Boston haben, zu prügeln, zur Waffe greifen — wenn nicht das ungesunde Trinkverhalten? Schon spinnen Coca-Cholera-Leugner aus der deutschen Naturheilpraxis ihre abwegigen Verschwörungstheorien: Jugendliche aus schlechtem Umfeld tränken einfach ungesünder; die Gewalt hänge an der Familie, nicht am Gesöff. Ich habe eine andere Vermutung: Nicht der Zucker, sondern die Kohlensäure macht die Kids so aggressiv. Denn H2CO3 ist ein Produkt von Wasser und dem Killergas CO2 — und das bekommt niemandem gut!

Was also tun gegen das schlechte Klima an staatlichen Schulen in Amerika? Zuerst sollte man den Konsum von Softdrinks an öffentlichen Orten verbieten. Dann müsste man Warnhinweise an Limonaden anbringen, die Privatschulen schließen und die Waffen verbieten. Und schließlich könnte man die Jugendlichen dazu anhalten, es mit härteren Sachen zu versuchen. Mit Wodka, CO2-frei, so wie die heimische Jugend in Deutschland. Wenn alles nichts hilft, ja dann kann es nur der Hip Hop gewesen sein.


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